Weißdorn
Crataegus monogyna – Der Weißdorn mit seinen zahlreichen Arten, die sich durch Bastardisierung und Kreuzung kaum noch bestimmen lassen, bildet natürliche Hecken, daher heißt er auch Hagedorn.
Mit dem Weißdorn schreibt die Natur an das Herz einen Liebesbrief.
Der Weißdorn mit seinen zahlreichen Arten, die sich durch Bastardisierung und Kreuzung kaum noch bestimmen lassen, bildet natürliche Hecken, daher heißt er auch Hagedorn. Im Zuge der Flurbereinigungen wurden viele Hecken gerodet und damit ganze Lebensgemeinschaften zerstört. Das Schutzgebiet Harz blieb weitgehend verschont und hat noch reichlich Weißdorn- oder Hagedornhecken als ökologische und medizinische Schatzkammern. Wir finden Weißdorn auch als Gebüsch in lichten Wäldern, denn er liebt einen sonnigen Standort.
Die schneeweißen Blüten bilden große Doldenrispen ab Mai bis Juni. Ihre Schönheit blendet, aber ihr Duft ist unangenehm wie Mäuseurin, ein Lockmittel für Insekten zur Bestäubung!
Die dornigen Zweige blühten im Mai, als die Amseln ihr Frühlingslied sangen. Da waren sie dicht wie von Zauberei mit schneeweißen Blüten behangen. Kommt jetzt nicht endlich jemand vorbei, scheint der Elf sich zu denken. Im Herbst ist der Weißdorn wie immer so frei und will seine Beeren verschenken.
Cicely Mary Barker
Im August und September leuchten dann die roten oder orangefarbenen Früchte, die keine Beeren sind sondern kleine Apfelfrüchte, und warten auf Kundschaft. Sie schmecken säuerlich-süß und sind mehlig. Frisch geerntet, lassen sie sich zu Kompott, Saft und Sirupen mit anderen Früchten verarbeiten, da sie gut gelieren. Oft bleiben sie den ganzen Winter über an den Zweigen und nähren Vögel.
Als Hagedorn war der Weißdorn im Mittelalter bekannt, spielte aber in der mittelalterlichen Klostermedizin keine Rolle.
Die heilende Wirkung auf das Herz ist erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt worden. Seine milde Wirkung zur Stärkung des Herzens macht ihn zur Liebesbotschaft an uns Menschen. Er wirkt meßbar ohne Nebenwirkungen! Weißdorn ist das Mittel der Wahl für das schwache Altersherz, um es sanft zu behandeln. Die heilende Wirkung der Blätter und Blüten ist anhand zahlreicher Studien belegt worden. Für die Wirkung sind glykosidische Flavone und Flavonole, oligomere Polyamide und Gerbstoffe verantwortlich.
Zubereitungen steigern die Kontraktion des Herzens, erweitern die Herzkranzgefäße, verbessern die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels und sind vergleichbar mit Digitalis und ACE-Hemmern, aber der Wirkmechanismus ist ein anderer. Unerwartete Nebenwirkungen entfallen, Weißdornpräparate oder auch Teeaufgüsse sind besser verträglich; sie besitzen eine wesentlich breitere Wirkung auf Stoffwechselprozesse, die Lebensqualität verbessert sich, wenn die Dosierung konventioneller Präparate reduziert werden kann.
In der praktischen Anwendung sollte Weißdorn in der Therapie von Herzinsuffiziens nicht fehlen. Herzinfarktgefahr wird vermindert und freie Radikale werden abgefangen, die Herz-Kreislauf-Funktion wird gestärkt, Blutdruckschwankungen werden ausgeglichen.
In der Erfahrungsheilkunde liegen Erfolge bei nervöser Anspannung, Ängsten, leichten Herzrhythmusstörungen, klimakterischen Beschwerden bis hin zur Schlaflosigkeit vor. Die Wirkung ist ausgleichend und harmonisierend.
Die häufigste Art, die Droge Weißdorn anzuwenden, sind die Fertigpräparate, weil die Wirkstoffe standardisiert sind, während sie in der Teedroge schwanken können. Teezubereitungen haben aber trotzdem ihre Berechtigung, die Wirkung ist nur schwächer.
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 170–173: „Weißdorn“

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