Vor ungefähr 5000 Jahren ist der Teestrauch zum ersten Mal in chinesischen Schriften erwähnt worden. Über buddhistische Mönche gelangte er nach Japan und von dort brachten die Niederländer etwa um 1600 den Tee nach Europa. Ab 1714 kam dann der Tee über England in den Harz, als der Kurfürst von Hannover auch König von England wurde. Die Mode des Teetrinkens verbreitete sich schnell im bürgerlichen Mittelstand, aber sie unterscheidet sich vom Kaffeetrinken. Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen. »Treten Sie ein, legen Sie Ihre Traurigkeit ab, hier dürfen Sie schweigen«, heißt es bei Rainer Kunze in »Einladung zu einer Tasse Jasmintee«. Wohl dem, der einen Freund hat, bei dem er schweigend eine Tasse Tee trinken kann, auch wenn es in der Nacht ist.
»Tee hat nicht die Arroganz des Weines, nicht das Selbstbewußtsein des Kaffees, nicht die kindliche Unschuld von Kakao. Im Geschmack des Tees liegt ein zarter Charme, der ihn unwiderstehlich macht.« (Kakuzo Okakura im
»Buch vom Tee«)
Im Tee liegt Ruhe und Bescheidenheit. Er regt an, aber nicht auf. Tee ist der Philosoph unter den Getränken, mit fernöstlichem Denken und Handeln untrennbar verbunden. Gegenüber dem robusten Kaffee verlangt der Tee Aufmerksamkeit. Abwarten und Teetrinken benötigt geeignete Gelegenheiten. Das klassische Tee-Lehrbuch Chinas
beschreibt sie so: »Wenn man beim Denken gestört worden ist. Bei gutem Gespräch in tiefer Nacht. Wenn es ganz leise regnet…Wenn die Kinder in der Schule sind. In einem kleinen Bambuswäldchen an einem Frühlingsabend.
Bei wunderlichen Felsen.«
Der Tee ist ein Kunstwerk und braucht die Hände eines Meisters, um seine edlen Eigenschaften entfalten zu können. Das Teeritual in Ostasien hängt mit der Tee-Ernte als poetische Weihehandlung zusammen. Es ist ein kompliziertes Ineinandergreifen von Terminen, der Pflückart, der Selektionen (First Flush, Second Flush, Regen- und Herbsttee aus Assam und Darjeeling) und dem Aufbrechen der Blätter. Die Ernte geschieht mit Daumen und Zeigefinder von jeweils nur zwei Blättern. Je jünger die Blätter, desto feiner das Aroma, das sich aber erst nach der Fermentierung entfaltet, wenn der Tee schwarz wird. Unfermentiert bleibt es der Grüne Tee.
Unabhängig von der gewünschten Sorte gibt der schwarze Tee sein Aroma bei 100 °C frei, das Wasser muss also
sprudelnd kochen. Die vorgewärmte Kanne geht zum Wasserkessel, nicht umgekehrt. Das Wasser muss langsam über den Tee gegossen werden, damit möglichst wenig Luft an den überbrühten Tee gelangen kann.
Die Dosierung ist ein Teelöffel pro Tasse, nicht länger als drei, maximal fünf Minuten ziehen lassen – je kürzer, desto milder schmeckt er. Die Wirkung ist dann anregend durch die Freisetzung von Coffein. Zieht er länger, wird er bitterer und die Wirkung ist beruhigend durch die Freisetzung der Gerbstoffe. Grüner Tee wird mit Wasser von 80-90 °C bereitet.
Tee hilft in allen Lebenslagen. Er tröstet und erfrischt bei Hitze, Kälte und Müdigkeit, ob man sich wohl fühlt oder nicht. Tee ist immer richtig.
Heißer Schwarztee mit Limetten- oder Zitronensaft wärmt uns im Winter, aber auch Früchtetees und Hagebuttentee. Zusätze von Gewürzen wie Ingwer, Chili und Kardamom erhöhen die anregenden Eigenschaften und entwickeln eine wohltuende und verdauungsfördernde Wirkung. Auch ein Teepunsch mit Kräutern erfüllt diese Eigenschaften in der kalten Jahreszeit.
Teepunsch Kaffee, Tee und Schokolade
Heiße Schokolade Cremig, süß und nahrhaft