Echte Kamille
Matricaria recutica – Die Kamille ist wohl das bekannteste Hausmittel. Ein jeder wird sie kennen, vielleicht noch über die Großmutter.
Hör auf mit dem Gebrülle, ich koch Dir gleich Kamille, die trinkst Du und bist stille. Da sieht man ohne Brille die Heilkraft der Kamille.
Heinz Kahlau
Die Kamille ist wohl das bekannteste Hausmittel. Ein jeder wird sie kennen, vielleicht noch über die Großmutter. Viele Jahre war sie aus unserem Blickfeld verschwunden, weil ihr durch den übertriebenen Ordnungssinn der Menschen der letzte typische Standort genommen wurde – das Kornfeld. In letzter Zeit findet man sie dort wieder, wenn auch nicht üppig. An sich ist die Kamille eine Pionierpflanze, die sogar Bahndämme und Brachen bevorzugt, denn was den Boden betrifft, ist sie nicht wählerisch. Sie blüht von Juni bis September, ist einjährig und gehört zu den Korbblütlern [asteraceae].
Die Schönheitsideale einer Blume erfüllt sie zwar nicht, obwohl sie in Ägypten als Blume des Sonnengottes hoch verehrt wurde. Auch die nordischen Völker verehrten sie als Attribut des Sonnengottes Baldur.
In der Klosterheilkunde war die Kamille der »Pflanzendoktor«; seit 1588 stellten Mönchsärzte bereits ein Kamillenöl her.
Chamomilla bedeutet so viel wie »am Boden wachsender Apfel«, das beschreibt Leonhard Fuchs 1543 in seinem New Kreüterbuch so: »Diß kraut so wir Teutschen Chamillen heißen, ist in Griechischer und Lateinischer Sprach genennet chameleum, derhalben das sie ein lieblichen geschmack hat wie ein äpffel.«
Oft wird die Kamille Apfelblümlein oder Apfelkraut genannt. Der lateinische Name matricaria verrät die ursprünglich vorwiegende Anwendung bei Frauenleiden.
Die vielfältigen Anwendungen sind nahezu bei allen Gebrechen gebraucht worden, und das hat sich bis heute nicht geändert. Wenn sie auch jeder zu kennen meint, können Verwechslungen auftreten mit der Hundskamille, die nicht duftet, und mit der Strahlenlosen Kamille, der die weißen Zungenblüten fehlen. Eindeutiges Kennzeichen der Echten Kamille ist neben dem Aroma der hohle Blütenboden. Die Kraft steckt in der Blüte. Neben Flavonoiden und Schleimstoffen ist der Hauptwirkstoff das ätherische Öl mit dem blauen Azulen, dem Chamazulen, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird.
Kamille wirkt entzündungshemmend, antibakteriell, beruhigend, krampflösend, blähungswidrig. Für die äußerliche Anwendung zur Förderung der Wundheilung bei Hautverletzungen unterschiedlicher Genese, bei Verbrennungen und Furunkeln, ist das Kamillenöl zu empfehlen.
Bei Mundschleimhautentzündungen werden durch Spülungen die Schleimhäute geschützt und die Bakterien in ihrem Wachstum gehemmt.
Hauptanwendungsgebiete innerlich sind Magen-Darm-Erkrankungen wie Gastritis, Magengeschwür und Durchfälle. In der Frauenheilkunde hat die Kamille als Mutterkraut ihren Platz. Bei Entzündungen und Reizzuständen der Luftwege werden Kamillen-Inhalationen empfohlen. In zunehmendem Maße werden entsprechende Zubereitungen in der Kosmetik zur Pflege empfindlicher Haut verwandt.
Zur äußerlichen Anwendung haben sich auch Kamillensäckchen bewährt. Die getrockneten Blüten, in Baumwolle oder Leinen genäht oder gebunden, sind als Auflage bei Zahn-, Ohren-, Bauchschmerzen oder zum Einschlafen wohltuend, vor allem für Kinder und Kleinkinder.
Kamille sollte in keiner Hausapotheke fehlen! Vor allem als Tee wird sie empfohlen. Für ein Kamillen-Sitzbad benötigt man 50 g Droge auf einen Liter Wasser. Es können auch verschiedene Fertigpräparate verwendet werden.
Merke: Die Anwendung von Kamille und ihre Zubereitungen haben keine Nebenwirkungen.
Die Kraft, das Weh im Leib zu stillen,
Aus dem Buch: Altes Kräuterwissen aus dem Harz, S. 110–113: „Echte Kamille“

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