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Villen in Blankenburg · Friedrich-August-Straße 2

Unter Blankenburg liegt ein Schatz: Die Harzer Mineralquelle – Friedrich-August-Straße 2, Blankenburg

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Unter Blankenburg liegt ein Schatz: Die Harzer Mineralquelle – Friedrich-August-Straße 2, Blankenburg

Benannt nach den Blankenburgern Friedrich Hoefer und August Elstner, die auf eigene Kosten diese Straße erschlossen hatten, ist noch heute eine Friedrich-August-Straße in Blankenburg existent. In deren Hausnummer 2a wohnte bis etwa 1983 der bedeutende Blankenburger Industriepionier Hans Bachmann, den es einst aus dem Schlesierland hierher verschlagen hatte. Er baute eine Getränkefirma auf, deren Erzeugnisse heute mehr denn je den Namen der Stadt Blankenburg in deutsche Lande hinaustragen.

Gleich rechts daneben finden wir die Villa von Fritz Hoefer. Dieser Buchhändler und Herausgeber hat es sich viele Jahre angelegen sein lassen, das Blankenburger Adreßbuch herauszugeben; heute eine zeitgeschichtliche Quelle von unschätzbarem Wert. Es ist sehr zu bedauern, daß der Datenschutz heute ein adäquates Produkt verhindert, in späteren Jahren wird niemand mehr wissen oder nachvollziehen können, wer wo in Blankenburg gewohnt hatte. In Verbindung mit einer falsch verstandenen Friedhofskultur – „Grüne Wiese“ – verschwinden heutige Bewohner am Ende ihres Daseins namen- und spurenlos.

Hans Bachmann jedoch hat Spuren hier hinterlassen. Familie Bachmann bewohnte die Villa Clara etwa ab 1960, die, bezogen um 1899 durch Generalleutnant von der Osten, verkauft an Familie Wiedenbein und durch die Witwe der Kirche überschrieben, endlich von Hans Bachmann 1976 erworben wurde. Erst um 2017 wurde der Bachmannsche Familiensitz aufgegeben, doch möglicherweise inspiriert die Aura des Hauses erneut einen Unternehmer, in Blankenburg Spuren zu hinterlassen? Aus dem Jahr 1975 liegt ein interessantes Zeitdokument vor. Durch einen Sachverständigen wurde der Wert des Hauses mit 9780 Mark der DDR ermittelt. Die Villa war da gekennzeichnet durch einen verwahrlosten Garten, stillgelegte Zentralheizung, Schwammschäden, Gebäuderisse, Dachschäden und abbruchreife Westveranda. Ein Teil des Erdgeschosses war unbewohnbar.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“

Es erstaunt desto mehr, daß Bachmann im Jahr darauf das Haus kaufte, wenn man in Betracht zieht, daß er mit der Führung seines Unternehmens mehr als genug zu tun hatte. Als Ausgleich betrieb er eifrig das Tennisspiel, es verwundert nicht, daß er zusammen mit anderen Unternehmern auch den Bau der Tennisplätze am Sportforum initiiert hatte. Doch liegen seine Meriten eindeutig in der Getränkeherstellung.

Seit weit über einhundert Jahren ist Blankenburg für wohlschmeckendes Wasser bekannt. Dabei ist weniger über das Oberflächenwasser zu reden, denn davon gibt’s hier nur wenig, vielmehr um mineralisierte Wässer des Untergrunds. Entlang der Nordharzlinie finden sich eine beachtliche Anzahl von Mineralquellen, von Goslar über Bad Harzburg, Wernigerode, Blankenburg, Bad Suderode bis Gernrode. Dies hängt, geologisch begründet, überwiegend mit der Harzhebung zusammen. Denn durch die Emporhebung des Harzes, verbunden mit einer leichten Nordverschiebung, wurden tiefliegende Schichten mit hochgebogen, die nun in fast senkrechter Lage bis an die Oberfläche reichen. Damit einhergehend haben sich auch Wasserleitbahnen diesem Relief angepaßt. Je nach Herkunft variieren die Wässer im Sulfat- oder Natriummilieu.

Da mineralisierte Wässer hier nicht immer frei austreten, mußten sie für die Nutzung als Mineralwasser erbohrt werden. Deswegen spricht der Fachmann in diesem Fall nicht von einer Quelle, eher von Brunnen. Lediglich die Vorkommen von Stecklenberg und Altenbrak sind als echte Quellen zu bezeichnen, während alle übrigen Vorkommen Brunnen von 5 bis 180 Meter Teufe darstellen, die gepumpt werden müssen. Am sachsen-anhaltinischen Nordharzrand konnten von Westen nach Osten folgende Mineralwasservorkommen nachgewiesen werden:

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“

1. Mineralbrunnen Darlingerode: Ca-Na-S04-Cl-Wasser 2. Mineralbrunnen Blankenburg: Ca-Mg-S04-HC03-Wasser 3. Chlorcalciumquelle Thale: Na-Ca-Cl-Wasser 4. Siebenspringequelle Thale: Ca-Na-Cl-S04-HC03-Wasser 5. Waldquelle Stecklenberg: Ca-Na-Cl-Wasser 6. Hubertusbrunnen Bad Suderode: Ca-S04-HC03-Wasser 7. Beringer Brunnen Bad Suderode: Na-Ca-Cl-Wasser 8. Harzer Mineralbrunnen Gernrode: Ca-S04-Wasser 9. Schwefelbrunnen Altenbrak: Na-Ca-Cl-Wasser In der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) ist genau festgelegt, was ein natürliches Mineralwasser ausmacht, was auf dem Etikett stehen muß, wie es verpackt zu sein hat und dergleichen mehr. Unterschieden wird nach Heil-, Quell-, Mineral-, Tafel- und Leitungswasser. Blankenburg wäre also der Ca-Mg Typ.

Schon 1888 weiß die Fama, daß Gustav Woltag in der Lange Straße 33 eine Mineralwasserfabrik betrieb. Eine Nachfrage für Getränke wurde erkannt und bald darauf als solche auch vermarktet, unter anderem in der Klosterstraße 16, wo bereits 1898 Max Eicke als Selterswasserfabrikant auftrat.

Die Firma mit eigener Abfüllung ging später an Familie Möritz über. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts war dann Schluß; auf dem kleinen Betriebshof des Grundstücks entstanden Garagen. Gleich nebenan, in der Klosterstraße 18 wohnte Familie Hurdelhey, die einen Getränkeverlag mit eigener Abfüllung von Fremdbier betrieb. Als Heimatbierlieferant der Blankenburger firmierte die „Brauerei Glück Auf“ als Abfüllbetrieb in der Mewesstraße, auf deren Gelände heute ein Supermarkt unter anderem auch Bier feilhält. Darüber hinaus ist noch die Mineralwasserfabrik Fricke am Westend zu erwähnen, die von Kahle übernommen wurde. Kahle zog dann zur Mitte 1950 zum Tummelplatz um und blieb als Bierniederlage dort bis zur Betriebseinstellung 1980. Darüber hinaus gab es mehrere „Mineralwasserfabriken“ in der Stadt, die allerdings keinen eigenen Brunnen besaßen, vielmehr nur Fremdprodukte abfüllten.

Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“
Aus dem Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“

Die ganze Geschichte dieses Hauses steht im Buch „Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold“. Zum Buch

Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold, S. 141–146: „Friedrich-August-Straße 2“

Buch: Villenstadt Blankenburg

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Villenstadt Blankenburg

Altes Gold

Die Fortsetzung von „Glanz und Geschichte“: Auf vielfachen Wunsch der Leserschaft öffnen sich die Türen zu weiteren Blankenburger Villen – opulent fotografiert von Clemens Bussert.

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