Villen in Blankenburg · Welfenstraße 30
Der Sieger darf das: Eine Villa wird Offizierscasino – Welfenstraße 30, Blankenburg
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Wir schreiben das Baujahr 1936, als Oswald Sommerwerk die Gräfin von der Schulenburg zu einer Grundstücksteilung ihres ansehnlichen Grundstücks in der Kaiserstraße 31 überreden konnte. Die adlige Dame war in Geldverlegenheiten und verkaufte schweren Herzens. Denn sie verlor damit ihr Badehaus! Zwar badete sie der Kosten wegen schon lange nicht mehr dort, doch wurden dort unter der opulenten Glaskuppel stets zur Winterzeit die Kübelpflanzen eingelagert. Sie hatte gewissermaßen ihre eigene Orangerie – ein letztes Foto davon wurde in „Villenstadt Blankenburg“, Band 1 auf S.184 gezeigt. Oswalds Ziel war die Errichtung eines schönen Einfamilienhauses, das sich in das noble Villenviertel einfügen würde. Zu dieser Zeit war die „Villenbauperiode“ der Residenzstadt Blankenburg schon vorüber, sein Haus würde also den Stil des Zeitgeistes der dreißiger Jahre zeigen. Als prominenter Mieter zog Kreisdirektor a.D. Detekind mit ein.
Am 21. April 1945 mußte das Haus wie viele Nachbarhäuser auch auf Befehl der US-Amerikaner sofort geräumt werden. Von der Forschung bislang wenig beachtet, sind zusammen mit der US-Army auch polnische Einheiten in Blankenburg eingezogen; auch deren Verwaltung residierte in den Villen der Welfenstraße. Nach dem Besatzerwechsel, hin zu den Russen, wurde das Haus Offizierskasino. Frau Sommerwerk, Ehefrau des Erbauers, wurde zwar rausgeschmissen, durfte allerdings zur Bedienung der Offiziere dort arbeiten. Alle drei Tagesmahlzeiten wurden dort verabreicht. Die alte Dame erinnerte sich noch Jahrzehnte später an große Mengen Trockenobst und Trockenfisch sowie „andere schöne Konserven“ im Keller, die die Russen bei der Räumung des Hauses Anfang 1946 leider wieder mitnahmen. Die Verwaltung der sowjetischen Einheit in Blankenburg wurde in der Heine-Schule in Form einer Kommandantur untergebracht und Familie Sommerwerk konnte wieder ihr Haus beziehen.
Der Vater des heutigen Eigentümers, das heißt die zweite Haus-Generation, leitete als gelernter Buchhändler einst die Blankenburger Buchhandlung „Bücherfreund“ in der Mauerstraße. Dann wechselte er als Dozent zur Fachschule der Buchhändler in Leipzig, um in den siebziger Jahren einem Ruf des Betriebsdirektors der Harzer Werke in Blankenburg zu folgen. Herr Stutzkowski setzte ihn als wissenschaftlichen Mitarbeiter der Geschäftsleitung ein.
Ein interessantes Faktum am Rand ist die Tatsache, daß auf engstem Raum, fast nebeneinander, einige Bürgermeister und Stellvertreter hier wohnten. Im Falle der Welfenstraße 30 war es der ehemalige Stellvertreter für Handel und Versorgung.
Noch eine Besonderheit soll nicht unerwähnt bleiben: Dieses Haus ist seit seiner Errichtung 1936 ununterbrochen im Besitz ein und derselben Familie. Äußerst memorabel!
Aus dem Buch: Villenstadt Blankenburg 2 – Altes Gold, S. 95–98: „Welfenstraße 30“

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Die Fortsetzung von „Glanz und Geschichte“: Auf vielfachen Wunsch der Leserschaft öffnen sich die Türen zu weiteren Blankenburger Villen – opulent fotografiert von Clemens Bussert.
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