Villen in Blankenburg · Marienstraße 1
Villa Daheim: Ein Haus für »ruhige geisteskranke Damen« – Marienstraße 1, Blankenburg
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Dieses überaus prächtige und großzügige Haus mit eben solch weitläufigem Grundstück wurde vom Vater des Kaufmanns Lüddecke, Sanitätsrat Robert Lüddecke, seit März 1888 als Wohnhaus mit angeschlossener Heilan stalt errichtet. Es ist ein frühes Beispiel für eine teil weise geschäftlich genutzte Villa. Aus Helmstedt reiste Lüddecke zusammen mit Dr. Müller in die Stadt, was die Vermutung nahelegt, daß Müller keinesfalls zufällig, sondern gut vorbereitet nach Blankenburg kam. Denn Müller hatte sich bereits ein riesiges Bauareal von der Marienstraße bis hoch zur Kaiserstraße gesichert, was ihn in die Lage versetzte, seinen wichtigsten Mitarbei tern Grundstücke anbieten zu können.
Sicher wird er »not amused« gewesen sein, als Lüdde cke sich später selbstständig machte. Sanitätsrat Robert Lüddecke führte nach den Anstalten von Dr. Müller und Rehm sowie Dr. Eyselein die dritte offene Nervenanstalt in Blankenburg. »Villa Daheim« wird im Prospekt an gepriesen: »8-10 Plätze für Nervenkranke, leicht Geistes kranke und für unheilbare, jedoch ruhige geisteskranke Damen.« 1905 wurde das Haus umgebaut und erweitert. Das Haus begeistert heute mit großzügigem Innenraum im Townhall-Stil und prächtigem Fensterglasbild. Die störenden Zwischenwände aus Zeiten der Mieter-Über belegung sind ab dem Jahr 2000 vom heutigen Eigen tümer restaurativ entfernt worden, so daß das Haus auch innen exquisiten Charakter zeigt.
Die Marienstraße entstand als kurze Verbindungsstraße zwischen Schleinitz- und Amalienstraße und erhielt ih ren Namen nach Marie, Gemahlin des Prinzen Albrecht von Preußen, zum Zeitpunkt des Straßenbaus Regent im Herzogtum Braunschweig. Ehefrau Marie von Sachsen-Altenburg starb bereits 1898. Der nachfolgende Regent in Braunschweig war Johann Albrecht von Mecklenburg. Anläßlich seines Besuches in Blankenburg wurde 1907 eine Skulptur aus Rübelander Marmor, eine Herzogskro ne darstellend, auf dem Bahnhofsvorgelände aufgestellt. Seiner Gemahlin, Herzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar zu Ehren wurde die Elisabethstraße benannt, er verewigte sich mit der Albrechtstraße.
Unmittelbarer Nachbar in der Nr. 2 war in den dreißiger Jahren der Eisenbahndirektor Kratz mit einem eigenwil ligen Haus. In einheitlicher Sandsteinfassade und abwei chend von allgemeiner Sitte begradigte er die Hanglage seines Grundstückes durch Errichtung einer überhohen Sandsteinmauer. Kratz war unter Generaldirektor Stein hoff jahrelang Vizedirektor der Halberstadt-Blanken burger Eisenbahngesellschaft und übernahm nach des sen Tod 1931 kurz die Geschäftsführung. Sein Nachfolger bei der HBE war Regierungsdirektor Lavezzari.
Die Villa Daheim ist im heutigen Erscheinungsbild sicher eine der schönsten Villen in unserer Stadt.
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 211–216: „Marienstraße 1“

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