Kräuterwissen · Heimburg
Ans Herz der Sonne gelegt – Von Heimburg über den Kammweg zum Austberg
Route auf der Karte zeigen (10,3 km)
Dieser Wanderweg führt am Nordostrand des Harzes in Kammlage über Trocken- und Halbtrockenrasen. Durch den Harz als Regenbarriere ist das östliche Harzvorland niederschlagsarm, die meisten Steppen-Trockenrasen in Deutschland sind daher in dieser Region anzutreffen. Mit speziellen Pflanzengemeinschaften ist dieser südlich exponierte Kammweg über den Ziegenrücken ein einmaliger Biotop – ein Kalkmagerrasen mit guten Drainagebedingungen. Niederschläge werden schnell abgeführt beziehungsweise verdunstet. Diese Vegetationsform zeichnet sich durch geringes Wasserspeichervermögen, hohe Strahlungsintensität, Trockenheit und niedrigen Entwicklungsstand aus. Die genannten Bedingungen machen den Trockenrasen zum Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Beherrschende Pflanzengemeinschaft ist der Enzian-Schillergras-Halbtrockenrasen. Er bedarf eines besonderen Schutzes und einer regelmäßigen Pflege durch Beweidung durch Ziegen und Schafe und Entbuschungsmaßnahmen.
- Start: Parkplatz Gaststätte »Zur Horst« an der Straße von Heimburg [ein Ortsteil von Blankenburg] in Richtung Elbingerode
- Route: Heimburg – Ziegenberg – Struvenberg – Benzingerode – Austberg und zurück
- Länge: ca. 7-8 km
- Dauer: ca. 3 Stunden
- Gastronomie: Gaststätte »Zur Horst«
Gegenüber auf der rechten Seite der Straße beginnt das Naturschutzgebiet »Ziegenberg-Struvenberg«, ein Muschelkalkgebiet der geologischen Aufrichtungszone des Harzes.
Ein schmaler Pfad führt hinauf. Auf der Höhe angekommen, bietet der Kammweg eine einzigartige Landschaft mit abwechslungsreichen Ausblicken in das nördliche Harzvorland, auf die Festung Regenstein. Im Aufwind über dem Schauenden kreist ein Rotmilanpärchen. Es öffnet sich eine Weite und Tiefe, auf der verschwenderisch botanische Schönheiten verstreut gedeihen. Rasengesellschaften sind teilweise mit verschiedenen Rosenarten verbuscht. Auf diesem Trocken- bzw. Halbtrockenrasen begegnet man einer artenreichen Vielfalt an besonderen Pflanzen und Kräutern. Hervorzuheben sind der Fransen-Enzian mit seinen faszinierend blauen gefransten Blüten, die Silberdistel, die Golddistel, das Katzenpfötchen, das Sichelblättrige Hasenohr, das Wiesenlabkraut, der Wiesensalbei, die kleine Pimpinelle und die Wiesenschlüsselblume, die zur Blütezeit am Hang einen ganzen Teppich bildet.
Eine Besonderheit ist der Lothringer Lein, der mit seiner Zartheit und der hellblauen Blüte Aufmerksamkeit verlangt! Hier hat er sein nördlichstes Vorkommen. Hat man ihn entdeckt, erlebt man einen köstlichen Moment! Unterhalb des Kammweges findet man am nördlichen Hangweg zahlreiche Orchideen, die zum Stehenbleiben zwingen. Die Vielzahl ist so faszinierend, daß beim Betrachter einfach eine stille Freude Einkehr hält. Je nach Jahreszeit begegnet man der Händelwurz, dem Knabenkraut und dem Bleichen Waldvögelein. Die Faszination ist nicht nur in den prächtigen Blütenfarben und -formen begründet, sondern in geheimnisvollen biologischen Besonderheiten, die von Art zu Art unterschiedlich sind und die noch manches Rätsel aufgeben.
An der großen Einkerbung – im Volksmund Arschkerbe genannt – wartet eine Bank auf Gäste, eine Tafel informiert über das Naturschutzgebiet Ziegenberg und der Wanderer findet auch hier eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel.
Der Kammweg führt durch Kieferbestände weiter, bis es kurz vor Abfall des Berges relativ steil abwärts geht, vorbei an den Resten der Struvenburg, einer ehemaligen Schutzburg aus dem 10. Jahrhundert, nach Benzingerode, einem Ortsteil von Wernigerode.
Bei der Benzingeröder Kirche überquert man die alte B6 und wandert hinauf zum Austberg, einer komplett sanierten Warte mit Aussichtsturmcharakter. Bänke am Wegesrand ermöglichen eine kurze Rast vor dem Aufstieg. Inmitten der Gräser leuchtet der honiggelbe Hornklee, dazwischen eingestreut der dunkelblaue Wiesensalbei, und zahlreiches Vorkommen der Schlüsselblume, des Bingelkrautes und des Blauen Steinsame schmückt den Aufstiegspfad zum Austbergturm. Von ihm aus schaut man nicht nur weit in das nördliche Harzvorland, wetterabhängig sogar bis zum Brocken, sondern auch zurück auf die Höhen des Struven- und Ziegenberges. Der Blick ins Harzvorland ist beeindruckend! Nach einer Pause auf einer Bank geht es entweder über den Rundweg um den Austberg wieder zurück oder weiter hinab in nördlicher Richtung bis zum Wolfsholz, von dort wandert man am Wald- rand auf dem R1 in Richtung Benzingerode bis zum Hellbach und an ihm entlang bis zum Ausgangspunkt zurück. Zauberhafte Eindrücke bleiben lange im Gedächtnis, und man kehrt anders zurück, als man gegangen ist. Der Wanderweg kann individuell mehrfach modifiziert und das ganze Jahr über genutzt werden, die beste Jahreszeit sind jedoch die Monate Mai und Juni.
Am Ausgangspunkt lädt die Gaststätte »Zur Horst« zu einer Erfrischung und Stärkung ein [Montag und Dienstag Ruhetage].
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 208–211: „Ans Herz der Sonne gelegt – Von Heimburg über den Kammweg zum Austberg“

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