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Kräuterwissen

Kleinblütiges Weidenröschen

Epilobium parviflorum – Weidenröschen sind kleine Schönheitskönige nicht nur im Tannenwald, sondern auch in den naturbelassenen Wiesen, die leider kaum beachtet, vielmehr als sogenanntes Unkraut, also als unwürdiges wildes G

Kleinblütiges Weidenröschen

Im Tannenwald durchsichtig ganz von Sonnenschein steht Weidenröschen hier am Rain. Rubinen, die aus dunklem Grün der Tannen doppelt feurig glühn. Kleinod der leuchtenden Natur, Juwelen holder Abendflur.

Karl Mayer

Weidenröschen sind kleine Schönheitskönige nicht nur im Tannenwald, sondern auch in den naturbelassenen Wiesen, die leider kaum beachtet, vielmehr als sogenanntes Unkraut, also als unwürdiges wildes Gewächs verurteilt werden. Wachsen sie doch nicht nur auf Wiesen, Weiden und in Gärten, sondern auch an Bahndämmen und auf Schuttplätzen. Sie erscheinen mit verästeltem Habitus kerzenartig und können Körpergröße erreichen. Weidenröschen überwintern mit bodenständiger Rosette. Sie gehören zur Familie der Nachtkerzengewächse [onagraceae].

Die Pflanzengattung Weidenröschen ist sehr artenreich; weltweit sind es fast 190 Arten, davon etwa 20 in Mitteleuropa, die sich nicht immer leicht unterscheiden lassen.

Das Kleinblütige Weidenröschen ist lange als Heilpflanze vergessen worden, bis Maria Treben, eine Kräuterheilkundige, die Pflanze im 20. Jahrhundert wieder populär machte. Es ist eine charakteristische Männerpflanze. Mit 20 bis 60 cm fällt sie nicht auf, auch wenn von Juni bis September die kleinen rosa bis hellvioletten fast unscheinbaren Blüten in Traubenform auf schmalen Schoten stehen, die bei Reife ihre Samen mit federartigem Anhängsel entlassen.

Das blühende Kraut enthält starke Wirkstoffe wie Beta-Sitosterin, Flavonoide, Gerbstoffe, Gallotannin und verschiedene Pflanzensäuren. Wissenschaftliche Versuche bestätigen im Extrakt aus der Pflanze eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung und daß das Wachstum von dem im menschlichen Darm angesiedelten Bakterium eschericha coli, dem häufigsten Verursacher von Infektionskrankheiten, gehemmt wird.

Die Hauptanwendung sind Prostatabeschwerden. Für diese Indikation [Entzündung, Prostatavergrößerung] sind nicht viele Kräuter gewachsen. Auch bei Prostata-Krebs kann sich eine Therapie mit Weidenröschen günstig auswirken.

Oft wird verkannt, daß das Kraut außerdem bei Blasen- und Nierenkrankheiten und Entzündungen der ableitenden Harnwege eingesetzt werden kann.

Bei Prostatabeschwerden empfiehlt sich zusätzlich das Knabbern von Kürbiskernen. Nebenwirkungen sollten nicht unbeachtet gelassen werden. Bei mehrtägiger Anwendung kann der Magen-Darm-Trakt belastet werden.

Neben dem Kleinblütigen finden wir noch das Schmalblättrige Weidenröschen [epilobium angustifolium], auch Waldweidenröschen genannt. Es erreicht eine Höhe bis zu 120 cm und breitet sich durch weit kriechenden Wurzelstock und Selbstaussaat aus. Die schmalen Blätter ähneln denen der Silberweide. Und weil es als erste Pflanze auf Brandplätzen erscheint, heißt es auch Feuerkraut oder St. Antonienkraut. Nach dem Weltkrieg war es die Ruinenblume.

Die Heilwirkung ist der des Kleinblütigen Weidenröschens vergleichbar. Durch den Gerbstoffgehalt kann es auch bei Magen-Darm-Entzündungen eingesetzt werden. Diese Pflanze ist im Hausgarten eine Zier und Nutzpflanze.

Die Blüten eignen sich für Salate, die Blätter als Gemüse; weil ihre Mittelrippe ziemlich kräftig ist, müssen die Blätter mindesten 15 Minuten weich kochen.

Für einen Tee wird ein gehäufter Teelöffel Kraut auf einen Liter Wasser nur kurz gebrüht! Morgens nüchtern und abends eine halbe Stunde vor dem Essen eine Tasse trinken.

Aus den Haarschöpfen der verblühten Pflanzen haben Zigeuner eine Wolle gesponnen, mit Ziegenwolle gemischt und sie zu Decken und Tüchern verarbeitet.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 166–169: „Kleinblütiges Weidenröschen“

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