Villen in Blankenburg · Wilhelmstraße 3
Ein Major zur Disposition – Wilhelmstraße 3, Blankenburg
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Besitzer in den zwanziger Jahren war ein Friedrich Wal rad Alexander Hermann von Arnstedt, königlich preu ßischer Major »zur Disposition«, was heute etwa einem einstweiligen Ruhestand entspräche. Er erhielt eine Pension und hätte im Mobilmachungsfall sofort wieder den Militärdienst aufnehmen müssen. Geboren 1858 in Breslau, kam er nach seinem Abschied aus der kaiser lichen Armee hier nach Blankenburg, wo er 1929 starb. Seine Frau, Marie Luise Pauline v. Arnstedt überlebte ihren Mann um sechs Jahre. Sohn Siegfried v. Arnstedt, eigentlich Hermann Gottlieb Maximilian Alexander Siegfried von Arnstedt bekleidete in den dreißiger Jah ren einen hohen Funktionärsposten bei der Technischen Nothilfe, sie entspricht heute etwa dem Technischen Hilfswerk. Aus dieser Ehe ging Sohn Hans Joachim v. Arnstedt hervor, der 1921 in Blankenburg das Licht der Welt erblickte und 1998 in Delmenhorst verstarb. Ein illustrer Vorfahre der von Arnstedts war Carl Cuno Arthur von Arnstedt. 1849 geboren, diente er sich bis zum Oberstleutnant der kaiserlich-ostasiatischen Rei terei hoch. Dieses ehrenhafte Kommando erlangte er sicher auch infolge seiner vorhergehenden Tätigkeit als militärischer Berater, also als Erzieher der Prinzen von Preußen. 1903 erlag er einer Lungenentzündung, mitge bracht aus China.
Das Haus in der Wilhelmstraße wurde in der Zeit der DDR wie so viele von der Kommunalen Wohnungsver waltung treuhänderisch verwaltet, bis 1986 eine förmli che Enteignung der Alteigentümer stattfand. Schon 1964 wurden umfangreiche Reparaturarbeiten notwendig. Doch achtete man streng auf Kosten und das stets knap pe Material. Insbesondere die Fenster litten unter die sem Spardiktat; so wurde die Loggia mit dem fassaden bestimmenden Großfenster richtiggehend zugemauert und mit nebeneinander angeordneten Normalfenstern verunstaltet. Sehr preiswert, sehr häßlich. Auch das über mehrere Etagen reichende dreiflüglige Buntglasfenster mit Rundbogen verschwand bei dem Umbau. Es soll ein Postkutschenmotiv gezeigt haben und unbestätigten Gerüchten zufolge von der Staatsfirma Koko in der BRD gegen harte Währung verkauft worden sein. Bei der Ge legenheit verschwand auch ein großer Gobelin aus dem Treppenhaus.
Unmittelbar neben der Wilhelmstraße 3 befand sich das Kaiser-Wilhelm-Spital. Es wurde im 13. Jahrhundert erstmals als das damalige »Georgenhospital« im Kloster Michaelstein erwähnt. Im Jahre 1715 entstand im jet zigen »Georgenhof« ein Krankenhaus im Stadtgebiet. 1860 wurde gegenüber dieser Villa, auf dem Gelände des heutigen Gesundheitszentrums »Dr. Scholz«, das »Herzog-Wilhelm-Hospital« mit 12 Betten eröffnet. Die Aufgaben bestanden damals vorwiegend in der Behand lung von ansteckenden und gefährlichen Krankheiten sowie der Unterbringung von Personen, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit isoliert werden mußten. 1927 waren bereits 70 Betten zur Pflege kranker Menschen vorhanden. 1937 gab die Stadt eine Klinikplanung in Auftrag. Die dann freilich niemals errichtete Klinik sollte auf dem Eichenberg, am späteren Standort der AWG-Häuser gebaut werden. Dieser Bauplatz war zuvor für den Neubau des Kurhauses Teufelsbad reserviert gewe sen. 1939 bis 1945 diente das Hospital als Lazarett. Im Zusammenhang mit der örtlichen Umstrukturierung des Gesundheitswesens nach Kriegsende wurde das Objekt zur Poliklinik. Als Krankenhaus hatte man in der Linde straße ab 1945 das alte Alumnat genutzt. Hier befanden sich eine chirurgische und dann auch gynäkologisch-ge burtshilfliche Station. Von 1964 bis 1974 gab es darüber hinaus eine HNO-Abteilung. Nach deren Aufgabe im Jahre 1974 wurden eine Orthopädische Abteilung so wie eine Intensivtherapieabteilung eingerichtet. In der Thiestraße wandelte man 1947 die damalige Kuranstalt zum Städtischen Krankenhaus um. Neben einer Inneren Abteilung wurde in den Nachkriegsjahren eine größere Tbc-Abteilung für Erwachsene und Kinder sowie eine Infektionsabteilung betrieben. 1952 kamen eine Kinder abteilung und 1957 die Abteilung für Neurologie und Psychiatrie hinzu. Dabei wurde der Standort »Alumnat« beibehalten.
Die Tradition einer besonderen Stellung von Neurologie und Psychiatrie zeigte sich in dieser erstmalig im Bezirk Magdeburg eingerichteten Station. Betreut wurde sie durch Frau Dr. Friederike Pusch, von der allerdings erst nach der Wiedervereinigung bekannt wurde, daß sie in der Zeit des Dritten Reiches aktiv an der Kindereuthana sie in Brandenburg-Göhrden beteiligt war. Unbehelligt und unbestraft war sie 1980 verstorben.
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich eine ständige Entwicklung und Modernisierung vollzogen. Aufgrund einer Vielzahl von Investitionen und Umstrukturie rungsmaßnahmen konnten die Voraussetzungen für ein modernes und leistungsstarkes Krankenhaus geschaffen werden. Es entstanden die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die Klinik für Neurologie und die Klinik für Innere Medizin/Geriatrie mit überregionalen Versor gungsaufträgen.
Seit 1995 verfügte das Harz-Klinikum, zu dem der Stand ort Blankenburg nun gehört, über eine eigene Kranken pflegeschule. Anfang Juli 2002 wurde eine speziell auf geronto-psychiatrische Krankheitsbilder ausgerichtete Pflegeeinrichtung, das Pflegeheim Schloßblick, eröffnet. Im Juli 2006 wurde auf dem Gelände Thiestraße ein Neubau für die Klinik Innere Medizin/Geriatrie in Betrieb genommen. Es entstanden neben modern ein gerichteten Zweibettzimmern mit Bad großzügige The rapieräume, eine zentrale Patientenaufnahme sowie eine neue Cafeteria. Anfang 2007 wurde die Klinik für Neuro logie an den Standort Wernigerode verlagert. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie konmzentrierte sich nach Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen in der Blankenburger Thiestraße und erhielt somit sehr moder ne Therapiebedingungen.
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 91–96: „Wilhelmstraße 3“

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