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Kräuterwissen

Bärentraube

Arctostaphylos uva-ursi – Die Bärentraube, ein kleiner, 15-30 cm hoher immergrüner Strauch, ist am Brocken im Übergangsbereich vom Wald und Gebüsch zur Matte ein Teil der Zwergstrauchheide.

Bärentraube

Ein Bär kam vorüber und klagte sein Leid: Ich hab mir die Blase erkältet heut! Die Pflanze schwieg still, denn bei solchem Weh hilft aus Bärentraube ein Blättertee.

Günter Saalmann

Die Bärentraube, ein kleiner, 15-30 cm hoher immergrüner Strauch, ist am Brocken im Übergangsbereich vom Wald und Gebüsch zur Matte ein Teil der Zwergstrauchheide. Dieser Pflanzenbereich setzt sich vorwiegend aus Heidekrautgewächsen [ericaceae] der Preisel-, der Heidelbeere und der Echten Bärentraube zusammen, die der Preiselbeere mit ihren Blättern sehr ähnlich ist. Diese sind aber im Gegensatz zur Preiselbeere auf der Unterseite nicht punktiert, dafür netzartig geädert.

Da die Bärentraube immer seltener wird, ist sie besonders geschützt und steht auf der Roten Liste.

Im Volksmund wird die Bärentraube auch Wilder Buchs, Steinbeere oder Harnkraut genannt.

Der Name Bärentraube erklärt sich daraus, daß Bären die Bärentraube mögen! Es ist eine frostharte Pflanze, deren kriechende Zweige sich bodennah großflächig ausbreiten und große Teppiche oder Matten bilden können. Die Blätter sind ledrig derb, verkehrt eiförmig, kurz gestielt und überlappen im oberen Bereich. Die rosa glockigen Blüten erscheinen von Ende März bis Ende Juni und bilden überhängende kurze Trauben. Die kugeligen Beeren sind Steinfrüchte, die bei der Reife rot leuchten und mehlig trocken schmecken. Bis in den Winter, teilweise sogar darüber hinaus, bleiben sie an der Pflanze hängen.

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Bärentraube erstmals im englischen Arzneibuch als hilfreiche Heilpflanze bei Erkrankungen der Harnwege erwähnt. Doch erst im 18. Jahrhundert findet sie allgemeine Verwendung.

Wirksam sind die Blätter. Sie enthalten die Phenylglykoside Arbutin und Methylarbutin, Gerbstoffe, Gallussäure, Flavonoide und Harze.

Bärentraubenblätter und -zubereitungen sind ein Mittel zur Behandlung von ersten Anzeichen einer Blasenentzündung, die sich durch Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar machen. Sie wirken schwach harntreibend, vorwiegend aber desinfizierend und antibakteriell. An dieser Wirkung sind deutlich die Glykoside Arbutin und Methylarbutin beteiligt. Sie werden wahrscheinlich im Nierengewebe gespalten zu Hydrochinon und Methylhydrochinon, die die desinfizierende und antibakterielle Wirkung auf den Harn ausüben. Sie gehen letztlich in Chinon über und geben dem Harn eine grünlich-braune Farbe.

Diese bakterizide Wirkung kommt aber nur zustande, wenn der Harn alkalisch reagiert. Darum ist es zweckmäßig, den Speiseplan während der Einnahmezeit auf Gemüse und Obst, weniger aber auf Fleisch und Käse einzustellen. Es kann auch Natron verabreicht werden.

Der relativ hohe Anteil der Droge an Gerbstoffen verursacht Unverträglichkeitserscheinungen, wenn die Bärentraubenblätter in Form der bisher üblichen Abkochung gegeben werden. Die Magenschleimhaut wird gereizt, es kommt zu Magenschmerzen, Übelkeit oder auch Erbrechen.

Darum wird ein Kaltauszug empfohlen, der weniger Gerbstoff enthält.

Ein Teeaufguß [ein Teelöffel pro Tasse] mit heißem Wasser ist schwächer in der Wirkung.

Einfacher in der Anwendung und auch verträglicher sind entsprechende Fertigpräparate.

Die Droge ist oft Bestandteil von Nieren- und Blasentees, kombiniert mit Goldrute, Hauhechel und Birkenblättern.

Die Steinfrüchte können roh oder gegart verzehrt werden. Gekocht schmecken sie süß und eignen sich für Marmeladen und Sirupe.

Die Bärentraubenblätter eignen sich auch zum Gelb-Färben von Leder, und aus den Früchten läßt sich ein grau-brauner Farbstoff gewinnen.

Achtung! Nicht länger als eine Woche und höchstens fünfmal im Jahr anwenden!

Nicht in der Schwangerschaft, Stillzeit und nicht bei Kindern unter zwölf Jahren!

Bärentraubenblättertee ist kein harmloser Haustee, sondern ein hoch wirksames Phytopharmakon.

Nach Einnahme von Tee oder Fertigpräparaten kann sich der Harn grün färben.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 46–49: „Bärentraube“

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