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Villen in Blankenburg · Kallendorfer Weg 1

Luvos: Allheilmittel aus Blankenburg – Kallendorfer Weg 1, Blankenburg

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Luvos: Allheilmittel aus Blankenburg – Kallendorfer Weg 1, Blankenburg

Dort, wo die Westerhäuser Senke bis an Blankenburg he ranreicht, gewissermaßen vor den Toren der Stadt, ließ Adolf Just um 1918 eine architektonisch wohlgelungene Villa erbauen. Mitten im ersten Weltkrieg war es schon ungewöhnlich, daß da einer solche Finanzmittel zur Ver fügung hatte. Just war zu diesem Zeitpunkt schon seit zehn Jahren ein Blankenburger. Hier ließ er sein Natur produkt produzieren. Als der Erfolg nicht ausblieb, war es naheliegend, sich in der Stadt als Schriftsteller und Unternehmer niederzulassen. Seine großen Erfahrungen in der Homöopathie kamen ihm bei der Vermarktung des neuen Produktes »Heilerde« zugute.

Adolf Just wurde am 8. August 1859 als ältester Sohn von 12 Kindern in Lüthorst bei Hannover geboren. Er litt in jungen Jahren unter einer Nervenkrankheit, bei der die Schulmediziner mit ihren Therapien versagten. So griff er zur Selbstbehandlung mit Naturheilkunde zum Beispiel von Sebastian Kneipp. Seine vollständige Ge sundung bestärkte ihn in der Überzeugung von der Kraft der Naturmedizin, der er sein weiteres Leben intensiv widmen sollte.

Seit 1896 führte er die von ihm auch begründete Heil einrichtung »Jungborn« in Stapelburg. Doch durch die Anwendung der homöopathischen Behandlungsmethode zog er sich die Ablehnung, ja Feindschaft der etablierten Schulmediziner zu. So lebte er zwischen zwei Extremen. Einerseits wallfahrten enthusiastische Fans ständig nach Stapelburg, andererseits wurde er von Medizinern mehr mals verklagt.

Alles, was mit Naturmedizin zusammenhing, wurde in seiner Kureinrichtung bereitwillig propagiert und ange wandt. Dazu gehörte auch die Jahrtausende alte Behand lung mit Heilerde, die vom Volk respektlos als »Lehm« bezeichnet wurde. Die »Lehmbehandlungen« gibt es bis heute innerlich und äußerlich.

Ausgangsstoff für Heilerde-Produkte ist das gelbliche Sediment Löß, das unterschiedlich fein vermahlen und gegebenenfalls mit Zusätzen, zum Beispiel Jojobaöl und ätherische Öle vermischt wird. Es gibt sie beispielsweise als Kopfhaut-Packung bei Reizungen und fettigen Haa ren, als Gesichtsmaske bei Akne oder als Badezusatz. Heilerde wird von Anbietern außerdem als kalter Wickel oder warme Auflage bei verschiedenen Erkrankungen, als Mund- und Rachenspülung bei Entzündungen, ja sogar als Puder zur Anwendung auf Wunden oder Ge schwüren empfohlen. Innerlich wird Heilerde in Form von Kapseln, Granulat oder mikrofeinem Pulver für Ent giftungskuren, zur Bindung von Cholesterol im Magen oder bei Sodbrennen, säurebedingten Magenbeschwer den und Durchfall angepriesen.

Als sich abzeichnete, daß eine zunehmend rege Nach frage nach Heilerde bestand, begann Just sich auf dieses Geschäftsfeld zu konzentrieren. Von ihm selbst stammt auch der Begriff »Heilerde«. 1908 übergab Just den »Jungborn« in Stapelburg an seinen Bruder und betrieb intensiv die Suche nach einem Vorkommen von Heil erde. In der Gemarkung Derenburg wurde er schließ lich fündig. Eiszeitliche Lößablagerungen dort erfüllten seine Erwartungen. Doch was ist eigentlich Heilerde? Im Wesentlichen besteht der Rohstoff aus Aluminium-Sili katen wie beispielsweise in Bentonit und anderen Mine ralien in wechselnder Zusammensetzung. Häufig handelt es sich um Löß-, Lehm-, Ton oder Moorerden. Heilerde wird auch als Eiszeit-Löß bezeichnet. Ihre Zusammen setzung ist abhängig vom Abbaugebiet. Neben den er wähnten Silikaten finden sich oft Kalkspat, Feldspat und Dolomit, aber auch Spurenelemente.

Bald schon florierte der Absatz. Im benachbarten Blan kenburg wurde der Rohstoff aufbereitet und versand fertig gemacht. Dazu gehörte auch, einen kräuterartigen Duftstoff dem Rohprodukt hinzu zu fügen. Als werbe trächtiger Name wurde »Luvos« gewählt, abgeleitet vom lateinischen Diluvium für das Eiszeitalter.

Just trat auch als Schriftsteller homöophatischer Fach literatur hervor. Unter anderem schrieb er das vielbeach tete philosophisch-medizinische Buch »Kehrt zur Natur zurück«.

Am 15. Januar 1918 gründete Adolf Just die Heilerde-Gesellschaft »Luvos« in Blankenburg am Harz und vertrieb die Heilerde von da an sehr erfolgreich im Inund Ausland. Als ersten Geschäftsführer stellte man Herrn Kreckel ein, er bezog eine Dienstwohnung im Nebenhaus. Just hatte sich da schon aus dem Tagesge schäft zurückgezogen. Im Untergeschoß der Villa zog die Verwaltung der Gesellschaft ein, so daß sich das große Haus, im Gegensatz zu manch anderer Blankenburger Villa, gut rechnen ließ. Just bewohnte das erste Oberge schoß. Von den Fenstern seines Arbeitszimmers hatte er einen grandiosen Ausblick auf den scharfgratigen Kamm der Teufelsmauer. Löbbeckefelsen, Heidelberg, Groß vater und Großmutterfelsen bilden hier eine unverwech selbare Felsenreihe, auf deren Kamm der Löbbecke-Stieg verläuft.

Im Alter wandte sich Just noch einer anderen Leiden schaft zu. Auf mehreren Obstplantagen in der Umgebung widmete er sich dem naturnahen Obstbau. Am 20. Janu ar 1036 verstarb Adolf Just und wurde in Blankenburg beerdigt.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Das Unternehmen »Luvos« erschloß bereits in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein zwei tes Gewinnungsgebiet in Hessen, nachdem es kriegs bedingt die Produktion aussetzte. Nach Kriegsende wurde das Unternehmen in Bad Homburg durch den Schwiegersohn Justs, Otto Köhler, wieder aufgebaut. In Blankenburg produzierte Luvos als staatlicher Betrieb unter verschiedenen Firmierungen bis zur politischen Wende ebenfalls weiter; »Luvos Heilerde« gab es also in Deutschland zweimal!

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Die ganze Geschichte dieses Hauses steht im Buch „Villenstadt Blankenburg“. Zum Buch

Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 225–230: „Kallendorfer Weg 1“

Buch: Villenstadt Blankenburg

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Villenstadt Blankenburg

Glanz und Geschichte

Mit einem Geleitwort von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: 42 der schönsten Blankenburger Villen aus Jugendstil und Gründerzeit, opulent fotografiert von Clemens Bussert.

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