Villen in Blankenburg · Theaterstraße 7
Freimaurer in Blankenburg und ein Tresor im Keller – Theaterstraße 7, Blankenburg
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Die Straßenbezeichnung Theaterstraße mag Verwunderung auslösen. Ein Theater in Blankenburg? Hat es das hier gegeben? Aber ja, das repräsentative, für Blankenburger Verhältnisse riesige Gebäude des Hotels „Fürstenhof“ besaß bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts auch einen Theatersaal. Hotel, Gaststätte und Theater in einem, damit avancierte es zum „ersten Haus am Platz“. Unzählige Theater- und Festveranstaltungen, Hochzeiten und Empfänge, von denen die Auszeichnungsfeier verdienter U-Boots-Konstrukteure durch Dönitz und Speer ganz besonders war, erlebte das Haus. In den Wirren der Wendezeit verschwanden einige historische Ehrenbücher der Stadt Blankenburg, worin viele Personen der Zeitgeschichte verewigt waren; mit Sicherheit hätte man weitere Prominente in diesem Zusammenhang nennen können. Besagter Theatersaal wurde später zum Kinosaal umgebaut, folgerichtig nannte sich das Haus in den Jahren der DDR Kurtheater Lichtspiele. Das Theater ging, der Straßenname blieb. Die Straße macht nur eine Kurve, gleich nach dieser finden wir links ein Logenhaus der Freimaurer.
Freimaurer erkennen einander an bestimmten geheimen Symbolen und Ritualen. Manche Mitglieder bekennen sich öffentlich dazu, einer Loge anzugehören; andere halten sich lieber bedeckt. Sind die Freimaurer ein Geheimbund, der Verschwörungen ausheckt? Nein, sagen die Experten. Die Freimaurer selbst verstehen sich als einen ethischen Zusammenschluss, der für Toleranz und Menschlichkeit steht. Ihre Treffen finden im Geheimen statt. Ein Freimaurer darf nicht darüber sprechen – das ist auch heute noch so. Auf Außenstehende mag das befremdlich wirken. Für die meisten sind die Freimaurer immer noch ein Mysterium, etwas, das sie nicht verstehen.
Dazu gehören auch die Rituale der Freimaurer. In den Ritualen geht es um die alten symbolischen Werkzeuge: Jeder Freimaurer ist selbst der Stein, an dem er arbeitet. Mit dem Hammer bearbeitet er seine eigenen Ecken und Kanten, der rechte Winkel erinnert ihn an Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit, das Senkblei lehrt ihn Wahrhaftigkeit, und so gibt es viele weitere Symbole aus der Welt der Steinmetze, mit denen Freimaurer geistig arbeiten. Die Rituale sollen die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit anschaulich und sinnlich erfahrbar machen. So auch bei der Vereinigung, der Loge, die einst in Blankenburg wirkte.
Die Blankenburger Loge hier führte seit 1904 den Namen: „Zur Brudertreue am Regenstein“, wobei ein Vorläufer schon seit 1864 nachweisbar ist.
Einer der letzten Hochmeister vom Stuhl vor dem Verbot 1935 war Otto Beck; ein bekannter Bauunternehmer unserer Stadt. Schon 1933 begannen dann im Klima der Intoleranz die Verfolgungen andersdenkender Menschen auch in Blankenburg.
Sogar noch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden in Blankenburg mißliebige Einwohner nach vorbereiteten Listen drangsaliert, die Freimaurer – soweit bekannt – machten da keine Ausnahme. Das Pogrom vom 19. März 1933 sah dann auch viele Freimaurer unter den Opfern.
In der Gaststätte „Zur Erholung“ in der Helsunger Straße 1, heute durch einen Neubau ersetzt, fanden die Gewaltexzesse gegen die „Zugeführten“ statt. Einstmals wurde sie als Vereinslokal für Handwerker und als Gewerkschaftshaus in Blankenburg in den Jahren 1894/95 in freiwilliger Arbeit errichtet. Der in Blankenburg zeitweilig auf der Walz lebende Tischlergeselle und spätere Präsident der DDR Wilhelm Pieck ließ es sich nicht nehmen, dabei mit anzupacken. Doch dann erlebte das Lokal seine schwärzeste Stunde im Frühjahr 1933. Am 19. März rückte der SA-Standartenführer Sauke mit zahlreichen Braunschweiger SA-Leuten in Blankenburg ein und ließ nach einer vorbereiteten Liste des Ortsgruppen-Leiters Ehelebe 100 Personen verhaften. Die Verhafteten wurden in der Gastwirtschaft eingesperrt, verhört, eingeschüchtert und nachmittags wieder entlassen. Der Terror vom März 1933 wurden dann aber bei weitem überboten durch die Grausamkeiten der SS bei den Aktionen vom 20./21.September bis zum 30. September 1933 in Blankenburg, in deren Verlauf 140 Personen, Männer und Frauen verhaftet wurden. Zu dieser Aktion wurden 50 uniformierte SS-Männer aus Braunschweig abgestellt, die unter der Oberleitung der SA-Führer Gattermann, Jeckeln und Alpers standen. Die Inhaftierten wurden sadistisch gequält, aufgehängt, blutig und besinnungslos geschlagen, zu gegenseitigen Grausamkeiten genötigt und bereits in der ersten Nacht von 30 betrunkenen SS-Männern derart gefoltert, daß diese am nächsten Tag von ihrem Mordauftrag abberufen und durch andere ersetzt wurden.
Mehrere Inhaftierte versuchten, sich das Leben zu nehmen. Die Grausamkeiten blieben dabei der Öffentlichkeit keineswegs verborgen. Im geschlossenen Zug wurden die Inhaftierten am zweiten Tag vom Gasthof „Zur Erholung“ zum „Blankenburger Hof“ verbracht und hatten dabei „O Deutschland hoch in Ehren“ zu singen. – Eine zumindest partielle Aufarbeitung der Ereignisse fand im Rahmen des Klaggesprozesses 1950 statt.
Neben den Freimaurern gab es in Blankenburg immer wieder auch hochherzige Mitbewohner, die bereit waren, einen Teil ihres Vermögens in mildtätige Stiftungen einzubringen oder selbst Stiftungen zu errichten. Die älteste Stiftung war zweifellos die des St. Georgshospitals in Blankenburg – St. Georgenhof.
Die ganze Geschichte dieses Hauses steht im Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“. Zum Buch
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold, S. 27–32: „Theaterstraße 7“

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