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Villen in Blankenburg · Thiestraße 4

Das Teufelsbad – Thiestraße 4, Blankenburg

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Das Teufelsbad – Thiestraße 4, Blankenburg

Der hochgeschätzte Blankenburger Schriftsteller und Lehrer Bernd Wolff formulierte einst zu Blankenburg: »In schlechten Zeiten will man an Kranken gesunden.« Tatsächlich lebte die Stadt von ihrer »Gesundheitsindus trie in schönster Lage« nicht schlecht. Viele Villen stehen damit im Zusammenhang und wären sonst nicht hier errichtet worden.

Im ehemaligen Suderschen Haus Albert-Schneider-Stra ße Nr. 8 wurde durch Sanitätsrat Müller und Dr. Rehm eine Kuranstalt unmittelbar am Rande des Thieparkes begründet. Dr. Otto Müller wagte damit die Gründung der ersten offenen Anstalt für Psychiatrie in Deutsch land. Der Zulauf war enorm; Patienten kamen aus dem gesamten Reich. Weitere Nervensanatorien eröffne ten. Die Kundschaft war durchweg wohlsituiert. Hierin scheint ein Geheimnis des damaligen Erfolges von Blan kenburg gelegen zu haben: Ein Teil der Patienten blieb gleich am Ort und siedelte sich dauerhaft an. Wir finden in dieser Zeit als Nervenarzt unter anderem einen Dr. Gnauck, berühmter wurde allerdings seine geschiedene Ehefrau Elisabeth Gnauck-Kühne, eine frühe Kämpferin für die Rechte der Frauen. Bemerkenswert ist das Wir ken von Dr. Bernhard Laehr, der erstmals auch deutlich ärmere Bevölkerungsschichten psychiatrisch versorgte. In der Gartenstraße 8 entstand ein weiteres Sanatorium mit ausgedehntem Park. Dr. Matthes führte die Kur einrichtung Eyselein weiter; der heutige Stadtpark war seinerzeit Sanatoriumsgelände, daher die umlaufende Mauer. Es gab das Sanatorium »Villa Daheim« von Dr. Lüddecke, Haus Bergfried, Rübeländer Straße 19 und andere Einrichtungen mehr.

Nach Müller und Rehm führte anschließend das Ärzte ehepaar Kölle die Kur- und Heilanstalt mit drei Häusern weiter, bis diese Klinik ab 1920 von Dr. Karl Strünk mann, einem Pionier alternativer Medizin bis etwa 1932 pachtweise weiterbetrieben wurde und Frau Alwine Kölle einen unbeschwerten Lebensabend ermöglichte. Die von Strünkmann in seiner Anstalt eingeführte Er nährungsweise auf vegetarischer Grundlage führte übri gens auch dazu, daß seine Patienten die Blankenburger Konditoreien ausgiebig und gern besuchten. Ferner betrieb er in Blankenburg die erste deutsche Coué-Klinik und das Naturheilsanatorium am Thie, Sanatorium Dr. Strünkmann, in dem mit Autosuggestion geheilt wurde. Aktiv trat er für die Reformhäuser ein und veranstaltete Seminare für Fachkräfteschulung. Ganz diesem Zweck diente auch eine auf dem Blankenburger Klinikgelände 1932 von ihm gegründete Fachschule unter Hans Gregor. Eine weitere Fachschule für das Verkaufspersonal von Reformhäusern mit Beratungsschulung gab es seit 1932 direkt im Sanatorium, die aber 1933 nach Sobernheim umzog. Strünkmann brachte ein völkisch-nationales Element in die seit Mitte der 1920er Jahre beschworene »Krise der Medizin« ein: »Es ist mein Glaube, daß das deutsche Volk berufen ist, nach und nach eine ganz neue, rein deutsche Heilkunst zu entwickeln. Diese deutsche Heilkunst der Zukunft wird dann Tatsache geworden sein, wenn das Heilwissen der Heilpraktiker und das Heilwissen der Schulmediziner eine neue Synthese ein gegangen sind.«

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

»Die Stadt hat ihre Glanzzeiten gehabt und ihre Schattentage und heute scheint es so, als käme so peu a peu wieder ihre Sonne hervor.«

Bernd Wolff

Nach dem Ende der Ära Strünkmann stand das Haus zu nächst ungenutzt. Schließlich waren es Kräfte der Wirt schaft, die der Stadt und dem Land Braunschweig die Möglichkeit zum Betrieb einer Kurklinik aufzeigten. Denn jenseits von neuartigen, aber unbewiesenen Heil methoden eröffnete sich die reizvolle Chance, einen Bä derbetrieb zu eröffnen. Damit zeichnete sich eine völlig neue Perspektive ab. Die reichen Vorkommen an mine ralischem Vitriolschlamm beim Kloster Michaelstein/ Teufelsgrund lösten Überlegungen zur therapeutischen Verwendung aus. Ein einzigartiger Schatz der Natur, der dem Blankenburger Kurwesen zu ungeahntem Auf schwung verhelfen könnte! Ein »Bad Blankenburg« lag in greifbarer Nähe!

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Eine erste Gewerkschaft Teufelsbad fand zusammen. Sie bestand aus dem Entdecker des Heilschlammes Georg Elsner und Bergwerksdirektor Wilhelm Schlüter, As sessor des Bergwesens und ab 1905 Bergwerksdirektor. Schlüter, wohnhaft Roh 10 und Elsner aus der Garten straße 6 waren fast Nachbarn. Dennoch bestand ihre Gewerkschaft nicht lange. Sie wollte wohl den Rohstoff fördern und verkaufen, aber keinen eigenen Kurbetrieb aufziehen. Doch ohne Betreiber ging es nicht.

Schließlich wurde unter Beibehaltung des Namens »Teufelsbad« eine gemeinsame Gesellschaft der Stadt Blankenburg und des Freistaats Braunschweig gegrün det. Der Eigentümerfamilie Kölle gelang es, das Haus Nr. 7 unter Verweis auf den etablierten Standort wieder zu vermieten. Die erste Kurbetriebsgesellschaft Blanken burgs wurde vom Stadtrat und Bankdirektor a.D. Paul Bunz geleitet. Um 1924 zugezogen, wohnte Familie Bunz zunächst in der Schützenstraße 22. Doch »Kurdirektor« stellte einen sozialen Aufstieg dar und pflichtschuldig nahm man standesgemäße Wohnung in der Kaiserstraße 26. Als Bunz sich mit seinem Chef, Bürgermeister Zerbst, überwarf, verzog die Familie nach Bad Harzburg. Als Arzt war im Teufelsbad Freiherr v. Schnurbein tätig, verheiratet mit der Tochter der Eigentümerfamilie Kölle. Im Krieg diente das Haus als Reserve-Lazarett, wieder um betreut durch Dr. Schnurbein. Leider konnte durch den Kriegsausbruch das ambitioniert geplante Kurhaus nicht mehr gebaut werden, so daß das einstige Sana torium des Dr. Strünkmann als Behandlungszentrum genutzt werden mußte. Kurpatienten wurden in Betten häusern, über das Stadtgebiet verteilt, oder in Pensionen untergebracht. Das war nur für den Anfang gedacht; wenn alles gut liefe, würde man neu und großzügig bau en! Doch es blieb bei einem Modell der Klinik, schließ lich machte der Krieg alle Baupläne zunichte. Bis 1997 gab es dieses unmögliche Provisorium!

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
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Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
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Die ganze Geschichte dieses Hauses steht im Buch „Villenstadt Blankenburg“. Zum Buch

Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 75–82: „Thiestraße 4“

Buch: Villenstadt Blankenburg

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Villenstadt Blankenburg

Glanz und Geschichte

Mit einem Geleitwort von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: 42 der schönsten Blankenburger Villen aus Jugendstil und Gründerzeit, opulent fotografiert von Clemens Bussert.

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