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Kräuterwissen

Sanikel

Sanicula europaea – Der Sanikel ist keine alltägliche Pflanze. Sie wächst einzeln und wird daher oft gar nicht wahrgenommen.

Sanikel

Sanikel heilt das Fleisch im Topf zusammen.

Der Sanikel ist keine alltägliche Pflanze. Sie wächst einzeln und wird daher oft gar nicht wahrgenommen. Hat man sie aber bewußt entdeckt und genau betrachtet, wird man sie immer wieder erkennen und nicht vergessen.

Sanikel ist eine Waldpflanze und gedeiht vereinzelt an beschatteten, frischen bis trockenen kalkliebenden Stellen, bevorzugt in Buchen- und Hainbuchenwäldern. Der Wald-Sanikel ist die einzige in Europa heimische Art der Gattung Sanikel. Insgesamt gibt es allein in Nord-Amerika 22 andere Arten.

Unser Wald-Sanikel ist eine mehrjährige krautige, wintergrüne Pflanze, die von 20 bis zu 60 cm hoch wachsen kann. Die grundständigen Blätter sind dunkelgrün und am Rande gesägt. Am Stengel wachsen wenig, manchmal gar keine Blätter. Von Mai bis Juni lässt sich der Sanikel am leichtesten finden, weil er dann mit seinem doppeldoldigen Blütenstand auf sich aufmerksam macht. Die Dolde setzt sich aus vielen halbkugeligen Döldchen zusammen, die Hochblätter haben; die Blütenfarbe ist weiß. Die Samen sind braunschwarze längliche Früchte, die mit hakig gekrümmten Stacheln besetzt sind. Sie bleiben im Fell der Tiere hängen und sorgen so für die Verbreitung. Waldklette wird die Pflanze auch genannt.

Der Name sanicula, der sich von sanare = heilen ableitet, bringt die hohe Wertschätzung, die Sanikel bereits in Vorzeiten genoß, zum Ausdruck.

Hildegard von Bingen hat die Pflanze erstmals beschrieben und sie mit warm eingestuft.

Die traditionelle Volksmedizin nennt viele nicht vertretbare Anwendungsmöglichkeiten. So verführen allein die Bezeichnungen »Heildolde« oder »Heil aller Schäden« zu Anwendungen, vor denen gewarnt werden muß, auch vor der traditionellen Anwendung bei Darmblutungen, Nierenblutungen und Ruhr!

Wirksam sind die Blätter der Sanikelpflanze. Sie enthalten Saponine, Flavonoide, organische Säuren, Allantoin, Gerbstoffe, Schleimstoffe und Spuren von ätherischem Öl.

Sanikel genießt nicht nur in der Volksmedizin hohe Wertschätzung. So wird das Kraut vorwiegend bei Katarrhen der oberen Luftwege wie zum Beispiel Husten mit zähflüssigem Schleim empfohlen. Ein Aufguß ist angezeigt bei Halsschmerzen zum Gurgeln und bei Mund- und Zahnfleischentzündungen zum Spülen.

Teeumschläge oder Kompressen bei Wunden, Hautentzündungen, Prellungen und Verbrennungen sind blutstillend und wohltuend lindernd. Ein frisches Blatt eignet sich als Wundpflaster. Auch bei Paracelsus stand die Pflanze als Wundheilmittel hoch im Ansehen.

Gärtner berichteten früher vom Anbau des Sanikel in Hausgärten, um selbst alkoholische Auszüge als Hausmittel herstellen zu können.

Sanikel war der Talisman der Raufbolde, die sich Schutz und Heilung von ihm erhofften.

Die antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung sind experimentell bestätigt worden. Die auswurffördernde Wirkung erklärt sich durch den Gehalt an Saponinen, die blutstillende und adstringierende Wirkung durch die Gerbstoffe.

Wegen der geringen Größe der Pflanze ist die Ausbeute an Wirkstoffen zu gering, als daß der Sanikel als universelles Wundmittel verwendet werden könnte. Darum hat die Pflanze an Bedeutung eingebüßt, ist aber nicht völlig in den Hintergrund getreten. Ihr großer Konkurrent ist der Beinwell.

Verwechslungen kann es mit der Sterndolde [astrantia major] geben, deren Dolde aber einfach ist und weiße Hüllblätter aufweist.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 138–141: „Sanikel“

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