Villen in Blankenburg · Rübeländer Straße 3
Töchter aus gutem Hause – Rübeländer Straße 3, Blankenburg
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Schon 1875 eröffnete im Ort eine »Lehr- und Erzie hungsanstalt für Töchter höherer Stände«. Elisabeth Kühne, nach Heirat mit dem in Blankenburg praktizie renden Nervenarzt Dr. Gnauck dann Gnauck-Kühne, erteilte den meist etwa 25 Schülerinnen im Hause Unter richt. Aber auch der Unterricht von Mädchen im Gymna sium war möglich, im Lyzeum ohnehin. Den Höhepunkt dieser Entwicklung erreichte Blankenburg 1928, als in der Stadt 15 solcher Institute gezählt wurden. Blanken burg – Erziehungsanstalt der höheren Töchter? Am Ende des ersten Weltkrieges sah sich die junge Meta Kiepert mit der ererbten großen Villa in der Rübeländer Straße ziemlich überfordert. Zusätzlich belasteten sie Alltagssorgen, denn als Lehrerin war sie von der im Staa te Braunschweig einsetzenden Umstrukturierung des ge samten Schulwesens negativ betroffen. Der Ausweg bot sich mit dem Weg in die Selbstständigkeit; eine eigene Schule, in eigenem Schulhaus. So sah sie ihre Zukunft. Nun gab es in Blankenburg schon einige Mädchenpensi onate – der Name leitet sich von Pension her, die Eltern mußten also Kost- und Schulgeld zahlen –, warum sollte sie es nicht auch fertigbringen?
Um 1920 hatte bei den um die Jahrhundertwende ge bauten Villen zumeist der Besitzer gewechselt, oder es war der Erbfall eingetreten. Für die »neuen« Hauseigen tümer stellten sich sehr schnell die hohen Betriebskosten als hinderlich heraus. So lag es also auch für Frau Kie pert nahe, eine betriebswirtschaftlich tragbare Nutzung zu erreichen, um diese Kosten aufzufangen. Es entstan den Sanatorien wie zum Beispiel die Villa Bergfried von Sanitätsrat Retslag und Ehefrau Ceciliä in der Rübelän der Straße 19 oder eben Töchterheime.
Neben diesem Institut gab es zu gleicher Zeit auch das der Frau Knoff in der Kaiserstraße 18, das Töchterheim Bergemann und das der Frau Kölling, die in der Wester häuser Straße 11 wohnte.
Töchter aus »gutem Hause« erhielten hier eine solide hauswirtschaftliche Ausbildung. Vom 12. bis zum 18. Lebensjahr verbrachte eine junge Dame im Pensionat die Ausbildungszeit. Frau Kiepert tat sich mit dem im Nachbarhaus, Rübeländer Straße 4 wohnenden Fräulein Liselotte Rodenwold zusammen. Gemeinsam betrieben sie fortan eine »Reform-Erziehungsanstalt für höhere Töchter«, angeboten wurden Heim und Unterricht. Als weitere Lehrerinnen fungierten Frl. Mürrle und Frau Brock und vier weitere Lehrkräfte. Es wird von eigener Turnhalle, zwei Villen zur Unterkunft und Liegeterrasse berichtet. Nach außen bot sich den Einwohnern stets ein schönes Bild, wenn die Mädchen, angetan mit grünem Rock und weißer Bluse, im Gruppenausgang die Stadt besuchten. Um 1930 schied Frl. Rodenwold aus dem Unternehmen aus, Meta Kiepert betrieb das Pensionat noch bis 1938. Die höheren Töchter waren erwachsen geworden.
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg, S. 137–138: „Rübeländer Straße 3“

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