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Entlang der Bode · Stiege

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Harzer Käse oder Harzkäse? Eine Eloge auf den berühmt-berüchtigten „Harzer“, ein Rezept für Harzkäseschnitzel und eine nordische Stabkirche am Bahnhof Stiege.

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Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Die Hasselquellen liegen versteckt beim Haltepunkt „Birkenmoor“ der Selketalbahn. Fast berührt die blutjunge Hassel die Selkequelle, flirtet kurz, überlegt es sich jedoch anders und nimmt Kurs auf Stiege. Dort füllt sie erst einmal zwei ansehnliche Teiche, bevor sie Stiege wieder verläßt und durch Wiesenauen Hasselfelde zustrebt.

Das 1100-Seelen-Dorf Stiege galt lange Zeit als eine der Hochburgen des bekanntesten Lebensmittels aus dem Harz. Ganz klar, jeder kennt Harzer Käse, aber da dieses hervorragende Qualitätsprodukt heute zumeist aus tiefstem Sachsenland kommt, sind doch ein paar erklärende Worte nötig. Genießen Sie jetzt die „Eloge über den Käse aus dem Harz“ und probieren sie das beigefügte Rezept. Klein und gemein, mit einem Geruch, der, mit vorwurfsvollem Blick hinüber zum Nachbarn, für die schönsten Streitereien sorgen kann – das ist der berühmt-berüchtigte „Harzer“; häufiger Bestandteil gepfefferter Witze. Wird mit gutem Erfolg von Schülern außer zum bestimmungsgemäßen Verzehr gern zu diversen Schülerstreichen benutzt. So ein gut hinter dem Heizkörper des Unterrichtsraumes geschickt eingeklemmter, überreifer „Harzer“ hat das Potential zum Stundenausfall!

Natürlich muß der Heizungsregler voll aufgedreht werden, doch dann – wehe dem Raumklima! Es müffelt übel und der Unterricht wird zur Nebensache. Doch was macht diesen Käse so einzigartig?

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Selbst manch‘ Harzer – Einwohner – verwechselt Harzer Käse mit Harzkäse. Ersterer ist ein Sauermilchkäse aus Kuhmilch. Ursprünglich aus dem Harzvorland stammend, hat er in der beliebten Rollenform als Harzer Roller – bitte nicht mit dem gleichnamigen Vogel verwechseln – seinen pikanten Siegeszug angetreten. Im jungen Stadium besitzt er einen weißen Kern aus dem noch nicht umgesetzten Sauermilchquark. Nach mehreren Wochen ist der Quark gänzlich umgesetzt. Der beste Harzer Käse hat die Farbe des Kascholongs, einer Abart des Opals.

Wie soll man ihn nun am besten essen? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Während manche gerade auf den Quark Wert legen, rümpfen andere darob nur die Nase. Es gibt noch alte Harzer, ganz weit oben im Gebirge wohnend, die den frischen, manche sagen auch jungen Harzer Käse zunächst in einen verschlossenen Glasbehälter einlegen. Dieses Glas steht dann gewöhnlich im Küchenfenster. Da ist der Käse in Windeseile „durch“ und wird dann vom Kenner auf Schwarzbrot gegessen. Das ist dann der legendäre „Blaue Heinrich“, den Großvater stets mit Behagen aß. Freilich passiert‘s, daß der Kenner diesen Genuß ganz für sich allein hat, denn das Öffnen des Glases führt in der Küche zu einer unvergleichlichen Gestanks-Orgie. Augen auf bei der Partnerwahl! Hier kann es zu schwersten Zerwürfnissen kommen! Der Autor weist lediglich darauf hin; Haftung wird nicht übernommen.

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Der Harzkäse dagegen wird aus Rohmilch hergestellt. Die kam zu früheren Zeiten von der braunen Harzkuh, die heute leider zu den ausgestorbenen Haustierrassen zählen muß. Sehr ähnlich ist aber das Harzer Rote Höhenvieh. Im Handel ist der Harzkäse so gut wie nie zu finden, dafür eher in bäuerlichen Hofläden. Beiden gemein ist die geringe Kalorienzahl und die Beifügung von Kümmel, von dem aber, dem Zeitgeist folgend, oftmals abgerückt wird. Es gibt übrigens auch ein Harzkäselied, das leicht auf einer Internetplattform für kleine Filme zu finden ist.

Hier nun ein Rezept; wir hoffen den Begriff „Steiger“ nicht eigens erklären zu müssen.

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Harzkäseschnitzel nach Art des Steigerweibes

Für 4 Personen

Für das Harzkäseschnitzel benötigen wir:

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

4 Wiener Schnitzel oder Schweineschnitzel 4 Gewürzgurken in Scheiben geschnitten Nach Belieben saure Paprika aus dem Glas in Scheiben 1-1,5 Packungen Harzer Käse Für das Zwiebelgemüse:

3-4 Gemüsezwiebeln 1-2 Äpfel Etwas Kräuterfrischkäse und/oder Schmelzkäse Nach Belieben kleingeschnittener Pfirsich Gemüsebrühe, Pfeffer, Rosmarin und Thymian nach Belieben.

Stiege – Harzer Käse, Harzer Luft, Harzer Holzkirche

Das Wiener Schnitzel wie gewohnt durchbraten. Die noch heißen Schnitzel aus der Pfanne nehmen, mit Gurken und Paprika belegen. Den Harzer Käse in dünne Scheiben schneiden und jeweils 3-4 Scheiben auf jedes Schnitzel legen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und überbacken, bis der Käse Blasen wirft. In der Zwischenzeit Zwiebeln schälen und klein schneiden, in einer Pfanne anrösten, bis sie glasig sind. Frischkäse dazu geben. In der Menge in etwa so viel, daß das Gemüse schön sämig wird. Einköcheln lassen. Mit Gemüsebrühe, Pfeffer und den Kräutern würzen und weiter auf kleinster Flamme einköcheln lassen. Während des Köchelns schweifen die Gedanken ab zur nordischen Stabskirche in Stiege, die unlängst in einer dankenswerten Bürgerinitiative spektakulär durch Umsetzung vom Albrechtshaus nach Stiege vor dem Verfall gerettet wurde. Am Bahnhof Stiege kann diese einzigartige Holzkirche bestaunt werden. Sie ist eine von dreien in Deutschland, die in der Art der nordischen Stabkirchen errichtet wurden. Im Zusammenhang mit der Heilstätte „Albrechtshaus“ fiel die Entscheidung zum Bau der Stabkirche mit gnädigster Genehmigung durch den Regenten Albrecht. Der verwaltete seinerzeit das Herzogtum Braunschweig als Regent, weil die Welfen aufgrund Preußens Zorn an der Regierung ihrer Stammlande gewaltsam gehindert waren. Prinz Albrecht von Preußen nahm 1905 sogar an der Eröffnung teil. Die Ausführung des stark an die Kirche Wang im Riesengebirge erinnernden Gotteshauses, so völlig ohne eiserne Nägel oder Schrauben, soll unbestätigten Gerüchten zufolge auf einen dort geheilten Tuberkulosepatienten zurückgehen. In verständlicher Dankbarkeit stiftete er das Kirchlein, das nun am Standort Stiege einem neuen Lebensabschnitt entgegensieht.

Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 93–98

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