Zum Inhalt springen

Entlang der Bode · Rübeland

Rübeland: Schwefelkies, Kalk und die Sprache der Bergleute

Bis zu 460 Meter tief holten Bergleute bei Rübeland Schwefelkies aus dem Berg und stießen dabei auf Kristallschlotten, die „Blumen des Bergwerks“.

Auf der Karte zeigen
Rübeland: Schwefelkies, Kalk und die Sprache der Bergleute

Nach Durchqueren des Talmäanders bei Susenburg schneidet die Bode den Riffkalkstein aus dem Oberdevon am östlichen Rand bei Rübeland. Ab hier beginnt die Bode sich tiefer ins Gestein einzuarbeiten und ein mäandrierendes Sohlenkerbtal zu entwickeln.

Das letzte größere Bergwerk des Bodegebietes war hier zu finden. In der „Schwefelkiesgrube Einheit“, vormals „Drei Kronen und Ehrt“, wurde in bis zu 460 Meter Tiefe der goldgelbe Schwefelkies abgebaut. Das war der Grundstoff für die Schwefelsäureherstellung, dem „Blut der Chemie“. Mehrere hundert Hauer, Steiger, Förderleute und Handwerker förderten über den Zentralschacht bei Elbingerode das Erz aus der Tiefe, der Rekord der Roherzförderung lag 1973 bei knapp 400.000 Tonnen. Hauptabnehmer war die Hütte im sächsischen Freiberg. Das Erz von hier deckte den DDR-Bedarf an Schwefel immerhin zu 30%. Mit einer Leistung von 50 Tonnen je Mann und Schicht konnte man durchaus international mithalten, trotzdem kam 1990 das staatlich verordnete Aus. Tiefenkarstbedingt hatte das Bergwerk stets mit großen Wasserzuflüssen zu kämpfen, die benachbarten Rübeländer Höhlensysteme ließen grüßen. In Zeiten der Schneeschmelze mußte alle halbe Stunde die Menge eines Freibadbeckens herausgepumpt werden, anderenfalls das Bergwerk absaufen würde. Doch jedes Ding hat zwei Seiten. Die Karsthohlräume bargen auch Schätze. Mehrmals trafen die vor keinen Schwierigkeiten zurückschreckenden Bergleute auf Hohlräume mit faszinierenden durchsichtigen Calcitkristallen. Nie gesehene Pracht überraschte die Entdecker solcher kristallgefüllten Schlotten; die „Blumen des Bergwerks“ sind heute vorwiegend in Mineraliensammlungen der Bergleute und Museen zu bestaunen.

Rübeland – Korallen, Kalk und Höhlendunkel

Mit dem Ende des Tiefbaus werden wohl auch viele Worte aus der Bergmannssprache, die Eingang in den Sprachgebrauch des Harzes gefunden hatten, verschwinden. Seit vielen Jahrhunderten waren Begriffe wie Korb – Förderkorb beziehungsweise bergmännisch für Fahrstuhl, Sohle – Fußboden im Bergwerk oder First – Decke der Grubenhohlräume den Bergleuten täglich geläufig. Doch nennt man solche Wörter jetzt, wird der Angesprochene stirnrunzelnd antworten: „In einem Korb bewahrt meine Frau die Wäsche auf, eine Sohle hab ich am Schuh und First ist der höchste Punkt meines Hauses!“ So werden bald auch Wörter wie Lutte, Gezähe, Schießen, Gedinge, Hunte, Schichtdrittel und viele andere wohl nicht mehr zu hören sein. Der vielhundertjährige Bergmannsgruß „Glück Auf“ wird hier im Harz allerdings sehr wohl noch verstanden.

Bergbau wird im Rübeländer-Elbingeröder Gebiet immer noch betrieben. Mehrere große Tagebaue bauen auf einer der qualitativ hochwertigsten europäischen Kalklagerstätten. Auch die Verarbeitung zu einer großen Palette von Kalkprodukten für die Bauindustrie und Rauchgasentschwefelung findet hier statt; den Transport des Kalkes übernimmt umweltfreundlich die Rübelandbahn mit Elektrolokomotiven.

Rübeland – Korallen, Kalk und Höhlendunkel

Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 67–74

Buch: Wunder verbinden

Mehr davon im Buch

Wunder verbinden

Natur, Tradition & Erfindergeist entlang der Bode

Ein großformatiger Bildband entlang der Bode über Natur, Tradition und Erfindergeist – mit 160 zum Teil großformatigen Abbildungen.

29,90 €versandkostenfrei, bequem auf Rechnung

Mehr zum Buch

Das könnte Sie auch interessieren

Beliebt
Entlang der Bode · Rappbodetalsperre Der große Bau der Rappbodetalsperre: Von der Utopie zum Talsperrensystem 150 Meter hoch sollte die Mauer werden, die Ferdinand Arnecke 1891 im Bodetal plante – bis aus der kühnen Utopie die Idee eines ganzen Systems von Talsperren wurde.
Entlang der Bode · Rappbodetalsperre Harzdrenalin: Der Harzer Mega-Zip Mit achtzig, neunzig Sachen am Seil über den Wendefurther Stausee, über die 458 Meter lange Hängebrücke „Titan“ oder 37 Meter hoch hinaufgeschossen: Harzdrenalin macht es möglich.
Entlang der Bode · Rappbodetalsperre Mauer und Make-Up der Rappbodetalsperre Graffiti an der Staumauer? Mit Hochdruckreinigern trugen Kletterer den Schmutz von 65 Jahren ab – übrig blieben Schmetterlinge auf 40.000 Quadratmetern Beton.
Entlang der Bode · Brocken Das Brockenmassiv und die Große Bode Als Regenfänger zwingt der Brocken die Wolken von Atlantik und Nordsee zum Abregnen – und knapp unterhalb seines Gipfels quillt die Große Bode jungfräulich aus dem Moor.
Entlang der Bode · Braunlage Braunlage – Das Herz im Harz Die ersten Skier nach norwegischem Vorbild, der Wildererstein des Stülpner-Karl und 18.000 Besucher an einem Sonntag im November 1989: Braunlage hat mehr zu erzählen als Wintersport.
Entlang der Bode · Sorge Sorge – Ohne Sorgen Wo einst die innerdeutsche Grenze verlief, wartet heute ein Stempelkasten der Harzer Wandernadel – und mit etwas Glück dampft die Harzquerbahn vorbei.
Entlang der Bode · Tanne Tanne – Mit Kuh zum Ball Brockentorte, Skifasching und ein Kuhball mit Viehaustrieb des Roten Höhenviehs: Das kleine Tanne feiert seine Feste auf ganz eigene Art.
Entlang der Bode · Schierke Schierke: Vom Waldarbeiterdorf zum St. Moritz des Nordens Wie ein liebliches Mägdlein fließt die Kalte Bode nach Schierke, das sich vom Waldarbeiterdorf zum „St. Moritz des Nordens“ mauserte und sogar um Olympische Winterspiele bewarb.

Einloggen oder registrieren

Kostenlos und ohne Passwort: Sie bekommen einen Link per E-Mail und lesen danach alle Geschichten vollständig.

Mit Ihrem Zugang schreiben wir Ihnen gelegentlich, wenn wir eine neue Harzwelt aufmachen – neue Geschichten und Themen aus dem Harz und die Bücher dazu. Abmelden können Sie sich jederzeit mit einem Klick auf den Link in jeder Mail. Datenschutz