Zum Inhalt springen

Villen in Blankenburg · Heidelberg 12

Lölhöffel von Löwensprung: Eine deutsche Familie – Heidelberg 12, Blankenburg

Auf der Karte zeigen
Lölhöffel von Löwensprung: Eine deutsche Familie – Heidelberg 12, Blankenburg

Die Villen in dieser Straße sind beginnend von Nr. 7 bis zum letzten Objekt, der Jugendherberge, auf aufgeschüt tetem Baugrund errichtet. Die besonders schöne Lage mit traumhaftem Ausblick lockte Bauwillige an, da war es ein großes Glück, daß die benachbarten Sandsteinbrü che ihren Abraum durch Aufschütten loswerden konn ten. Eine win-win-Situation!

Ein liebevoll gepflegtes Detail sind die Assekuranznum mern, die jedes Haus verpflichtend besaß. Sie stellen keine Hausnummern dar, da sie in der Nummerierung keine Logik aufweisen. Vielmehr handelte es sich um das sichtbare Zeichen einer bestehenden Brand-Kassen-Ver sicherung, überwiegend für Privathäuser. Im Gegensatz dazu sind »Polizeinummern« innerhalb eines Straßen zugs fortlaufend. Mitunter sind gerade und ungerade Nummern auf verschiedenen Straßenseiten vergeben. Diese Villa gelangte in den Besitz des Bruno von Löl höffel. Die Löwensprungs sind eine alteingesessene ostpreußische Adelsfamilie. Der preußischen Memeler Linie entstammte Heinrich Lölhöffel von Löwensprung (1705–1763), Königlich-polnischer Hofrat und Leibarzt des sächsischen Königs August des Dritten in Warschau. Ur-Urenkel des Heinrich von Lölhöffel ist der Nobel preisträger für Literatur und Autor des Erfolgsromans »Quo vadis« Henryk Sienkiewicz (1847–1916).

Im 19. und 20. Jahrhundert traten mehrere Mitglieder der Familie von Lölhöffel als preußische Generäle in Erscheinung.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Die Villa Heidelberg 12 gelangte in den Besitz von Bru no von Lölhöffel, vermutlich durch Erbschaft seiner Frau Edelgunde Adelgunde Frieda von Wulffen. Oberst Lölhöffel wurde nach Torgau versetzt und starb 1911 durch einen Jagdunfall. Das Haus wurde noch lange von seiner Frau, die 1951 in Blankenburg verstarb, und seiner Tochter Erna bewohnt. Brunos Sohn Erich heiratete Edith Unterberger, Ärztin und Sportmedizinerin. Ehe frau Edith engagierte sich nach 1933 im NS-Reichsbund für Leibesübungen, dem Bund Deutscher Mädel und der NS-Frauenschaft. Bei den Olympischen Spielen 1936 war sie betreuende Ärztin der deutschen Athletinnen. 1937 übernahm sie die Schriftleitung der Zeitschrift »Die Ärztin« und war deutsche Delegierte beim Kongress des Internationalen Ärztinnenbundes in Stockholm. Frau Lölhöffel wird als überzeugte Antisemitin und National sozialistin beschrieben. So begegnete sie Vorwürfen einer »Vermännlichung« und der möglichen Gebärunfähigkeit der Athletinnen infolge des Leistungssports mit dem im Sinne der NS-Ideologie unschlagbaren Argument, daß breitschultrige und muskulöse Körper Ausdruck der Zugehörigkeit der meisten Sportlerinnen zum »nordisch und nordisch-dinarischen Rasseanteil« seien.

Ehemann Erich diente im Rang eines Sturmbannführers in der Waffen-SS, 38. SS-Panzer Grenadier Division "Ni belungen". In dieser Einheit diente zum beschriebenen Zeitpunkt auch der in den 50- und 60-Jahren erfolgrei che Schauspieler Hardy Krüger. Am 4. Mai 1945 gingen die Reste der Division bei Chiemsee in amerikanische Gefangenschaft. Ein Zeitzeuge berichtete: »Die etwa 1200 Mann zählende Kolonne, auch als »Regiment Her sche« bezeichnet, bestand aus einem Marschbataillon unter dem SS-Sturmbannführer Katzian, dem ehemali gen deutschen Abwehroffizier im Inspektionsstab, mit drei halbwegs kampftauglichen Kompanien, und einem »Sonderbataillon« unter dem SS-Sturmbannführer von Lölhöffel, dem ehemaligen deutschen Verbindungsof fizier im Brigadestab, mit zwei Arbeitskompanien und einer Strafkompanie.«

Eigenartigerweise wurde Erich Lölhöffel noch während der kurzen Gefangenschaft als Oberstleutnant der Wehr macht entnazifiziert. Als ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS war es Lölhöffel indessen nicht möglich in die sowjetische Zone und in die spätere DDR zu reisen. Die dortigen Behörden konnte er womöglich nicht so leicht hinter die Fichte führen. Fürwahr, die Zeiten hatten sich stark geändert. 1971 starb er in Bad Harzburg, ohne sei nen Besitz in Blankenburg wieder gesehen zu haben.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg“

Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 37–42: „Heidelberg 12“

Buch: Villenstadt Blankenburg

Mehr davon im Buch

Villenstadt Blankenburg

Glanz und Geschichte

Mit einem Geleitwort von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: 42 der schönsten Blankenburger Villen aus Jugendstil und Gründerzeit, opulent fotografiert von Clemens Bussert.

29,90 €versandkostenfrei, bequem auf Rechnung

Mehr zum Buch

Das könnte Sie auch interessieren

Villa · Hasselfelder Straße 8, Blankenburg Villa Viktoria Luise – Hasselfelder Straße 8, Blankenburg Die Villa Viktoria Luise wurde 1893 als stattliches Her renhaus vom Baubetrieb der Brüder Schönfeld errichtet.
Villa · Herzogstraße 18, Blankenburg Adeles Muse und Oswalds Untergang – Herzogstraße 18, Blankenburg In diesem Haus wurde einer der bekanntesten Schrift steller Blankenburgs, Oswald Spengler, am 29.
Villa · Schnappelberg 6, Blankenburg Das kleine Schloss – Schnappelberg 6, Blankenburg Das Kleine Schloß ist jedem Blankenburger ein ge läufiger Begriff.
Villa · Forstmeisterweg 2, Blankenburg Ein Villen-Neubau ohne Allüren im Forstmeisterweg 2, Blankenburg Ein ästhetisch reizvoller Villenneubau wuchs hier in den Jahren 2003 bis 2005 empor.
Villa · Herzogstraße 21, Blankenburg Ein Fauxpas, eine Schule und das Neuschwanstein des Harzes – Herzogstraße 21, Blankenburg Nein, eine bezaubernde Schönheit ist sie nicht, diese Villa, die der Architekt für sich selbst gebaut hat.
Villa · Heinrichsweg 5, Blankenburg Die Villa Martha – Heinrichsweg 5, Blankenburg Carl Bähr jun. wurde am 8.6.1864 in Blankenburg als einziges Kind von Carl Wilhelm Heinrich und seiner Ehefrau Elisabeth (Elise) Bähr geboren.
Villa · Amalienstraße 3, Blankenburg Nobilität eines Firmensitzes und ein Präsident als Nachbar – Amalienstraße 3, Blankenburg Bis 1892 hieß die Straße Vogelgasse, danach führt sie bis heute den schönen Frauenvornamen, wahrschein lich nach Amalie Cotty, Ehefrau des Anton Cotty (1897), einem Teppichfabrikanten, möglicherweise aus Herford stammend.
Villa · Ehemalige Lindestraße 18, Blankenburg Vom Alumnat zur Geburtshilfe – Ehemalige Lindestraße 18, Blankenburg Das Eckgrundstück Lindestraße zur Helsunger Straße zeigt heute moderne Zweckbauten einer karitativen Einrichtung.

Einloggen oder registrieren

Kostenlos und ohne Passwort: Sie bekommen einen Link per E-Mail und lesen danach alle Geschichten vollständig.

Mit Ihrem Zugang schreiben wir Ihnen gelegentlich, wenn wir eine neue Harzwelt aufmachen – neue Geschichten und Themen aus dem Harz und die Bücher dazu. Abmelden können Sie sich jederzeit mit einem Klick auf den Link in jeder Mail. Datenschutz