Villen in Blankenburg · Rübeländer Straße 25 und 27
Defilee für den Nachbarbalkon – Rübeländer Straße 25 und 27, Blankenburg
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Der ehemalige Kommandant von SMS »Ägir«, dem letzten Küstenpanzerschiff der Siegfried-Klasse in der Kaiserlichen Marine, suchte zum Abschluß seines Be rufslebens nach einem Altersruhesitz und hatte ihn mit Blankenburg gefunden. So wurde diese Villa, gelegen an einem »Hotspot« Blankenburger Villenbaukunst, von Admiral a.D. Max Rollmann als Ruhesitz erwählt. Be sonders gefiel dem altgedienten Militär dabei allerdings der breite Balkon des Nachbarhauses. – Max Heinrich Ludwig Rollmann, als Admiral stand ihm im Übrigen die Anrede Exzellenz zu, war ein kaiserlich deutscher Ad miral, zuletzt Direktor des Konstruktions-Departements im Reichs-Marine-Amt. In diesem Amt wurden unter anderem die Grundlagen für das bekannteste U-Boot des Zweiten Weltkriegs gelegt. Weltweit wurde es als das Boot vom Typ 7 C bekannt.
Admiral Rollmann bekleidete zuvor das Amt als Gou verneur von Kiautschou. Das heutige Qingdao, vor mals Tsingtau wurde 1898 deutsches Schutzgebiet. Das weltbekannte Tsingtao-Bier der gleichnamigen Brauerei führt noch heute diesen Namen als Markenzeichen. Der Marine bot Tsingtau einen hervorragenden Stütz punkt für ihre fernöstliche Präsenz, zumal es dort reiche Kohlevorkommen gab, wichtig für die Bekohlung der Großkampfschiffe seiner Majestät. Dort diente zur glei chen Zeit Rollmanns Bruder Julius, der vor allem aber in Wilhelmshafen und Kiel als Hafenbaudirektor großen Anteil am Ausbau der Häfen für die kaiserliche Marine vor und im ersten Weltkrieg hatte. Noch im Herbst 1918 erhielt er für seine Verdienste den Kronorden aus der Hand des Kaisers.
Julius Rollmanns Frau stammte aus der Familie Egge ling, entfernt verwandt mit dem in Blankenburg gebo renen Gauleiter und Oberpräsidenten von Halle-Merse burg Joachim Albrecht Eggeling.
Rollmanns Nachbar zur Rechten der Doppelhaushälfte war der bekannte praktische Arzt Dr. Leidig. Er sollte seinem Leben bei seiner Tätigkeit in den Blankenburger Lazaretten kurz vor Kriegsende 1945 selbst ein Ende setzen.
Dem Admiral nun stand als Exzellenz eine Ehrenbezei gung der Standortgarnison zu. Deshalb fand jedes Jahr am 13. Februar ein feierliches Defilee der Garnisonstrup pen statt. Zu deren Abnahme war natürlich ein repräsen tativer erhöhter Platz mit viel Übersicht vonnöten. Der bot sich auf dem Balkon der nachbarlichen Rübeländer Straße 27. Also verließ Exzellenz seine Ruhesitz-Villa und erklomm den wunderschön verzierten Balkon der Nachbarvilla. Den aus der Wilhelmstraße in tadelloser Ordnung anmarschierenden Truppen winkte er huldvoll zu, während die Militärkapelle der »Schwarzen Jäger« auf dem Straßendreieck Roman Abt-, Wilhelm- und Rü beländer Straße Aufstellung genommen hatte. Alsdann, vermutlich gestärkt und getröstet, kehrte der Admiral in seine eigene Villa zurück, wo er sich vielleicht für den Rest des Jahres schon auf den nächsten 13. Februar freute.
»Zuerst geben wir unseren Häusern eine Form, später formen sie uns.«
Winston Churchill
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 131–136: „Rübeländer Straße 25 und 27“

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