Entlang der Bode · Bodetal
Das große Abenteuer der Bode: Heuscheune, Katzenaugen und Bodekessel
In der Heuscheune brauten der Teufel und seine Großmutter Punsch, bis ein Katzenauge bis nach Treseburg flog – wo man solche Steine mit etwas Glück noch heute findet.
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Im Bodetal zwischen Treseburg und Thale geht es mit attraktiven Leckerbissen der Natur Schlag auf Schlag weiter. Die romantisch anmutenden Gewitterklippen faszinierten einst Maler. Gegenüber liegt die Blaue Klippe, die 1763 durch Herausmodellierung nach felsspaltendem Blitzeinschlag entstanden sein soll. Ein Gemälde von Janos Genelly liefert den Blick auf die dramatische Szene, heute hängt es als Dauerleihgabe im Schloß Bellevue.
Doch von den Höhen der Kunst zurück in das modrig-wilde Bodetal. Hier kriecht der seltene Otter aus dem feuchten Versteck, das scheue Wild lauscht und der Raubvogel horstet.
Vom Weg nicht zu sehen, ungefähr 50 Meter über der Talsohle, liegt die Heuscheune, eine natürliche Felsgrotte. Wirkungsvoll durchziehen in der Grotte rote und weiße Gesteinsbänder den wild gefalteten schwarzen Schiefer. Ein magisch-schauriger Ort, den auch der Teufel gut kannte und schätzte. An einem jener bitterkalten Dezembertage geschah vorzeiten eine wunderliche Geschichte im wildesten Abschnitt des Bodetals. In besagter Heuscheune, gut verborgen am hochgelegenen Hang der Bode, brauten der Teufel und seine Großmutter Punsch, um sich gegen die barbarische Kälte zu schützen. Mißfällig sah der Teufel, daß seine Großmutter ihren eisgrauen Kater mitgebracht hatte. Die beiden mochten sich nicht; schließlich war es immer wieder dieser Kater, der der Großmutter ihre Ausreden einflüsterte. Schon wurde das fertige Gebräu in Schüsseln ausgeschenkt, randvoll. Als der voreilige Kater gierig als erster am Gebräu schleckte, schlug ihm der jähzornige Teufel mit gewaltigem Hieb seines Pferdehufs so an den Kopf, daß eines seiner grün funkelnden Katzenaugen weit, bis nach Treseburg flog. Es ist ja allgemein bekannt, daß da wo der Teufel hinlangt, kein Gras mehr wächst. Mit etwas Glück aber kann man heute noch am Burgberg zu Treseburg Katzenaugen finden, die als Halbedelsteine gelten.
Tatsächlich ist am Südwesthang des Burgberges von Treseburg seit 1804 eine Fundstelle für Quarzkatzenauge und Axinit bekannt. Der Blankenburger Berghauptmann Ribbentrop tätigte dort angeblich den ersten Axinitfund im Harz. In den siebziger Jahren gab es im Bereich des Burgberges einen Bergsturz, wodurch größere Massen des Diabases auf die unten vorbeiführende Straße fielen und wieder frische Quarzkatzenaugen zu finden waren. Dieser edle Stein, der erst im Anschliff seinen typischen Effekt, dem Auge der Katze ähnlich, erhält, gehört zusammen mit dem weitverbreiteten goldgelben Tigerauge und dem weniger bekanntem blauen Falkenauge zu einer Mineralfamilie.
Der kleine und große Taschengrund münden in die Bode ein. Nun folgen bald der Bodekessel und die Teufelsbrücke. In diesem Bereich muß die Klamm früher noch enger gewesen sein, denn im Zuge der Holzflößerei wurde die engste Stelle 1789 zur Hälfte abgesprengt.
Mit Gebrause und Gedonner schäumt wütig drängendes Wasser durch die engste Stelle. Die Bode hat unterdessen hunderte von großen und kleinen Rinnsalen und Bächen aufgenommen, die Wassermengen sind auch ohne Hochwasser beachtlich!
Aus dem Buch: Wunder verbinden, S. 195–199

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