Ein Villen-Neubau ohne Allüren im Forstmeisterweg 2, Blankenburg

Ein Auszug aus dem Buch "Villenstadt Blankenburg - Glanz und Geschichte" in dem 42 der schönsten und interessantesten Villen Blankenburgs vorgestellt werden.
Forstmeisterweg 2, Blankenburg
© Verlag Bussert & Stadeler

Ein ästhetisch reizvoller Villenneubau wuchs hier in den Jahren 2003 bis 2005 empor. Es ist eines der wenigen architektonisch gelungenen und sich ganz in das Quartier einpassenden Neubauten im Ensemble der Blankenburger Villen. Das erregt Aufmerksamkeit. So wurde der Eigentümer schon mal an der Grundstücksgrenze angesprochen: »Wir sind schon lang nicht mehr hier gewesen, ich kann mich gar nicht erinnern, wie Ihr Haus früher aussah!« Schmunzelnd klärt der Besitzer den Sachverhalt auf …

Der Verbindungsweg zwischen Heidelberg und Lindestraße hieß laut Stadtkarte von 1938 Butental, heute rätselhafterweise Forstmeisterweg.
Das am steilen Hang stehende Haus wird bekrönt von einer ganz eigenen Dachhaube, die bei Architekten als »Hamburger Dach« bekannt ist. Durch weitestgehenden Verzicht auf Zwischenwände entstanden im Inneren große, lichtdurchflutete Räume voller Leichtigkeit. Bemerkenswert ist der Wintergarten im 2. Obergeschoß, der besonders zum Jahreswechsel einen der besten Ausblicke über die Stadt bis weit ins nördliche Harzvorland bietet.

Das Haus steht im ehemaligen Obstgarten des Grundstückes Lindestraße 25. Deren Besitzer sind wie viele andere auch 1945 geflohen. Die Familiensaga will wissen, daß der Großvater noch eilig wertvolle Dinge, vor allem aber seine enormen Weinvorräte auf dem Grundstück vergrub. Gefunden wurde bis heute nichts. Der ehemalige Obstgarten konnte durch Grundstückstrennung zwar nun für den Neubau genutzt werden; der Wein-Schatz ward indessen auch dort nicht gefunden, wie dem Autor glaubhaft versichert wurde.

Die Eigentümerfamilie ist auch Miteigner der Halberstädter Fleisch und Wurstwarenfabrik Halko. Auch hier lohnt sich ein Blick auf zeitgeschichtliche Zusammenhänge. Diesem Traditionsunternehmen gelang es als erstem, die Bockwurst in die Dose zu bringen. Das Unternehmen wurde 1883 in Halberstadt gegründet. Der Unternehmer Friedrich Heine schaffte es 1896 mit der bis dahin eher regional bekannten Spezialität namens »Halberstädter Würstchen«, den weltweiten Markt zu erschließen. Er verpackte erstmalig Würste in einer Konserve und sorgte damit für den unaufhaltsamen Aufstieg eines Klassikers. Die Wurstkonserve war erfunden!

Das Unternehmen ging 1948 in Volkseigentum über und firmierte bis zum Mauerfall unter VEB Halberstädter Fleischwaren. Mit der Übernahme 1992 durch die Unternehmerfamilie Nitsch wurde die lange Tradition der Marke Halberstädter fortgeführt und nach modernen Anforderungen weiterentwickelt. »Halberstädter Würstchen« mit dem patentierten Kaminrauchverfahren über Buchenholz sind heute deutschlandweit bekannt und geschätzt.