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Entlang der Bode · Pumpspeicherwerk Wendefurth

Energieerzeugung im Bodewerk

Wasser hinauf, Wasser hinab: Seit 1967 liefert das Pumpspeicherwerk Wendefurth Spitzenstrom – und ein erfundener Ortsname hält sich bis heute auf den Karten.

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Energieerzeugung im Bodewerk

Elektroenergie wurde beim Aufbau der DDR-Wirtschaft bald zu einem limitierenden Faktor. Die DDR gehörte zu den Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie in der Welt. Im Vergleich zur Bundesrepublik lag der Pro-Kopf-Verbrauch um rund 20 Prozent höher, während die Wirtschaftsleistung erheblich niedriger lag. Staatliche Behörden orientierten auf leistungsfähigere Braunkohlenkraftwerke. Wohl deswegen wurde das Energiepotential des Bodewerks anfänglich nicht voll ausgenutzt. Im Bereich des Bodewerks waren kleinere Kraftwerke mit etwa 13,5 Millionen Kwh/a projektiert. Die energetische Hauptlast sollte das neue Kraftwerk in Thale mit einer Leistung von 25 Millionen Kwh/ a erbringen. Das Kraftwerk ist aber dann wegen fehlenden, weil anderweitig benötigten Investitionsmitteln – heute Fördermitteln – gestrichen worden.

Erst 1959 erwähnt der Aufbauleiter Dr. Ing. Chr. Weißbach den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes Wendefurth. Dazu mußte das Wohnlager der Talsperrenbauer am Bauplatz des künftigen Oberbeckens abgerissen werden. Das neue Wohnlager entstand im Forstort Armes Feld. Die Massivbauweise der Unterkünfte ermöglichte die spätere Nachnutzung der Anlage als „Harztourist Almsfeld“. Hier hat freilich eine Namensverdrehung stattgefunden, die wahrscheinlich vom ersten Chef des neugegründeten „Harztourist“ initiiert wurde. Dem gefiel „Armes Feld“ nicht und so konstruierte er unter Zuhilfenahme des unweit gelegenen Almesberges das Kunstwort „Almsfeld“. Dieser falsche Terminus wurde ungeprüft sogar auf Karten des Gebietes übernommen und ist bis heute schwer auszurotten. Nachdem die Energiewirtschaft der DDR ein solches Spitzenlastkraftwerk präferiert hatte, mußte das Kapital zum Bau des Pumpspeicherwerkes aus den Mitteln des ursprünglich von der Wendefurther Sperre zu versorgenden Wasserkraftwerkes Thale, das ja gestrichen wurde, bereitgestellt werden. Der zunächst in Aussicht genommene Standort auf der Hüttenröder Talseite hätte zwar kurze Wege zum Umspannwerk in Hüttenrode gebracht, wurde aber zugunsten eines höheren Gefälles an die gegenüberliegende Talseite verlegt. Baubeginn war 1961.

Seit Juli 1967 ist das Pumpspeicherwerk am Netz und arbeitet mit folgender Methode: Wasser wird in das 1,8 Millionen Kubikmeter fassende Oberbecken gepumpt, um in Spitzenlastzeiten durch Rohre 600 Kubikmeter sekundenschnell nach unten strömen zu lassen. Umgekehrt können immerhin 52 Kubikmeter pro Sekunde die 128 Meter messende Höhendifferenz heraufgepumpt werden, um bei Bedarf kurzfristig wieder über zwei 383 Meter lange Rohrleitungen mit 3,4 Metern Durchmesser in die Tiefe, den Turbinen entgegen, zu stürzen. Zwei Turbinensätze erzeugen dann zusammen 80 Megawatt. Die Pumpenergie bezog man sehr preisgünstig in Schwachlastzeiten. Es handelt sich um ein kleineres Kraftwerk mit speziellem Anforderungsprofil. Heute wird diese Anlage vom schwedischen Vattenfall-Konzern betrieben.

Es gab nur wenige Pumpspeicherkraftwerke in der DDR, zusammen erzeugten sie etwa 1700 MW. Darunter fielen das Pumpspeicherkraftwerk Markersbach mit sechs Blöcken à 175 MW, Hohenwarte II im oberen Saaletal mit 320 MW, die Pumpspeicherkraftwerke Niederwartha bei Dresden,120 MW, Wendefurth im Harz, 80 MW sowie Bleiloch mit 80 MW und Hohenwarte I mit 64 MW im Saaletal.

An der Rappbodetalsperre arbeiten zwei weitere Kraftwerke – ein Umlaufstollen- und ein Trinkwasserkraftwerk. Beide werden von E.ON Avacon Nature betrieben und haben eine Leistung von 5,4 MW. Zusammen erzeugen sie pro Jahr etwa 15 Millionen Kilowattstunden Energie.

Der Talsperrenbetrieb selbst betreibt in den Grundablässen der Talsperren Königshütte, Mandelholz und Wendefurth ebenfalls Kraftwerke. Perspektivisch entsteht ein weiteres Grundablaßkraftwerk an der Rappbodetalsperre.

Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 173–174

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