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Kräuterwissen

Schafgarbe

Achillea millefolium – Bis heute zählt die Schafgarbe zu den wichtigsten Heilkräutern.

Schafgarbe

Laß wandern uns durch Wies und Wald, durch Anger, Heid und Flur; erkennen sollst du froh und bald die Heilkraft der Natur.

Richard Willfort

Bis heute zählt die Schafgarbe zu den wichtigsten Heilkräutern. Bei Kräuterkundigen genießt sie nach wie vor hohes Ansehen. Sie wächst auf mageren Wiesen, auf Schafweiden, an trockenen Böschungen. Die Trockenrasenlandschaftspflege erfolgt mit Schafherden, weil die Tiere die Pflanze gerne fressen, besonders wenn sie erkrankt sind. Dann werden sie zuweilen auch mit Schafgarbe gefüttert. Noch begegnet man in der Harzregion dem Hirten mit seinen Schäfchen.

Die Pflanze ist ein Wurzelkriecher und eine Pionierpflanze. Die drahtige trittfeste Struktur ihrer Stengel, Blätter und Blüten und ihre Widerstandskraft gegen Trockenheit, Hitze und Kälte charakterisieren sie als ein robustes Gewächs mit starken heilenden Eigenschaften, die offenbar erst im Zusammenspiel ihre komplexen Wirkungen entfalten.

Der lateinische Name geht auf Achilles, den sagenhaften Held des trojanischen Krieges zurück, er soll nach den rostigen Spänen seines Speeres entstanden sein. Dem Mythos nach war es der Zentaur Chiron gewesen, der dem Griechenheros die Heilkräfte von der Schafgarbe näher brachte. Eine andere Überlieferung berichtet, Aphrodite selbst habe die Schafgarbe auf die Wunden gelegt. Achill heilte danach viele Mitkämpfer mit Schafgarbe. Speerkraut wird sie deswegen auch genannt oder Tausendblatt [millefolium] wegen der fein zerteilten Blattspreite. Insgesamt macht das Erscheinungsbild der Pflanze nicht so viel von sich her, aber umso wirksamer sind ihre Heilkräfte, die der Echten Kamille ähnlich sind.

Der Stengel wird 50-80 cm hoch, die Blätter sind wechselständig angeordnet, doppelt gefiedert und behaart. Sie duften stark, der Geschmack ist aromatisch bitter. Die schirmartige Blütendolde ist weiß bis rötlich weiß.

Ihre kräftigen Eigenschaften sind auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen; vorwiegend ätherisches Öl mit Chamazulen, Bitterstoffe, Flavonoide und Cumarin mit insgesamt krampflösenden, antiseptischen und blutstillenden Eigenschaften. Soldatenkraut wird die Schafgarbe bei Dioskurides auch genannt, weil sie bei Verwundungen Soforthilfe liefert. Sie ist die Jodtinktur der Wiese: die Pflanze zerrieben und zerquetscht auf die Wunde gelegt, heilt, ohne daß nachträglich Entzündungen entstehen.

Die Anwendungsgebiete sind Magen- und Darmbeschwerden, Bauchkrämpfe, Appetitlosigkeit, Steigerung der Gallensaftsekretion. Bauchwehkraut wird es auch genannt. Äußerlich angewendet, hilft es bei Hämorrhoiden, Krampfadern, Venenentzündung, Geschwüren, Blutergüssen und Wunden. Hildegard von Bingen empfahl vor jedem operativen Eingriff als vorsorglichen Schutz vor Komplikationen und zur Wundheilung nach der OP diese Heilpflanze als Pulver.

Die Entgiftungsleistung der Leber mit Hilfe von Schafgarbe zu fördern ist eine Empfehlung als Hausmittel [Leberwickel]. Ein Tuch wird im Teeaufguß getränkt, ausgewrungen und direkt auf den rechten Rippenbogen gelegt, darüber eine Wärmflasche gelegt und mit einem Wickeltuch abgedeckt; 20-30 Minuten sollte der Wickel auf dieser Stelle liegen bleiben.

Die Schafgarbe ist die Nummer Eins der bei Frauenleiden wirksamen Kräuter. »Schafgarbe im Leib tut wohl jedem Weib.« Bäder oder auch Sitzbäder mit Schafgarbe wirken krampflösend bei Wechseljahrsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden und blutstillend bei Haut- und Schleimhauterkrankungen. Für Sitzbäder oder Umschläge kocht man 100 g Droge in ein bis zwei Liter Wasser, läßt 20 Minuten ziehen und setzt den Aufguß dem Badewasser zu.

Bei Haarausfall nach Bestrahlungen oder Chemotherapie wird ein Schafgarbenöl empfohlen. Zwei Handvoll Blüten mit 250 ml Jogobaöl läßt man drei bis vier Wochen stehen, schüttelt täglich und seiht dann ab. Dann ist das Öl gebrauchsfertig.

Hinweis: Nicht über längere Zeit einnehmen. Bei empfindlichen Personen können allergische Reaktionen [Wiesendermatitis] auftreten.

Zur Würzung von Salaten und anderen Speisen oder in Kräutersalzen liefert Schafgarbe die nötigen Bitterstoffe, die wir über die Nahrung kaum noch zu uns nehmen. Heute werden sie aus vielen Gemüsesorten schon herausgefiltert. Schafgarbenblüten sind neben der würzenden Zutat auch noch eine Dekoration.

Mit Schafgarbenkraut können Wolle und Seide gelb gefärbt werden.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 142–145: „Schafgarbe“

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