Villen in Blankenburg · Rübeländer Straße 23
Tunnelkehren und Dolce Vita – Rübeländer Straße 23, Blankenburg
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Eine unstillbare Italiensehnsucht spiegelt sich im Er scheinungsbild dieser Villa wider. Das liegt im Lebens weg des Besitzers, Geheimer Regierungsrat Dr. Ing. Carl Anton Dolezalek begründet.
In Marburg in der Steiermark 1843 geboren, begann er nach Schule und Studium in Österreich-Ungarn seine Eisenbahnbaupraxis. Etwa ab 1875 finden wir Dolezalek als Sektionsingenieur an der epochalen Tunnelbaustelle des Gotthardt in Göschen in der Schweiz, einem techni schen Wunderwerk seiner Zeit. Damals setzte er sich mit dem Kehrtunnel gegenüber anderen Varianten durch. Hierbei gewinnt die Strecke kreisbogenförmig und be ständig ansteigend die notwendige Höhe, die geradeaus zu unzulässig starker Steigung geführt hätte. Die damals neuartigen Kehrtunnel waren Bestandteil seines Tras senvorschlags, der dann auch realisiert wurde. Das ließ die Fachwelt aufhorchen, so daß es kaum ver wundert, daß ihm bereits 1878 eine Professur an der Technischen Hochschule Hannover angetragen wurde. Sechs Jahre war er auch Rektor dieser TH, bis ihn 1907 der Ruf zur TH Berlin-Charlottenburg erreichte. In diesen Jahren nahm er auch an Fachkongressen europaweit eifrig teil. Auf einer dieser Messen begegnete er als gleichgesinnten Fachmann dem Blankenburger Eisenbahningenieur Albert Schneider, und vermutlich über diesen Kontakt lernte er Blankenburg schätzen und lieben. Es war eine Liebe, die bis zu seinem Tod am 24.Januar 1930 andauern sollte.
Carl Dolezalek bestieg die professorale Lehrkanzel noch bis zum 85. Lebensjahr. In 50-jähriger Dozententätig keit ist die Zahl derer, die bei ihm Eisenbahnbau hörten, außerordentlich groß. Darüber hinaus war er als Gutach ter, Beurteiler und Schiedsrichter an weiteren bedeut samen Eisenbahntunnel-Projekten, so am Gotthardt, Lötschberg, Grenchenberg-, Hauenstein-, Riecken-, Tauern- und Mont Cenis (Frejus)-Tunnel beteiligt. Die unaufhaltsame technologische Entwicklung des Eisen bahn- und Tunnelbaus wurde von ihm stark mitgeprägt. Carl Anton Dolezalek gilt deshalb heute weltweit als einer der bedeutendsten Bahnbau-Experten in Theorie und Praxis, speziell für Gebirgsstrecken.
Seine Tochter, Adele Schulte-Dolezalek, bewohnte das Haus mit mediterranem Gepräge noch um 1950. Auf dem Dachboden entdeckt man noch heute Inschrif ten von Handwerkern, die sich in pubertärer Manier vor 100 Jahren hier verewigten. Ein Richard Riedel ernannte sich 1913 zum Wirklich Geheimen Oberkaminkehrer z.D. Ein Henri Doll wollte dem 1920 nicht nachstehen. Als Zeichen seines Berufsstandes fügte er stolz Besen, Leiter und Zylinderhut hinzu; letzterer hält sich noch heute bei der Innung der Schornsteinfeger.
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 125–130: „Rübeländer Straße 23“

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