Susenburg – Trutzburg im Harzgau
Zehn Burgen bewachten einst das Bodetal, und in der verschollenen Pfalz Bodfeld weilten 17 gekrönte Häupter – ein Kaiser starb hier in den Armen des Papstes.
Dreiseitig umfließt die Bode das schmale Felsplateau, auf dem einst die stolze Susenburg und gegenüber die Burg Birkenfeld gestanden hatten. Der Harz ist burgenreich, das rührt aus der Zersplitterung des ehemals mächtigen Königsgutes oder Krongutes „Harz“ her. Mächtige Territorialherrscher, tatsächlich oftmals Lehnsnehmer weit mächtigerer Herrschaftshäuser übten in ihren Herzogtümern, Grafschaften etc. die regierenden Gewalten aus, so z. B. die Regensteiner, die Stolberger, die Wernigeröder oder die Fürsten von Anhalt. Für alle galt es ihre Macht zu befestigen. In diesem Zusammenhang ist die Susenburg zu sehen. Sehen im Wortsinn kann man nur noch Reste und dabei der „Burgen hoch und kühn“ gedenken, die einst am Bodestrand standen. Profaner ausgedrückt diente die Burg wahrscheinlich der Sicherung von Handelswegen, derer zwei der wichtigsten zum einen der „Wilde Weg“ (Willianwech), zum anderen der „Kaiserweg“ (Nordhausen-Goslar) waren.
Die Königsburg unweit der Susenburg wird vom Halberstädter Bischof Albrecht zum ersten Mal 1312 als „castrum Königshof“ erwähnt; von der einstigen markanten Burganlage zeigen heute noch die Reste des Bergfrieds, Gräben und Wälle über der Bode.
Insgesamt bewachten zehn Burgen das Bodetal, so die Elendsburg, Bodfeld, Susenburg, Schönburg, Treseburg, Homburg, die Königsburg und die Winzenburg, wo der Fluß bei Thale ins Blachfeld schleicht.
Die Pfalz Bodfeld war zweifellos einer der wichtigsten Herrschaftssitze im Bodegebiet. Ihr Standort konnte bis heute noch nicht sicher nachgewiesen werden. Obwohl der Name eine Verbindung mit der Bode impliziert, soll ihr Platz nicht am Flußlauf gewesen sein. Sicher ist nur ihre Bedeutung durch belegbare Aufenthalte deutscher Kaiser. Daran herrscht kein Mangel; insgesamt 17 gekrönte Häupter weilten in der Pfalz. Heinrich der Erste war hier zur Jagd. Kaiser Otto der Erste und Kaiser Otto der Zweite waren mehrfach da, Kaiser Otto der Dritte brachte seine Großmutter Adelheid mit, oder besser sie ihn, denn der Kaiser war zu diesem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt. Kaiser Konrad der Zweite, Gründer des neuen Königshauses der Salier, war ebenfalls zu Gast. Ihm folgte Kaiser Heinrich der Dritte, er starb am 5. Oktober 1056 in der Pfalz in den Armen des Papstes Viktor II. Zuvor hatte der Kaiser für die Inthronisation seines minderjährigen Sohnes Heinrich der Vierte gesorgt. Den „deutschen“ Papst Viktor bestimmte er zum Reichsverweser, solange sein Sohn nicht volljährig war. Danach nahm die Bedeutung dieser Jagdpfalz ab. Heute steht kein Stein mehr von diesem geschichtsbedeutsamen Ort, selbst die Raben umkreisen ihn nicht mehr.
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 65–66

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