Villen in Blankenburg · Rübeländer Straße 1
Villa Georg: Eine legendäre Musikaliensammlung – Rübeländer Straße 1, Blankenburg
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Der Bauherr dieser markanten Villa, gelegen an einem mit dem Begriff »Straßenkreuzung« deutlich dezent benannten Platz, war Georg Julius Heinrich Reinecke, Generalmajor z.D., was »zur Disposition« bedeutet und dem heutigen einstweiligen Ruhestand entspricht. Er lebte von 1861 bis 1945. Die Heirat mit einer vermögen den Frau ließ ihn den Doppelnamen Reinecke-Österreich annehmen, letztlich konnte durch ihr Vermögen dieses repräsentative Haus errichtet werden. Da war der Bau herr im 37. Lebensjahr und sicher noch nicht General. Trotzdem baute man repräsentativ, der Zeitgeist wollte es und besser verkaufen ließ sich so eine Villa allemal. Es fällt auf, daß die erste Besitzergeneration, in der Regel die Bauherren selbst, zwischen 10 und 20 Jahre darin wohnten.
Danach begann in den meisten Fällen ein reger Eigen tümerwechsel. Adlige Villenbesitzer brachten ihre langen Stammbäume mit in das schöne Blankenburg, doch an sässig, für längere Zeiträume, wurden nur die wenigsten. Irgendeiner Linie »Stammhaus« wurde selten begrün det, wenn man vom legendären Stammvater der Zigar rendynastie Reemtsma in der Langen Straße 11 einmal absieht.
Ein bedeutender Vorfahr aus der Linie von Georg Reine ckes Frau war der Musiker Georg Österreich; Begründer der »Sammlung Borkmeyer«. Sie gilt als bedeutende Musikaliensammlung des ausgehenden 17. und begin nenden 18. Jahrhunderts und befindet sich heute in der Staatsbibliothek Berlin.
Georg Österreich wurde 1664 in Magdeburg geboren und starb 1735 in Wolfenbüttel. Er war ein bekannter Ka pellmeister seiner Zeit und hinterließ über 70 Kirchen kantaten, über deren Originalität die Fachleute streiten. Seine Musikaliensammlung jedoch erwies sich als von unschätzbarem Wert, ermöglicht sie doch überhaupt erst einen Einblick in die Musikpraxis seiner Zeit und auf die Werke berühmter Komponisten des Barock.
Der Stammbaum der Familie Österreich läßt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Letzter direkter Nach fahre Georg Österreichs war Margarete Reinecke. Sie wohnte nach dem Tod ihres Gatten bis zu ihrem Tod um 1950 in der Villa. Sie starb kinderlos.
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 143–148: „Rübeländer Straße 1“

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