Entlang der Bode · Rappbodetalsperre
Der große Bau der Rappbodetalsperre: Das Werk ist vollbracht
Am 4. Oktober 1959 war das große Werk vollbracht und wurde wie ein Volksfest gefeiert – heute ist die Rappbodetalsperre ein Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst.
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Das große Werk der Rappbodetalsperre, der Hauptsperre des Bodewerks, war am 4. Oktober 1959 vollbracht. Errichtet wurde es im Zeitraum von 1938 bis 1964, wobei in der Kriegs- und Nachkriegszeit nur geringfügige Arbeiten erledigt wurden. Ergo wurde 26 Jahre mit voller Kraft gebaut. Das gesamte Bauvorha ben „Bodewerk“ kostete rund 100 Millionen DDR-Mark. Die Einweihung gestaltete sich zu einem wahren Volksfest. Zeitzeugen berichten von wahrhaftiger Dankbarkeit der Harzer Bevölkerung; war doch das Ungeheuer der Harzhochwasser endlich gezähmt. Den Erbauern wurde gebührend gedankt; Prof. Dr. Christian Weißbach und sein Führungsteam bekamen den Nationalpreis der DDR verliehen. Leider verstarb der bedeutende Mann viel zu früh. Weißbachs Begräbnissstätte auf dem Blankenburger Waldfriedhof wird von seinen Nachfolgern im Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt liebevoll gepflegt.
Die Karawane der Talsperrenbauer zog weiter; die Kabelkrananlage ging zur Talsperre Pöhl. Im Tal der Bode zog wieder Ruhe ein.
2022 ehrte die Bundesingenieurkammer das Bauwerk als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Zusammen mit dem Pretziner Wehr an der Elbe sind dies die beiden einzigen derartigen Wahrzeichen in Sachsen-Anhalt. Die Bundesingenieurkammer zeichnet mit dem Titel herausragende Werke des Ingenieurbaus aus, wie Brücken, Türme und Tunnel. Die Bauwerke müssen älter als 50 Jahre sein.
„Die Talsperre weist einige bauliche Besonderheiten auf, die zu der Würdigung führten. So ermöglichen beispielsweise spezielle Feldfugen eine gewisse Beweglichkeit der einzelnen Mauerfelder. Dadurch soll das sehr große, starre Bauwerk weitestgehend vor Rißbildung geschützt werden. Darüber hinaus erlaubt ein ausgeklügeltes Gangsystem die intensive Überwachung“, so die Laudatoren.
Eine Anstalt öffentlichen Rechts regelt von ihrer Zentrale in Blankenburg aus alle betrieblichen Prozesse des Riesenbaus. Seit der deutschen Wiedervereinigung hat das Bundesland Sachsen-Anhalt als Eigentümer des Bodewerkes eine umfassende Sanierung der Gesamtanlage durchgeführt. Gefühlt wurde das System zum zweiten Mal errichtet. Heute besitzt der Harz mit dem Bodewerk, das auch Rappbodetalsperrensystem genannt wird, eine moderne Systemanlage für Bodewasser und ist in der Lage, bestes Trinkwasser für mehr als eine Million Menschen bereitzustellen, Hochwasserscheitel abzubremsen und Strom aus regenerativer Quelle zu liefern.
Das klingt technisch nüchtern und doch hat der Ort Magie – daran gibt’s nichts zu rütteln. Gleichzeitig geht von den Talsperren etwas Zwingendes und zugleich Ästhetisches aus, dem man sich gar nicht entziehen kann. Und die Rappbodetalsperre ist unbestritten das Herzstück des Bodewerkes zwischen Hasselfelde, Trautenstein, Königshütte, Rübeland und Blankenburg.
Im September 2024 feierten die Rappbodetalsperre und mit ihr der ganze Harz den 65. Jahrestag ihrer Fertigstellung. Der Talsperrenbetrieb mit „Deichgraf“ Henning an der Spitze kann eine stolze Bilanz präsentieren und eine wunderbare und bestens gepflegte Anlage der nächsten Generation von Wasserwirtschaftsexperten übergeben. Prost!
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 108–135

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