Sagen aus dem Harz · Stolberg (Harz)
Die Geistermesse zu Stolberg
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In Stolberg wird die Christmette zu Weihnachten in der Martinikirche am Christmorgen um halb sechs Uhr sehr feierlich gehalten.
Eine alte Frau wollte wie in jedem Jahr an der Messe teilhaben. Als sie mitten in der Nacht zum Christtag erwachte, dachte sie aber, sie habe die Zeit verschlafen, um zur Mette zu gehen. Deshalb machte sie sich schnell auf den Weg, sah auch schon die Kirche erleuchtet, die unter dem Schlosse am Berge liegt.
Die Tür zum Gotteshaus stand offen, sie ging hinein und setzte sich auf ihren Platz. Nach einer Weile drehte sie sich um, um nach Nachbarsfrauen zu schauen – da sah sie mehrere Bekannte als Geister um sich sitzen, die vor kurzem gestorben waren. Nicht nur das! Mit Grausen bemerkte sie, dass sie unter lauter Toten-Geistern saß, die erst vor kurzem gestorben waren. Entsetzt eilte sie aus der Kirche. Indem sie aus dem Portal trat, wurde die Tür hinter ihr hart zugeschlagen, so dass ein großes Stück ihres Mantels davon erfasst und herausgerissen wurde.
Dieser Stofffetzen aber bezeugte die Wahrheit ihrer Geschichte – man fand das Stück am andern Morgen auf dem Altar liegend.
Aus dem Buch: Die schönsten Sagen aus dem Harz, 3. Auflage, S. 88–90

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