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Kräuterwissen

Eibisch

Althea officinalis – Diese Heilpflanze, auch eine Bienenfutterpflanze, gehört zu den großen Seltenheiten unserer Harzflora.

Eibisch

Eibisch strotzt gespitzten Laubes dem Lichte wild entgegen. Der Blütentrichter Gier des Raubes nach warmem Sommerregen.

Diese Heilpflanze, auch eine Bienenfutterpflanze, gehört zu den großen Seltenheiten unserer Harzflora. Sie ist im Mittelmeergebiet beheimatet und hat durch die Mönche in die Klostergärten Eingang gefunden; sie gehört bis heute zu deren Bestand. Später gelangte sie in die Bauerngärten, von dort verwilderte sie teilweise.

Sie benötigt kalihaltigen und salzhaltigen Boden, kommt stellenweise auch auf feuchten Wiesen, Viehweiden und im Ufergebüsch vor.

Ihren Verbreitungsschwerpunkt der Harz- und Vorharzregion hat sie im Bode-Gebiet, ist aber wohl nirgend so häufig wie zwischen Egeln und der Mündung der Bode in die Saale auf salzbeeinflußten Standorten zu finden. Diese Tatsache läßt sich vielleicht dadurch erklären, daß der Ort Nienburg an der Mündungsstelle aus einem ehemaligen Kloster mit entsprechendem Klostergarten hervorging und an der Salzstraße zwischen Halle und Magdeburg gelegen ist.

Wegen des geringen Vorkommens ist die Pflanze geschützt und darf nicht gesammelt werden!

Eibisch gehört zu den Malvengewächsen [malvaceae] und ist auch unter den Namen Samtpappel, Weiße Malve, Altheewurzel und Hustenwurz bekannt.

Die mehrjährige krautige Pflanze steht mit kräftigen Stengeln aufrecht und erreicht eine Höhe bis zu 150 cm. Die Wurzel ist stark und fleischig. Stengel, Blätter und Kelch der Blüten sind filzig und samtartig behaart. Die zahlreichen weiß bis rosa Blüten am oberen Teil des Stengels sind in achselständigen Büscheln angeordnet.

Heilkräftig sind Blüten und die Wurzel. Ihre Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl, Zucker, vor allem Schleimstoffe und Asparagin in der Wurzel.

Wegen ihrer besonderen Heilkraft nannte man sie auch Dialthea oder Bismalve; aber sie ist doppelt so wirksam wie die Malve.

Die Bezeichnung Eibisch wird unterschiedlich erklärt: Dioskurides leitet den Namen von althaia = heilsam ab. Andere erklären ihn über das mittelhochdeutsche ibisca oder das mittelhochdeutsche ibische, aus dem dann letztlich Eibisch wurde.

Antike Autoren und mittelalterliche Botaniker erwähnen die heute noch gültigen Anwendungen, die innerlich wie äußerlich wegen der reizlindernden und schleimhautschützenden Wirkung gegen eine Vielzahl von Krankheiten möglich sind. Die wärmenden und trocknenden Qualitäten erlauben die äußerliche Anwendung bei Abszessen und Wunden, innerlich bei Durchfall und Steinleiden. Besonders schonend ist die Anwendung bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum und den dadurch bedingten trockenen Husten. Wegen der milden Eigenschaften ist die Droge in der Kinderheilkunde beliebt.

Auch die Anwendung bei leichter Magenschleimhautentzündung ist von der Forschung bestätigt worden.

Die Schleimstoffe bilden einen Schutzfilm auf den Schleimhäuten, wenn man oft kleine Mengen möglichst lange im Mund behält. Bei Schleimhautreizungen in Mund- und Rachenraum empfiehlt sich auch der Eibischsirup, der in der Apotheke angefertigt wird.

Hinweis: Die Aufnahme anderer Arzneimittel kann durch den Schutzfilm der Schleimstoffe verzögert werden.

Eibisch gehört auch zur »Grünen Kosmetik«. Der Schleim schützt die Haut vor Feuchtigkeitsverlust und regeneriert trockene und juckende Haut.

Dazu wird Eibischpulver mit warmem Wasser zu einem Brei angerührt, ein Eßlöffel Honig und ein Spritzer Zitronensaft werden hinzugefügt und dann als Maske aufgetragen, die wie Pech klebt. Eine Stunde läßt man einwirken und spült mit warmem Wasser ab. Aber Schleimstoffe brauchen Geduld: Nach dem fünften Mal wird man den Erfolg spüren!

Blüten und junge Blätter sind auch eßbar und können einem Salat beigefügt werden. Die Römer verwendeten die Pflanze sogar als Suppenkraut.

In Notzeiten ist die möhrenartige Wurzel, gekocht und anschließend gebraten, verzehrt worden, doch ohne Würze wäre der Geschmack sehr fade.

Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 74–77: „Eibisch“

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