Entlang der Bode · Rappbodetalsperre
Tunnel und Stollen: Der Trinkwasserstollen nach Wienrode
Von der Staumauer bis nach Wienrode reist das Trinkwasser durch Rohre und einen Stollen aus 1250 Betonringen, der nach fünfzig Jahren Betrieb keinen Verschleiß zeigte.
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Nach Entnahme des Rohwassers aus der Rappbodetalsperre führen gigantische Rohrleitungen zunächst zum Trinkwasserkraftwerk am Fuße der Rappbodestaumauer. Dann verläuft die Trasse weiter zum Bode-Dücker; das heißt der Wendefurther Stausee wird unterquert. Am Wendefurther Ufer des Hüttenröder Kuhberges, am „Wasserschlößchen“ darf dann das Wasser die Rohrleitung verlassen, aber nur um sogleich vom Trinkwasserstollen geschluckt zu werden. Doch schon im Hitschental geht’s wieder in die Rohrleitung; dergestalt wird das Tal überwunden. Zu sehen ist davon wenig, die Rohre sind mit Erdreich überwölbt und also gut verpackt. An der anderen Talseite beginnt dann der eigentliche, weil längere Trinkwasserstollen. Der Baubeginn war 1939 mit der Abteufung des Arbeitsschachtes an der B 81 zwischen Wendefurth und Almsfeld – von Wendefurth aus an der ersten Straßenkurve. Der Arbeitsschacht ist 22 Meter tief, von dort wurde der Trinkwasserstollen in Richtung Hitschental und in die Gegenrichtung zur TWA vorgetrieben. Die geförderten Massen wurden im seitlichen Tal verkippt. Hier befand sich auch ein Barakkenlager für Arbeiter. Der bauausführende Betrieb war die Firma Karl Walter, Berlin-Dahlem. Der Stollen gehört neben dem „Rachental“- oder „HKZW-Entwässerungsstollen“ zu den einzigen ihrer Art im Harz, die von ihrer Mitte her beidseitig aufgefahren worden sind.
Am gegenüberliegenden Hang des Wendefurther Berges wird derselbe unterfahren. Unter den Mönchsköpfen und den Wasserwegen – Nomen est Omen – hindurch erreicht die Fuhre schnurgerade und im steten Gefälle, bei einem Gesamtgefälle von etwa vierMetern, dann das Wasserwerk.
Auf Armes Feld, nahe der Altenbraker Straße wurde ein Luftloch zum Druckausgleich auf den Trinkwasserstellen abgebohrt. Die Trafostation am Stollenauslauf, jetzt Gelände des Trinkwasserwerkes Wienrode, wurde in Betrieb genommen, es erfolgte nach 1952 von dort der letzte Vortrieb des Trinkwasserstollens in Richtung Arbeitsschacht Wendefurth. Das System ist auf vier bar Betriebsdruck ausgelegt.
Der Stollen ist in der ersten Bauphase bis 1942 zur Hälfte fertig geworden, doch die technische Feinschmeckerei kam in den fünfziger Jahren hinzu: Um den Stollen absolut standsicher und somit störfrei zu machen, wurde er auf der gesamten Länge mit 1250 Betonringen, Innendurchmesser zwei Meter, ausgekleidet. Alle Großtransporte übernahm der Hüttenröder Spediteur Theodor Dahle, er besaß zwei ehemalige Wehrmachts-LKWs Typ Büssing, die zum Kriegsende „rein zufällig“ ohne Besitzer im Wald herumstanden und ihm nun gute Dienste leisteten. Beinahe alle Schwertransporte vom Bahnhof Hüttenrode auf die Baustellen des Bodewerks hat dieser Unternehmer geleistet. Mittels Transportwagen wurden besagte Betonringe aus Schleuderbeton auf Gleisen der Grubenbahn eingefahren, mittels Nut und Feder und Gußasphalt zusammengefügt und abgedichtet. Diese ingenieurtechnische Lösung wurde auch international beachtet und hat sich bei Trinkwasserstollen weltweit durchgesetzt.
Als um 2014, nach fünfzig Jahren ununterbrochenen Betriebes, der Stollen einmal kurzzeitig befahrbar war, fand man keinen Verschleiß – ein besseres Lob für die Bergleute von Schachtbau Nordhausen kann es kaum geben!
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 148–151

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