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Kräuterwissen

Beinwell

Symphytum officinale – Beinwell ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Seit Dioskurides wird sie in allen Kräuterbüchern erwähnt.

Beinwell

Der Beinwell ist kalt, und wenn ein Mensch ihn ohne Vernunft isst, gibt er alle Säfte, die in ihm recht eingerichtet sind, preis…

Hildegard von Bingen

Beinwell ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Seit Dioskurides wird sie in allen Kräuterbüchern erwähnt. Später spielte Beinwell in der Hildegard-Medizin eine Rolle als Bruchkraut. Sie nennt ihn in ihrer Physika consolida [consolidare=festmachen], warnt aber vor dem inneren Gebrauch. Aber – so schreibt sie – auf der Haut heilt er Geschwüre der Glieder.

Der botanische Name leitet sich vom griechischen symphein = zusammenwachsen, verbinden ab. Die officinelle Bezeichnung laut Arzneibuch ist radix consolidae. Der deutsche Name gibt den Hinweis: Es geht um das Wohl der Beine und der Gebeine, also der Knochen. Denn in der Antike wurde die Pflanze zur Heilung von Knochenbrüchen verwendet. Die Klosterärzte wußten um diese Wertschätzung. Die Behandlung von Wunden, Geschwüren, Entzündungen und Knochenbrüchen blieb die bevorzugte Anwendung.

Beinwell ist hart im Nehmen, derb im Wuchs und gedeiht auch unter widrigen Bedingungen. Rauh und spitz wächst die Pflanze bevorzugt an Wasserläufen, Gräben, Uferböschungen und auf nassen Wiesen auch in der Harzlandschaft. Das anspruchslose Gewächs neigt zur Wucherung und kann bis zu 120 cm hoch werden.

Die Pflanze gehört zu den Rauhblattgewächsen [boraginaceae]. Früh schiebt sie ihre haarigen Lanzen aus der Erde, bis sie durch den hohen borstig kantigen Stengel mit den filzig behaarten Blättern, die in Schraubenlinie angeordnet sind, auffällt. Die glockenartigen violett, rosa oder gelblichen Blüten versuchen sich zu verstecken, sie hängen in Trauben nach unten und blühen von Mai bis Juli. Verwendbare Teile sind Blüten, Kraut und Wurzel, die neben Alantoin, Cholin, Pyrrolizidinalkaloiden und Gerbstoffen vorwiegend Schleim enthalten. Die Durchblutung wird angeregt, die Zellgeneration beschleunigt. Hämatome bilden sich schneller zurück, verletztes Gewebe heilt schneller.

Beinwell ist ein altes Volksheilmittel, das wissenschaftlich anerkannt ist, aber nur äußerlich bei Quetschungen, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen. Auch Sehnen- und Muskelentzündungen, Muskelkater und Blutergüsse werden erfolgreich behandelt. Der aus der frischen Pflanze oder aus der pulverisierten Beinwellwurzel bereitete Brei kann auch heute noch bei Knochenbrüchen aufgelegt werden, um das Zusammenwachsen zu begünstigen. Diese Auflage ist bei allen genannten Indikationen ideal.

Je nach betroffener Fläche werden 50-100 g Wurzelpulver mit heißem Wasser und einigen Tropfen Öl zu einer Paste verrührt. Durch den Schleimgehalt wird die Konsistenz klebrig, fast gummiartig. Warm auf die betroffene Körperstelle gestrichen, mit einem Frotteetuch abgedeckt, läßt man die Packung am besten über Nacht einwirken. Als Nachbehandlung sollte die Hautpartie mit Beinwellsalbe eingestrichen werden. Dieser Umschlag läßt sich mehrmals wiederholen und hilft auch bei Wirbelsäulen- und Bandscheibenschäden. Auch Tee-Umschläge sind möglich, die man ebenso mehrere Stunden einwirken lassen sollte.

Die Beinwell-Bio-Tinktur ist als Mundspülung zur Kariesbehandlung zertifiziert. Auch ein Kaltauszug aus den Blättern erfüllt diesen Zweck.

Achtung! Wegen der toxisch wirksamen Alkaloide darf die Anwendung der Beinwellwurzel nicht länger als vier bis sechs Wochen und nur auf intakter Haut erfolgen!

Der in englischsprachigen Ländern bekannte und viel kultivierte Bastard-Beinwell ist Comfrey [von confirmare = festigen]. Seine Wirkung ist mit Beinwell vergleichbar. Eine Hochleistungssorte, der Trauma-Beinwell, ist eigens für den Einsatz in einer schmerzstillenden Salbe gezüchtet worden. Der Anbau erfolgt in einer Klostergärtnerei der Voralpen, weil die nährstoffreichen Böden hier ideale Wachstumsbedingungen bieten. Verwendet werden nur die Blüten und Blätter, daher ist die Salbe besonders gut verträglich.

Diese Zuchtform enthält die bekannten Wirkstoffe in einer besonders hohen Konzentration. Diese Schmerzsalbe kann auch auf offene Wunden aufgetragen werden. Die Blüten und jungen Blätter sind als bittere Zutaten für Salate, Soßen und Kräutermischungen empfehlenswert; Stengel und Wurzel sind als Gemüse geeignet.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 62–65: „Beinwell“

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