Villen in Blankenburg · Eichenberg 3
Asyl in Blankenburg: Familie Hallervorden – Eichenberg 3, Blankenburg
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Bergwerksbesitzer Bielmann war mit den Braunkohlen gruben bei Harbke zu einigem Wohlstand gekommen. Den gedachte er in Blankenburg zu genießen. Sein Blan kenburger Haus unterschied sich von den meisten Villen durch nüchterne Formgebung und dennoch repräsenta tiven Charakter.
Wie so viele Villen bekam auch diese am Eichenberg 3 eine zeitweilige Verwendung als Töchterheim zugewie sen. In der Zwischenkriegszeit betrieb Bielmann ein solches Heim, was bei seiner Profession natürlich unter dem Namen »Heim Glückauf« firmieren mußte. Das großzügige Grundstück ermöglicht einen phäno menalen Ausblick auf das Harzvorland; bei besonders guter Sicht sind Bernburg an der Saale oder die Türme des Magdeburger Doms vom Balkon aus in der Ferne zu erkennen.
Es ist aus Stadtentwicklungsperspektive nicht nachvoll ziehbar, warum am Eichenbergweg keine weiteren Villen entstanden sind. Das Gelände dort eignet sich allemal besser als die Villenbauplätze in der gegenüberliegenden Steillage am Silberborn oder Knorrenberg. Erst um 1959 wurden die Nachbargrundstücke dann doch bebaut; mit kleinen Häuschen einer Arbeiter-Wohnungsbau-Genos senschaft. Hier ist eine scharfe Trennlinie zwischen Sied lungsbauten mit Stadtrandcharakter und dem Villenge biet zu beobachten.
Auf höhere Weisung wurden um 1942 tieferliegende Teile des Grundstückes teilweise überbaut und eine Baracke der Provinzialverwaltung Sachsen, zugehörig zum Grundstück Rohdenbergstraße 13, aufgestellt. Hier arbeiteten Projektanten des Talsperrenprojektes, die im Haupthaus keinen Platz mehr gefunden hatten. Die hauswirtschaftliche Ausbildung im Töchterheim war in den dreißiger Jahren beendet. So wurden Wohnun gen frei, in deren einer 1939 das Ehepaar Frieda und Hans Hallervorden in Blankenburg Schutz und Zuflucht suchte und auch fand. In ihrem Heimatort Dessau war Hans Hallervordens Leben in Gefahr, und das rührte aus seiner beherzten Rettung der Wörlitzer Synagoge her. Er hatte am 10. November 1938 die Brandlegung am Gebäude durch SA-Leute beobachtet und sogleich unterbunden, wodurch er sich den Zorn des NS-Regimes zuzog. Als Gartenarchitekt war er zuvor im weltbekann ten Wörlitzer Park achtzehn Jahre tätig. Nach seinem er zwungenen Weggang ließ er sich in Blankenburg nieder, wo sein Enkel Dieter, der heute unter seinem Künstler namen »Didi« Hallervorden große deutschlandweite Popularität genießt, in der Nachkriegszeit mehrmals bei seinen Großeltern zu Besuch weilte. 1946 nahm Hans Hallervorden, jetzt als Gartendirektor, seine geliebte Arbeit wieder auf und beendete sie erst 1948. Im Adress buch Blankenburg ist er 1949/50 noch vermerkt. Im 93. Lebensjahr verstarb er in Berlin.
Sein Enkel Dieter Hallervorden, bekannt aus Film und Fernsehen, führt heute erfolgreich mehrere Bühnen in Berlin.
»Nicht im Kontrast zur Natur ruht die Stärke der Baukunst, sondern nach einem höheren Sinne in der Einpassung.«
Theodor Fischer
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 121–124: „Eichenberg 3“

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