Entlang der Bode · Schierke
Schierke: Vom Waldarbeiterdorf zum St. Moritz des Nordens
Wie ein liebliches Mägdlein fließt die Kalte Bode nach Schierke, das sich vom Waldarbeiterdorf zum „St. Moritz des Nordens“ mauserte und sogar um Olympische Winterspiele bewarb.
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Die Kalte Bode hat ihren Ursprung am Osthang der Achtermannshöhe, nur wenige Meter von der Nationalparkgrenze entfernt. Grob gesagt zwischen Königsberg und Brockenfeld. Unmittelbar nach Verlassen des Moores schließt sich der Bodesprung an.
Folgen wir der Kalten Bode bis Schierke. Ein Kenner schrieb um 1880:
„Im nicht gefrorenen Zustand tritt das Element hier oben allerdings öfters zerstörend auf. Für gewöhnlich erscheint dies nicht so und die südlich vom Brocken herabfließenden Quellgewässer haben eine eher bescheidene als anmutige Gestalt. Die Hand eines geschickten Malers hat daher die Bode bei Schierke als ein halberwachsenes liebliches Mägdlein dargestellt, dem gefühlvolle Zwerge, auf den Klippen ihres Felsenbettes stehend, mit frischen Waldblumen und mit dem schimmernden Gold der Tiefe ihre Huldigungen darbringen. Aber dieses krystallhelle liebliche Brockenkind kann zur Riesin anwachsen, wenn der warme Südwind die mächtigen Schneemassen schmelzt oder wenn im Sommer anhaltende Regenschauer das enge Tal durchziehen oder Wolkenbrüche sich darin entladen. Zwar sehr nüchtern aber sehr klar und bedeutsam geben uns die alten Holzrechnungen von einer solchen Verwandlung der zarten lieblichen Jungfrau in eine riesige Unholdin Zeugnis, wenn sie von dem immer wieder zerstörten Wehr der Sägemühlen, den weggerissenen Brücken, den Mengen hinabgetriebener Holzblöcke reden.“
Östlich des Barenbergs durchquert die Kalte Bode zuerst den Randgranit des Brockenplutons, bis sie im Südteil des Tals Kiesel- und Quarzitschiefer durchläuft. Die vorherrschende Gesteinsart erklärt stets die Talform.
Schierke war ein kleines Waldarbeiterdorf, in dem zunächst vorwiegend Erz verhüttet wurde. Dann entdeckte der Tourismus den Ort mit der wildromantischen Umgebung, die „Hotelindustrie“ hielt Einzug. Schon 1899 wurde Schierke in Meyers Reisebüchern als Urlaubsort empfohlen. Hier boten sich, nicht zum letzten Mal, Arbeitsplätze und somit Verdienstmöglichkeiten für die Harzer Bevölkerung in der ansonsten strukturschwachen Region. Bald schon sprach man vom „St. Moritz des Nordens“. 1910 wurde der erste Eisplatz mit 32.000 Quadratmetern Fläche an der Bode gebaut, es gründete sich ein Eishockey- und Skeletonclub. 1920 waren es schon 600 Einwohner und Schierke wurde ein jährlich von bis zu 15.000 Sommerfrischlern und Wintersportlern besuchter Ort. 1932 bewarb sich Schierke für die Austragung der Olympischen Winterspiele 1936! Den Zuschlag bekam der Ort dann für die 4. Deutschen Winterspiele 1934, zusammen mit Braunlage. Sogar eine 450 Meter lange Slalomstrecke wurde dafür am Winterberg angelegt.
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 42–48

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