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Kräuterwissen

Bärlauch

Allium ursinum – Steigt uns im zeitigen Frühjahr beim Wandern durch den Wald ein eindringlicher Knoblauchgeruch in die Nase, dann kann man ganz sicher sein, daß sich in der Nähe größere Bestände von Bärlauch versammeln.

Bärlauch

Der Bärlauch ist da! Der Bärlauch ist da! So tuscheln die Eichen und Buchen. Der Bärlauch ist da! Der Bärlauch ist da! Wir müssen den Frühling nicht suchen!

Klaus Ender

Steigt uns im zeitigen Frühjahr beim Wandern durch den Wald ein eindringlicher Knoblauchgeruch in die Nase, dann kann man ganz sicher sein, daß sich in der Nähe größere Bestände von Bärlauch versammeln. Er ist eine der ersten frühen Pflanzen im Jahr; ab März bedeckt er mit seinen hellen Blättern den Waldboden oft in großen Familien, denn wo er Fuß gefaßt hat, breitet er sich gerne üppig aus.

Wir begegnen ihm in feuchten, schattigen und humusreichen Auen, Buchenwäldern, an Bächen und in Gräben. Zuerst wachsen die Blätter, sie sind lanzettlich länglich, weich und ähneln denen des giftigen Maiglöckchens [!], die aber nicht duften. Die Geruchsprobe verhindert eine Verwechselung.

Später entwickeln sich die reichblütigen Scheindolden mit schneeweißen und für Liliengewächse [liliaceae] typischen sechszähligen Blütensternen, die sich wie ein Teppich ausbreiten. Von April bis Mai ist Bärlauchzeit! Es sind die Blätter, die am besten vor der Blüte geerntet werden.

Aber so schnell der Wilde Knoblauch im Frühjahr kommt, genauso schnell ist er wieder verschwunden. Im Juni sterben die vergilbten oberirdischen Pflanzenteile ab.

Im Harz ist der Bärlauch in großen Beständen vorhanden, so auf umfangreichen Flächen im Brühlpark zu Quedlinburg, der deswegen schon als Bärlauchwald bezeichnet wird. Vielleicht noch üppiger konnte er sich im Klostergrund, bei den Fischteichen und der Mönchemühle von Kloster Michaelstein bei Blankenburg ausbreiten. Im Norden ist Bärlauch eher selten. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und auch Brandenburg kommt der Bärlauch so selten vor, daß er schon stark gefährdet ist und auf der Roten Liste steht.

Sein Name ist im Zusammenhang mit dem Bären [ursinum] zu erklären, für den das frische Bärlauchgrün eine willkommene Speise nach seinem Winterschlaf ist. Aber nicht nur für den Bären!

Bärlauch, auch Wilder Knoblauch oder Waldknoblauch genannt, ist ein geschätztes Wildgemüse. Frisch auf’s Butterbrot, in den Kräuterquark oder in Salaten ist er ein Genuß! Getrocknet ist das Kraut wertlos. Auch die Zwiebel, die im Herbst gezogen wird, kann so verwendet werden. In Milch sind Blätter und Zwiebeln besser verträglich. Bekömmlicher ist auch die Bärlauchsuppe.

Die Lebensmittelindustrie macht sich den Wert von Bärlauch zunutze, wir finden ihn in Käse, Brot, Pesto und Ölen wieder. Zu den Inhaltsstoffen der Frischpflanze zählen schwefelhaltige ätherische Öle, Flavonoide und Adenosin.

Bärlauch ist stärker in seiner Wirkung als Knoblauch und eignet sich zu Frühjahrskuren, zusammen mit Brennessel und Löwenzahn. Als sogenannte Hexenzwiebel besitzt Bärlauch auch unheilabwehrende Eigenschaften durch das bärenstarke Aroma, das man sich auch im Garten zunutze machen kann. Einerseits hat es für die Pflanze selbst eine Schutzfunktion, andererseits stimuliert oder hemmt es Lebensprozesse in anderen Pflanzen oder schützt sie vor Schädlingen. Bärlauch und Knoblauch sollte man zwischen Rosen und Beerensträuchern pflanzen!

Bärlauch ist ein natürliches Antibiotikum und Labsal gegen Zivilisationskrankheiten. Er wirkt nicht nur antibakteriell, sondern auch blähungstreibend, stärkt das Immunsystem, regt den Fettstoffwechsel an und senkt damit den erhöhten Cholesterinspiegel, senkt ebenso den Blutdruck und beugt Arteriosklerose vor. Er sorgt weiterhin für eine gesunde Darmflora und beeinflußt Leber, Galle, Magen und Atemwege günstig.

Die Pflanze steht zwar nicht unter Naturschutz, doch ist das Sammeln innerhalb von Naturschutzgebieten und Naturschutzwäldern nur dann gestattet, wenn die entsprechende Schutzverordnung es zuläßt.

Laut Bundesnaturschutzgesetz genießt der Bärlauch auch außerhalb von Schutzgebieten Mindestschutz. Hier wäre das Sammeln für den Eigenbedarf aber erlaubt. Generell sollte man jedoch nur in großen Beständen sammeln. Von den einzelnen Blattrosetten läßt man zwei Drittel unberührt, damit die Pflanze genug Blattmasse behält, um die Zeit bis im nächsten Frühjahr zu überstehen.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 50–53: „Bärlauch“

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