Entlang der Bode · Braunlage
Braunlage – Das Herz im Harz
Die ersten Skier nach norwegischem Vorbild, der Wildererstein des Stülpner-Karl und 18.000 Besucher an einem Sonntag im November 1989: Braunlage hat mehr zu erzählen als Wintersport.
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Die junge Warme Bode erreicht den Ort und wäre sie zu menschlicher Regung fähig, käme sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die ehemalige Kreisstadt des Restkreises Blankenburg, Braunlage, bietet ganzjährig einen touristischen Knüller nach dem anderen. Eisstadion, Hüttengaudi, Wurmbergseilbahn, Bike-Park, Skilift, Eichhörnchenbrunnen – die Liste wäre endlos. Aufgrund der Höhenlage der Stadt ist die Wintersaison ein gewisser Schwerpunkt und so nimmt es nicht Wunder, daß hier 1883 Oberförster Ulrichs von einem Stellmacher nach norwegischem Vorbild die ersten Skier anfertigen ließ. So gilt er als Ski-Pionier im hiesigen Gebirge.
Hinter dem Ort führt die schöne Wiethfelder Straße entlang einer in herrlicher Wiesenaue dahinfließenden Bode. Wer es gern schattig mag, wählt besser den nördlich durch Wälder verlaufenden „Ramsenweg“. Ramsen ist ein Harzer Ausdruck für Bärlauch, der in der Harzer Küche gern als Alternative zum Knoblauch verwendet wird.
Beide Wege führen zur Silberfuchsfarm, wo heute die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen/ Anhalt verläuft. Unweit nördlich davon findet sich der Wildererstein, gewidmet dem dort angeschossenen und verstorbenen Harzer „Stülpner-Karl“ Wilhelm Mückenheim, König der Wilderer, gestorben 1922. Doch war diese Wilderei nichts im Vergleich zur Zeit nach 1945, als der Harz voll war von fortgeworfenem Kriegsgerät und Wildern in vielen Harzdörfern betrieben wurde.
Das Naturidyll täuscht indes. Hier verlief die Staatsgrenze West der DDR; gesichert mit einem der strengsten Grenzregimes der Welt. Mehrere Grenzzäune und andere Vorfeldanlagen, alles unter strengster Bewachung durch DDR-Grenzsoldaten, wären von DDR-Flüchtlingen in Richtung Westen zu überwinden gewesen, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Als dann am 12. November 1989 auch hier die Grenze durchlässig wurde, kamen allein am ersten Sonntag etwa 18.000 DDR-Bürger über die Grenze nach Braunlage und Hohegeiß. 500.000 DM wurden als Begrüßungsgeld ausgezahlt. Braunlage rückte von einer Randlage wieder in die Mitte des Harzes. Heute ist die ehemalige innerdeutsche Grenze als „Grünes Band“ dem Naturschutz verpflichtet.
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 31–35

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