Echtes Labkraut
Galium verum – Diesem Vers kann man entnehmen, daß viel Mythologisches mit dem Labkraut ins Spiel gebracht wird.
Du bist gut für manches Weh, heilest manche Wunden. Bei der Jungsfrau heil’gem Strauß – lasse uns gesunden.
Diesem Vers kann man entnehmen, daß viel Mythologisches mit dem Labkraut ins Spiel gebracht wird. Es war wie bei anderen gelb blühenden Pflanzen die Blütenfarbe, die immer Schutz versprach. So legte man besonders den Kindern und Schwangeren das Kraut ins Bett, um böse Mächte fernzuhalten und berief sich dabei auf die Schutzkraft der Jungfrau Maria. Liebfrauenbettstroh wurde es oft genannt.
Viele kennen dieses Kraut als Klettenkraut, weil es beim Durchstreifen von Wiesen an der Kleidung hängen bleibt. Es besiedelt vorwiegend sonnenexponierte Standorte auf Magerrasen und -weiden, Halbtrockenrasen, Wegrainen und Gebüschsäumen. Auch in Flachmooren ist es anzutreffen.
Von Mai bis September kann man es an seiner vollen gelben Blütenpracht leicht erkennen und weil es zudem mit süßlichem Honigduft Käfer, Bienen und andere Insekten zur Nektarsuche anlockt. Besonders intensiv soll der Duft vor einem Gewitter zu spüren sein. In Duft-Kräuterkissen findet es gerne Verwendung. Zu den einst zahlreichen, heute kaum noch benutzten Namen gehören deshalb Butterstiel, Schwefelblume und Riechkraut.
Die Pflanze gehört zur Familie der Rötegewächse [rubiaceae]. Dank der Ausläufer, die der kriechende Wurzelstock treibt, und des sperrig verzweigten Wuchses erreicht das Echte Labkraut recht beachtliche Ausmaße. Hinzu kommen noch die zahlreichen Blüten, so daß es oft auffällige Elemente in der Landschaft bildet.
Die Laubblätter sind in Scheinquirlen wirbelig angeordnet und sehr schmal, eher nadelförmig stachelspitzig, eine Anpassung an den trockenen Standort. Die relativ kleinen, gold- bis zitronengelben, in rispigen Blütenständen angeordneten Blütchen riechen intensiv nach Honig. Die Wuchshöhe kann bis zu einem Meter erreichen.
Von anderen Labkräutern unterscheidet sich das Echte Labkraut nicht nur durch die gelbe Blütenfarbe, sondern auch in seiner Bedeutung bei der Käsebereitung, weil es das kälberlabähnliche Ferment enthält, von dem Dioskurides bereits berichtet, indem er die Gerinnungseigenschaften des Krautes bei der Milch hervorhebt. Überwiegend wird das Echte Labkraut heute der Labwirkstoffe, seiner Gerbstoffe und des gelben Blütenfarbstoffes wegen für die Herstellung des englischen Chesterkäses verwendet. Der Farbstoff verleiht diesem Käse auch den besonderen Geschmack.
Für die Verwendung als Heilmittel dient das getrocknete blühende Kraut. Seine Wirkstoffe sind Flavonoide, Iridoid-Glykoside, Antrachinonderivate, ätherisches Öl. Das dem Labenzym ähnliche Protein findet sich nur in dem frischen Kraut.
Das Echte Labkraut wird ausschließlich in der Volksmedizin verwendet. Im Vordergrund stehen harntreibende Eigenschaften. Außerdem wird es gelegentlich als krampflösendes Mittel sowie bei angeschwollenen Knöcheln und äußerlich bei Hautverletzungen genutzt.
Erfahrungswerte liegen nur zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere und zur allgemeinen Stärkung und Kräftigung vor.
Zur Beseitigung und Linderung von Krankheiten und Leiden ist es nicht geeignet. Hinweis: Aufgrund unzureichender Erfahrungen nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden und nicht bei Kindern unter zwölf Jahren!
Die Wurzeln und Blüten werden heute noch in Schottland als Färbemittel verwendet: die Wurzeln färben rot, die Blüten gelb.
Das Echte Labkraut zählt zu den eßbaren Kräutern. Obwohl die Blüten honigsüß duften, schmecken sie eher bitter und weniger angenehm. In kleinen Anteilen bringen sie in kräftig würzigen Salaten eine besondere Note in den Geschmack.
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 118–121: „Echtes Labkraut“

Mehr davon im Buch
Altes Kräuterwissen aus dem Harz
35 harztypische Heilpflanzen mit ihren Anwendungen, dazu sieben Kräuterwanderungen mit eigenen Karten und über 50 Adressen von Kräuterkundigen im Harz.
24,90 €versandkostenfrei, bequem auf Rechnung







