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Villen in Blankenburg · Rohdenbergstraße 12

Kolonialambiente: Haus Afrika – Rohdenbergstraße 12, Blankenburg

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Kolonialambiente: Haus Afrika – Rohdenbergstraße 12, Blankenburg

Eine ganz eigene, für Blankenburg durchaus typische Aura der Geschichte umgibt diese Villa. Deutsche und afrikanische Geschichte kreuzen sich hier. Haus Afrika entführt den Besucher in die ferne Welt Afrikas zu Zeiten des Kolonialismus.

Errichtet wurde das Haus 1900 von Maurermeister Heidecke – derselbe baute zuvor bereits die Gebäude auf dem Brocken – im Auftrag eines Mühlenbesitzers. Schon 1928 firmierte auch hier ein Töchterheim namens »Haus Dore«. Nach dem Tod von Dr. Retslag, der das Sanato rium »Villa Bergfried« in der benachbarten Rübeländer Str. 19 betrieb, führte seine Lebensgefährtin Frau Lange besagte »Villa Bergfried« unter demselben Namen in diesem Haus weiter; die Rübeländer Str. 19 wurde zum Wohnhaus umgewandelt. 1936 finden wir Frau Ella Ha belos als Besitzerin; an der Vorderfront der Villa prangte unübersehbar »Villa Müllrose«.

Im Dritten Reich erfolgte die Umbennung der Rohden bergstraße in »General von Busse-Straße«. Am 15. Juni 1938 wurde in diesem Haus ein Schulheim des Reichsko lonialbundes eingeweiht, 26 Kinder von 8 bis 17 Jahren fanden hier Aufnahme. Es handelte sich um ein Internat; die Kinder besuchten Blankenburger Schulen oder Be rufsschulen. An diesem Tag erfolgte ebenfalls die Umbe nennung der Villa in »Haus Afrika«.

Der Afrikareisende Hans Schomburgk scheint den Rat gegeben zu haben, daß Blankenburg als Standort bestens geeignet sei; er hatte hier zwischen zwei Afrikaaufenthal ten in der Schloßkaserne seinen Wehrdienst abgeleistet. In Blankenburg war die Ortsgruppe des Reichskolonial bundes aufgrund der in großer Zahl hier ansässigen altgedienten Kolonial-Offiziere besonders stark. Laut »Völkischem Beobachter« vom 1. Mai 1939 gab es in Blankenburg und Wuppertal – dort unter dem Namen Henkelschlößchen – je ein solches Schulheim des RKB, wo deutsche Kinder aus den ehemaligen Kolonien eine Ausbildung erhalten sollten. In den ehemaligen deut schen Kolonien unterhielt der RKB zeitgleich 16 deut sche Schulen und Schülerheime. Beim Reichskolonial bund, der seinen Sitz im Afrika-Haus zu Berlin hatte, fiel die Offerte der »Blankenburger Kameraden«, Internats gebäude günstig erwerben zu können, auf fruchtbaren Boden, denn das bereits seit 1936 in Bad Harzburg beste hende Objekt war viel zu klein. Rohdenbergstraße Nr. 12 wurde angekauft und bekam ein »Afrika-Ambiente«. Es versteht sich aus dem Zeitgeist, daß die Villa vollge stopft war mit Mitbringseln vom schwarzen Kontinent, vorwiegend aus Deutsch-Südwest. Da begrüßte den Be sucher das Löwenfell auf den Fliesen der Eingangshalle, kreuzten sich Eingeborenenspeere an der Wand und af rikanisches Schnitzwerk traf auf Trommeln und Masken. Neu angefertigt wurde ein aufwendiges Buntglasfenster nach einem Entwurf wahrscheinlich von Alf Bayrle, mit Palmen und Wasserfallmotiv für das Treppenhaus. Die verspielte Leichtigkeit des Jugendstils wurde redu ziert. Die vormals offene Empfangshalle wurde umbaut, desgleichen der ehemalige Balkon im ersten Oberge schoß. Schmuckelemente wie die nordischen Windfedern an den Dachgiebeln wurden ersatzlos entfernt, auch Markisen und Blumenrabatten mußten weichen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß »pflege leicht« umgebaut wurde. Eine Geschäftsstelle des Bun des wurde eingerichtet und gern trafen sich die Pensio näre dort zum Herrenabend.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Besonders stolz waren die Ehemaligen aus Deutsch-Süd west auf die Namensgebung des dritthöchsten Berges des heutigen Namibias, der als Reminiszenz an die Heimat Blankenburg von einem der ihren als »Regen stein« benannt wurde. Freilich gibt es Unterschiede zum Original, vor allem an die 2300 Höhenmeter in Namibia kommt die altehrwürdige Feste Regenstein mit 290 Me tern nicht annähernd heran. Tröstlich war da die Tatsa che, daß es in der Blankenburger Festung zumindest den tiefsten Burgbrunnen Europas gibt, wenn auch verschüt tet. Der Namensvetter in Namibia heißt heute immer noch Regenstein, es gibt eine kleine Siedlung mit etwa 45 Einwohnern, eine Ranch und Ferienhäuser. Wohlhaben de Leute der Windhoeker Oberschicht leben dort. Im Haus Afrika war tagsüber das Haus erfüllt vom quirli gen Leben der Jugendlichen, über deren Wohlbefinden die Vorsteherin Frau Schreiber wachte. Ein in Nami bia bekannter Kurzzeitbewohner dieses Internats war Hellmuth von Leipzig, der als Fahrer von Generalfeld marschall Rommel in Afrika bekannt werden sollte. Im Februar 1943 wurde der RKB verboten. Frau Schreiber durfte ihre Wohnung behalten, das Vermögen des Bun des verfiel dem Reich. Geblieben ist bis heute ein Begriff: «Haus Afrika«.

Während der immensen Wohnungsnot nach 1945 schuf man durch Abtrennungen einstmals großer Räume Platz für sechs Familien. Die »von Busse-Straße« erhielt ihren angestammten Namen »Rohdenbergstraße« zurück. »Rohdenberg« als uralte Flurbezeichnung geht nach Prof. Damköhler auf die vorherrschende rote Gesteinsfarbe, ergo auf »roter Berg«, zurück. Die DDR-Zeit verging. 2004 war das Haus durch unterlassene Sanierungen derart heruntergekommen, daß der Abriß drohte. In vierjähriger Bauzeit gelang es einer neuen Eigentümerfa milie, Haus und Anwesen in ein Kleinod zu verwandeln. Freilich bedurfte es eines erheblichen finanziellen Auf wandes. Allein die sehr aufwendige Dachkonstruktion mit Dachneueindeckung – dafür gab es sogar einen Architekturpreis – sowie die 76 Fenster verschlangen Unsummen. Daß sich der Aufwand gelohnt hat, steht außer Frage: Heute ist Haus Afrika eine der schönsten Villen der Stadt.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

»Kehr zu deinen Büchern zurück, und zu deinem Sessel. Pflanz deine Bäume, sieh zu, wie sie wachsen. Gäbe es mehr, die ihr Zuhause höher erachten als Gold, diese Welt wäre ein viel glücklicherer Ort.«

Christopher Tolkien
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 109–116: „Rohdenbergstraße 12“

Buch: Villenstadt Blankenburg

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Villenstadt Blankenburg

Glanz und Geschichte

Mit einem Geleitwort von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: 42 der schönsten Blankenburger Villen aus Jugendstil und Gründerzeit, opulent fotografiert von Clemens Bussert.

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