Entlang der Bode · Rappbodetalsperre
Der große Bau der Rappbodetalsperre: Block für Block zur Staumauer
Zwei Millionen Tonnen Diabas, Betonblöcke von 16 mal 16 Metern und 4000 Treppenstufen im Inneren: So wuchs die Staumauer Feld für Feld in die Höhe.
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In der Hochzeit der Bauphase waren 1200 Mann auf den Baustellen des Bodewerkes. Eine Flotte schwerer LKW-Kipper fuhr dreischichtig Beton über eigens angelegte Objektstraßen – es gibt sie heute noch –, denn für die kleineren Vor- und Überleitungssperren wurden keine eigenen Betonwerke eingerichtet.
Die Sperrmauern wurden allesamt aus Beton gebaut.
Das Gestein für die Zuschlagstoffe vom Grobschotter mit 100 Millimeter Durchmesser bis zum Feinsand oder Steinmehl wurde im Steinbruch Möhrental gewonnen, der etwa 400 Meter von der Baustelle entfernt angelegt wurde. Zwei Millionen Tonnen Diabas wurden hier verarbeitet, ein hartes und schweres Gestein, das zur Herstellung von Beton mit einem hohem Raumgewicht von mindestens 2,5 t/m2 gut geeignet ist.
Die Staumauer ist keine gewöhnliche Mauer, bei der man Stein auf Stein gesetzt hat. Sie ist in Blöcken aus Beton von 16 x 16 Metern hochgeführt worden, so daß sich in Längsrichtung der Mauer gesehen 26 Felder mit der größten Breite von 16 Metern ergeben. Die Fugen zwischen den Feldern sind mit Kupferblechen abgedichtet. Von größter Wichtigkeit war die Betonierfolge:
1. Die Mittelfelder der Baugrube waren so hoch zu betonieren und an den Flanken mit dem anstehenden Felsen zu verbinden, daß sich das Bauwerk bei Hochwasser und Eisfahrt selbst schützen kann.
2. Alle Betonierfelder wurden mit nicht mehr als fünf Meter höher gezogenen Blöcken betoniert. Das Ausbetonieren der Kühlfugen erfolgte später.
3. In Abhängigkeit von der Montage der Schützführungen, Antriebs- und Steueraggregate ergab sich in einigen Feldern nachlaufende Betonierung.
4. Nach Schließung des Umlaufstollens konnte der Teilstaubetrieb im Juni 1957 aufgenommen werden. Hinter dem abgeschützten Stollen begann die Montage des Umlaufstollen-Kraftwerkes.
5. Das Feld 23 wurde auf Höhe des Betonmischwerkes (Höhe 400) für den Bahntransport mit Frischbeton offengelassen. Als auch dieses Feld bis zur Endhöhe betoniert war, wurden die letzten Betontransporte mit der Baustellenbahn mittels auf der Mauerkrone verlegter Gleise durchgeführt.
6. Die Sondermaßnahmen für das Feld 23 bedingten einen technologischen Umbau von 16 Tagen. Der letzte Mauerbeton wurde im Winter 58/59 eingebracht. Hinter den Dichtungen, schon in der Mauer, befinden sich Schächte, die mit Fahrstuhl befahren werden können. Dieser Fahrstuhl kann im obersten Kontrollgang –17 Meter unter der Mauerkrone – auch in Längsrichtung bewegt werden. Zur Infrastruktur der Mauer gehören 1200 Meter Schächte, 2400 Meter Gänge und 4000 Treppenstufen! Nicht zu vergessen ein kompliziertes Geflecht von Schiebern, Ventilen und anderen Großarmaturen samt der dazugehörigen Infrastruktur. Alle Talsperren werden vermessungstechnisch ständig manuell und automatisch überwacht.
Die Hochwasserentlastung besteht aus einem freien Mauerkronenüberlauf mit einer Gesamtbreite von 64 Metern, der durch acht Zwischenpfeiler in neun Felder aufgeteilt ist und bei einer Überströmhöhe von 1,10 Meter 120 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten kann. Allein die Gewichtsstaumauer „Rappbode“ wiegt somit rund zwei Millionen Tonnen. Sie staut die Flüsse Rappbode und Hassel zum größten Stausee im Harz. Sie schafft einen gigantischen Stauraum von 113 Millionen Kubikmeter.
Auch an die Uferbefestigung wurde gedacht. Neben der Wiederaufforstung kahler Stellen oberhalb der Wasserlinie galt es generell Geländeverletzungen zu minimieren. Diese hätten zu unerwünscht hohen Sedimenteinträgen geführt. Als Uferbefestigung wurde von Biologen ein spezieller Gehölzstreifen entworfen, bei dem vor allem stachlig-dornige Arten als Zutrittsschutz gegen Mensch und Tier dominierten. Einer Expertendiskussion, wonach das verrottende Laub dem künftigen Trinkwasser eine muffige Geschmacksnote verleihen würde, stand die Aussage gegenüber, daß Fichtennadeln einen terpentinartigen Geschmackseintrag brächten. Da das Rohwasser für das Wasserwerk Wienrode aus tiefen Schichten bezogen wird, war auch diese Diskussion bald obsolet. Das Gewässer des Stausees gilt als fischreich. Es kommen sämtliche wichtigen mitteleuropäischen Fischarten wie Aal, Bachforelle, Barsch, Brassen, Hecht, Karpfen, Regenbogenforelle, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Seeforelle, Ukelei und Zander vor und es ist somit für Fried- und Raubfischangler interessant. Das Fischen vom Boot ist allerdings verboten. Gastangler können für dieses Gewässer Angelkarten erwerben. Das Angelgewässer wird von der Fischereipachtgemeinschaft Bodetalsperren e.V. bewirtschaftet.
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 108–135

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