Wegwarte
Cichorium inthibus – Die Wegwarte ist ein unverwüstlicher Wegelagerer und wird so leicht übersehen, obwohl sie eine so schöne blaue Blüte hat.
Es steht eine Blume Wo der Wind weht den Staub. Blau ist ihre Blüte, aber grau ist ihr Laub.
Hermann Löns
Die Wegwarte ist ein unverwüstlicher Wegelagerer und wird so leicht übersehen, obwohl sie eine so schöne blaue Blüte hat. Und dieses zarte Blau steht im krassen Gegensatz zur Zähigkeit der Pflanze, die sich mit kräftiger Wurzel in die stärksten Lehmböden eingräbt, sich platt fahren läßt und doch immer wieder blüht.
Der lateinische Name cichorium setzt sich aus dem griechischen kio = gehe und chorion = Feld zusammen. Sie besiedelt Ruderalstellen und Äcker; Weg- und Straßenränder in Trittpflanzengesellschaften, verträgt Trockenheit und begegnet uns weniger im Bergland des Harzes, aber in den Ebenen und dem Hügelland der Vorharzgebiete. Aus einer Rosette grobgezähnter Blätter, die an Löwenzahn erinnern, wächst ein hoher, ziemlich harter und kahler, steif aufrecht stehender und sparrig verästelter Stengel mit kleinen rauhhaarigen Blättchen, spärlich an diesem verteilt. Er kann bis zu eineinhalb Meter hoch werden und enthält einen Milchsaft, der auch in der spindelförmigen Wurzel vorkommt und der bitter schmeckt.
An kurzen Nebenzweigen stehen von Juli bis September leuchtende Blüten in einem unverwechselbaren Blau. Sie öffnen sich nur bei Sonnenschein, meist nur vom frühen Morgen bis gegen Mittag, und geben dieser Wilden Zichorie ihre vielen Namen wie Sonnenkraut, Blaue Sonnenwende, Sonnenwirbel, Wegeleuchte und schließlich Wegwarte.
Um die blaue Blume in der Romantik rankt sich ein Mythos, der bis heute nachhallt. Die Sehnsucht nach ihr brachte die Wandervögel auf den Weg und die Blume in die Literatur. Botanisch ist sie verschiedenen Pflanzen zuzuordnen, letztlich ist und blieb es als Auserwählte die Wegwarte.
Unter dem deutschen Begriff Zichorie wird eine Reihe wildwachsender und züchterisch bearbeiteter Pflanzen, also Kulturpflanzen, zusammengefaßt. Die Gemeine Wegwarte wird in zwei Kulturvarietäten angebaut: die Wurzelzichorie und die Chicoree.
Bereits in einem Papyrustext aus dem vierten Jahrtausend v. Chr. findet die Wegwarte Erwähnung, vorwiegend wegen des bitteren Geschmacks als Antidot, ein Gegenmittel bei Vergiftungen, genannt.
Seit dem Altertum blieb sie eine beliebte Heilpflanze. Sie ist magenwirksam, appetitanregend, galletreibend und hat vor allem bei Leberleiden eine günstige Wirkung. Verantwortlich dafür sind neben den Bitterstoffen vor allem das Inulin als Reservekohlenhydrat, Aesculin und Umbelliferon. Wegen des hohen Inulingehaltes wurde die Wegwarte auch angebaut, um aus den gerösteten Wurzeln Kaffeezusatz oder Kaffeeersatz herzustellen. Friedrich der Große hat die Verwendung der Pflanze für den »Muckefuck« sehr gefördert. Darum wird er auch »Preußischer Kaffee« genannt. Für Anbau und Verarbeitung erhielt der Braunschweiger Gastwirt Christian Gottlieb Förster 1770 preußische Privilegien. Auch Pfarrer Kneipp empfahl seinen Patienten diesen Kaffee als magen- und leber/ gallewirksames Getränk.
Mit ihrer ehemaligen Nutzung als Kaffee-Getränk spielt die Wurzelzichorie heute keine große wirtschaftliche Rolle mehr. Der Caro-Kaffee enthält sie nur anteilmäßig.
In der Volksheilkunde wird die ganze Pflanze verwendet; zur Stimulierung der Sekretion aller Verdauungssäfte mit abführender Wirkung, zur Heilung von Milz, Leber und Galle und zur allgemeinen Reinigung der Haut. Auch sedative Wirkungen sollen über Studien bestätigt sein.
Rheumatische Beschwerden erfordern regelmäßige Teekuren.
Gerhard Madaus schreibt 1938: »Wegen seiner umfassenden Wirksamkeit und Zuverlässigkeit wird Cichorium… zu den wichtigsten Pflanzenheilmitteln gezählt.«
Die Bachblüte Chicory ist ein Zeichen für Hingabe und Mutterliebe.
Die Chicoree, uns als Gemüse wohl bekannt, ist eine Varietät der Art Gemeine Wegwarte. Sie bildet eine 15 cm lange und drei bis fünf Zentimeter dicke Rübe und eine dem Boden aufliegende Blattrosette. Die gebleichten Blätter sind vermutlich zufällig entdeckt worden. Als die Wurzeln im Herbst in Sand eingemietet waren, trieben dann die weißen Blätter heraus. Durch das bewußte Bleichen heute soll der Bitterstoffgehalt reduziert werden. Die Chicoree bietet in Salaten eine große Vielfalt für Augen und Gaumen – eine wertvolle Unterstützung in der bewußten Gesunderhaltung. Sie ergänzt im Winter und Frühjahr den Speiseplan sinnvoll mit Vitaminen, Mineralien und wertvollen Bitterstoffen.
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 162–165: „Wegwarte“

Mehr davon im Buch
Altes Kräuterwissen aus dem Harz
35 harztypische Heilpflanzen mit ihren Anwendungen, dazu sieben Kräuterwanderungen mit eigenen Karten und über 50 Adressen von Kräuterkundigen im Harz.
24,90 €versandkostenfrei, bequem auf Rechnung







