Villen in Blankenburg · Rübeländer Straße 22
Solch einen Zaun gibt’s nur einmal – Rübeländer Straße 22, Blankenburg
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Der sehr betuchte Dr. Höltzke, ein beliebter ortsansässiger Mediziner, ließ an diesem Eckgrundstück eine Villa errichten, und weil zu dieser Zeit der wilhelminische Burgenbaustil angesagt war, kam Blankenburg zu dieser trutzigen Villa. Zu dem Gesamteindruck trägt der ausgefallene Zaun entscheidend bei, der aus mehreren hundert Hellebarden gefertigt wurde. Wehrhafter geht’s nimmer.
Um 1928 finden wir Vater und Tochter Bisbeck hier. Ab 1943 war es dann mit der vornehmen Ruhe im Haus vorbei: Infolge Zwangseinquartierung mehrerer Schiffbauingenieure vom Ingenieurbüro „Glück auf“ begann eine langanhaltende Periode von abgetrennten Mietwohnungen in vormals großzügigen Etagen. 1945 wurden die weggezogenen Ingenieure gegen ankommende Sudetendeutsche getauscht.
Erst Ende der siebziger Jahre fand sich mit dem Mitglied der Betriebsführung des größten Blankenburger Betriebes ein Käufer. Der Jurist/Prokurist des Harzer Werkes zog mit seiner Familie hier ein, froh, ausreichend Wohnraum für seine große Familie gefunden zu haben. Der gebürtige Leipziger schätzte vor allem das Platzangebot, er wäre bei gleichen Platzverhältnissen sicher auch mit einem anderen Haustyp zufrieden gewesen. Diese Denkweise mag sich nach der politischen Wende um 1990 geändert haben; der pekuniär erfolgreiche Weiterverkauf bestätigt das.
Zwar gab es in Blankenburg von 1900 bis 1990 gewiß keinen Auto-Boom, doch so nach und nach steigerte sich die Motorisierung der Bevölkerung. So wurden denn die Straßenränder voll geparkt, sofern man nicht glücklicher Besitzer einer Garage war. Also waren die Villenbesitzer mit ihren zumeist großen Grundstücken sehr interessiert, eine eigene Garage auf eigenem Grundstück zu bauen; die heute allerorten anzutreffenden Carports waren da noch unbekannt.
Stadtbaudirektor Hentze ordnete zu dieser Villa einen Garagenbau in architektonischer Anlehnung an das Haupthaus an. So wollte er als Ästhet im Villengebiet der exzessiven Zunahme scheußlicher Garagenbauten Einhalt gebieten. Deshalb prangt heute eine Garage im Burg-Design wie das Haupthaus, das heißt, sie fügt sich unauffällig in das Gesamtbild ein. Ziel erreicht!
„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.“
(Wilhelm II., Deutscher Kaiser)
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold, S. 63–70: „Rübeländer Straße 22“

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Villenstadt Blankenburg
Altes Gold
Die Fortsetzung von „Glanz und Geschichte“: Auf vielfachen Wunsch der Leserschaft öffnen sich die Türen zu weiteren Blankenburger Villen – opulent fotografiert von Clemens Bussert.
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