Entlang der Bode · Brocken
Das Brockenmassiv und die Große Bode
Als Regenfänger zwingt der Brocken die Wolken von Atlantik und Nordsee zum Abregnen – und knapp unterhalb seines Gipfels quillt die Große Bode jungfräulich aus dem Moor.
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Das Gros des Wassers, von dem hier berichtet wird, liefert der Brocken. Der höchste Berg des Gebirges ist auch der höchste Punkt Mitteldeutschlands. In dieser Eigenschaft erlangte er in deutschen Landen eine Sonderstellung unter den Bergen. So wurde anläßlich der deutschen konstituierenden Nationalversammlung in Frankfurt/Main von Freunden der deutschen Freiheit ein Freudenfeuer auf dem Brocken entzündet.
Weitere Feuer wurde angezündet und so liegen gegenseitige Beobachtungsergebnisse vor. In den Gästebüchern des Brockenwirts waren die Sichtungen nachzulesen: Wilhelmshöhe bei Kassel, Klüth bei Hameln, auf dem Solinger Wald, Köterberg bei Holzminden, Hohenhameln bei Hannover, bei Braunschweig, bei Goslar, Hüttenrode und auf der Wartburg.
Doch auch darüber hinaus ist der Blocksberg weithin die höchste Erhebung. Richtet man seinen Blick nach West oder Südwest, trifft man höhere Bodenerhebungen erst jenseits des Atlantiks, in Nordamerikas Allegheny Mountains. Blickt man nach Nordwest, so sind es, abgesehen von einigen Punkten des schottischen Grampian-Gebirges, erst die Feuerschlünde Islands und die eisigen Felsen Grönlands, welche den Brocken übertreffen. Im Norden stellt sich erst der Kjölen vergleichsmäßig in den Weg. Im Nordosten und Osten ist es, Tausende Kilometer entfernt, der Ural, der höhere Berge bieten kann. Anders nach Südost, Süd und Südwest. Hier sind es die Gebirgsstöcke der Sudeten und Karpaten, des Erzgebirges und der Alpen, des Schwarzwaldes, der Vogesen und Cevennen. Welch ein unendliches Gebiet!
Doch für seine Funktion als Wasserlieferant des Harzes ist die Lage zu den Meeren wichtig. Atlantik und Nordsee schieben beständig gewaltige Wolkenmassen gen Osten, die der Regenfänger Brocken sicher zum Abregnen zwingt. Solchermaßen werden also das Brockengebiet und der Westharz zum größten Quellgebiet des Harzes. Es nimmt nicht Wunder, daß unser Sternenkind Bode ebenfalls hier entspringt.
Am Brocken, etwas unterhalb des Gipfels bei etwa 1000 Meter über NN quillt das Wasser dieser Bode jungfräulich aus dem Moor.
Das Quellgebiet für die Große Bode liegt im Bodebruch, das zum Brockenfeld gehört. Diese sehr einsam im Nationalpark gelegene Quelle findet man östlich der Aussichtsplattform beim Dreieckigen Pfahl. Im frühen Frühjahr ist sie noch von Eis überzogen; ein kaltes Sternenkind. Aber auch ein berückend schönes – das wandelbare Element Wasser zeigt sich als ein Meister der Verwandlungen und geometrischen Strukturen.
Man muß nur genau hinschauen.
Vor Braunlage passiert die Große Bode dann zunächst den oberen Bodewasserfall. Jetzt wird sie lebendig.
So ein Wasserfall kann auch akustisch interessant sein, hier hört man bei guter Wasserführung Fiepen, Rollen und sogar gepreßte Schluchztöne aus dem Wasserlauf heraus. – Diesen Wasserfall darf man nicht gering schätzen; immerhin ist er der einzige im weiteren Verlaufe des Flusses. Wasserfälle kennzeichnen meist die jugendliche Phase eines Fließgewässers, später äußert sich die Wildheit der Bode subtiler. Das wildschäumende Niederprasseln ungezähmten Wassers aber wird hier schon einmal geprobt.
Die Kleine Bode entspringt einem Moor im Wurmberggebiet. Etwa auf halbem Wege zwischen dem oberen und dem kleinen Wasserfall treffen nordwestlich Braunlages in 630 Meter Höhe die Große und Kleine Bode zusammen und bilden von da ab die Warme Bode.
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 27–30

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