Echte Engelwurz
Angelica archangelica (hauttoxisch) – Die Engelwurz oder auch Angelika ist eine Heilpflanze der nördlichen Zonen, sie kommt daher gar nicht im Mittelmeerraum vor, so daß antike Autoren nicht über sie berichten.
Die Engelwurz oder auch Angelika ist eine Heilpflanze der nördlichen Zonen, sie kommt daher gar nicht im Mittelmeerraum vor, so daß antike Autoren nicht über sie berichten. Auch Hildegard von Bingen erwähnt sie nicht. Schriftzeugnisse über Kultur und Gebrauch stammen aus Skandinavien, Island und Grönland. Dort war sie seit dem 10. Jahrhundert auf Märkten als Gemüse erhältlich und wurde als Beilage zu Salaten verwendet. Die Wikinger waren es auch, die die Engelwurz in Mitteleuropa einführten.
Im späten Mittelalter wurde sie dann in Klostergärten angebaut, von dort aus verwilderte sie und wird seit dem 15. Jahrhundert in Europa als wichtigste aller Heilpflanzen eingestuft. In einer anonymen Klosterhandschrift aus diesem Jahrhundert wird auf der ersten Seite der Angelikabrand genannt, der gut sei für die verschleimte Brust und für einen schlechten, trägen Magen.
In alten Kräuterbüchern heißt es »Der Angelika vornehmste Tugend ist Gift auszutreiben… den Leib zu erwärmen«. Brustwurz und Giftwurz sind daher weitere Namen für Engelwurz.
Sie ist eine Gebirgspflanze und kommt an feuchten Stellen und in Flachmooren vor. So begegnen wir ihr auch in Regionen des Harzes. Viel häufiger ist allerdings die weniger riechende kleinere Wald-Engelwurz [angelika silvestris] zu finden.
Die Echte Engelwurz ist ein zwei- bis dreijähriges Gewächs der Doldenblütler [apiaceae] und imponiert uns durch ihre Größe, die im zweiten Jahr zwei Meter und höher werden kann. Man erkennt diese stattliche Heilpflanze an den halbkugeligen gelblich-grünen Dolden, die sich von Juli bis August entfalten und gerne von Bienen besucht werden. Der Wurzelstock ist kurz und kräftig und hat lange Faserwurzeln. Der bis zu 30 cm starke Stengel ist hohl, stielrund, aufrecht und von breiten Rillen durchzogen.
Die gesamte Pflanze verbreitet einen stark aromatischen moschusartigen Geruch, vor allem, wenn die Blätter zwischen den Fingern zerrieben werden, und schmeckt scharf würzig. Die starken Aromen fanden zu Pestzeiten Anwendung. Die Wurzel ist gekaut worden, um sich vor Ansteckung zu schützen.
Der Sage nach soll es ein Engel gewesen sein, der auf die Pflanze als Mittel gegen die Pest hinwies. Danach erhielt sie ihren Namen [angelus = Engel, archangelica = Erzengel]. Und der Signaturenlehre nach sind es die Hüllblätter, aus denen neue Sprosse und Blütenknospen wachsen und diese umhüllen, von denen die Schutzwirkung abgeleitet worden ist. Der »Engel auf Erden« schützte auch vor Unholden und bösen Geistern, wenn die süß duftende Wurzel in Büscheln an der Haustür aufgehängt wurde.
Von Angelika oder Engelwurz wird die getrocknete Wurzel medizinisch verwendet, die heute noch universell eingesetzt wird, weil sie auch antibakteriell wirkt. Verantwortlich dafür sind Bitterstoffe, ätherisches Öl, Gerbstoffe und Furanocumarine.
Die Wurzel ist officinell, das heißt, sie ist im Deutschen Arzneibuch aufgeführt. Die medizinische Wirkung ist antiseptisch, abwehrsteigernd, verdauungsfördernd, blähungstreibend, appetianregend, galletreibend, krampflösend, nervenstärkend und auch schleimlösend.
In der Erfahrungsheilkunde wird die Wurzel innerlich bei Husten, gegen Brechreiz und als harntreibendes Mittel verwendet. Äußerlich angewendet ist Angelika hilfreich bei rheumatischen Beschwerden als Hautreizmittel. Die Anwendung ist als Tee und als Tinktur möglich. Außerdem ist Angelika Bestandteil von verschiedenen Fertigpräparaten und Kräuterbitterlikören.
Achtung! Die Berührung mit dem Kraut kann zu chemischen Brandwunden führen, denn ab Mai enthält die Engelwurzpflanze die phototoxischen ätherischen Öle. Die Furocumarine erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut und können zu einer Dermatitis führen. Hellhäutige Menschen sollten bei Einnahme auf Sonneneinwirkung verzichten.
Bei Magen-Darm-Geschwüren darf die Droge nicht angewendet werden. Die Anwendung ist als Tee und als Tinktur möglich.
Die Wurzel ist in vielen Kräuterbittern enthalten.
Die frischen Stengel, von Blättern befreit, finden in der Küche und auch gekocht, ähnlich wie Sellerie, als würzende Zutat Verwendung. Ebenso dient der hohle Stengel als aromatischer Trinkhalm.
Eine beliebte Süßigkeit sind kandierte Angelikastengel.
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 78–81: „Echte Engelwurz“

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