Zum Inhalt springen

Sagen aus dem Harz · Schloss Wernigerode

Der Walfisch am Wernigeröder Schloss

Auf der Karte zeigen
Der Walfisch am Wernigeröder Schloss

Bei einer großen Wasserflut, deren riesige Wellen auf ihrem Weg alles zerstört hatten, sichtete man nicht unweit des Wernigeröder Schlosses einen Walfisch. Sofort berichteten die Schiffsleute dem Grafen, dass ein riesiger Walfisch auf das Schloss zukäme. Er wäre so riesig, dass er wohl das ganze Schloss mit all seinen Bewohnern verschlingen könne. Der Graf schickte einen Boten zu einer weisen alten Frau, die ihm schon oft mit guten Ratschlägen zur Seite gestanden hatte.

Die Alte kam auch sofort und riet dem Grafen ein starkes Seil anfertigen zu lassen, an dessen Ende ein sehr großer und stabiler Eisenhaken mit spitzen Widerhaken befestigt werden sollte. Dann sollte man das Seil aus dem Schlossfenster hinaus auf die Schlossmauer hängen und auf den Haken ein riesiges Stück Fleisch aufspießen. Der Walfisch würde den riesigen Fleischhappen nicht verschmähen und ihn mitsamt dem Haken verschlingen. Dann solle man das Seil anziehen, bis der Wal am Haken hänge und ihn so lange an der Mauer hängen lassen, bis er verhungert sei.

Nun gut, meinte der Graf und gab entsprechende Befehle. Da er aber doch ein paar Zweifel hatte, rief er seine tapfersten Ritter zusammen. Falls der Plan schief gehen würde, wollte er mit ihnen zusammen das Schloss verteidigen.

Alle Bewohner des Schlosses zogen sich auf Geheiß des Grafen in den Bergfried zurück. Die Ritter aber versammelten sich hinter dem Schloss zum Angriff auf das Untier. Mit einer tosenden Welle, fast einer Sturmflut gleich, kam der riesige Walfisch auf das Schloss zu. Wie die Alte gesagt hatte, schnappte er nach dem Fleischhappen und verschlang ihn mitsamt dem Haken. Die Männer zogen das Seil an und der Walfisch hing an der Schlossmauer – bis er verhungert war. Die Wasserflut aber ging sogleich zurück und alle waren froh, dass das Unheil abgewendet werden konnte. Das Walfischgerippe aber sollte als Wahrzeichen für die Tapferkeit der Bewohner des Schlosses auf ewig am Wernigeröder Schloss zu finden sein. Noch heute können alle Besucher des Schlosses einen riesigen Walknochen bestaunen.

Aus dem Buch: Die schönsten Sagen aus dem Harz, 3. Auflage, S. 42–43

Buch: Die schönsten Sagen aus dem Harz

Mehr davon im Buch

Die schönsten Sagen aus dem Harz

Mit 33 farbigen Illustrationen der Harzer Künstlerin Luise Bussert.

17,90 €versandkostenfrei, bequem auf Rechnung

Mehr zum Buch

Das könnte Sie auch interessieren

Beliebt
Sage · Teufelsmauer, Weddersleben Die Sage von der Teufelsmauer Meilenlang zieht sich am Ostrand des Harzes mitten durch die vorgelagerte Ebene ein steiler, schmaler Bergrücken hin, dessen Spitze von einer fortlaufenden Kette groteske
Beliebt
Sage · Brocken Die Sage von der Walpurgisnacht In der letzten Aprilnacht findet in jedem Jahr auf dem Brocken, dem Blocksberg, ein schauerliches Spektakel statt: Der Teufel lädt seine Hexen zum Hexensabbat ein.
Beliebt
Sage · Rosstrappe, Thale Die Sage von der Rosstrappe Die Sage führt uns in die altersgraue Zeit, in welcher noch das gewaltige Geschlecht der Hünen den Harz bewohnte.
Beliebt
Sage · Ilsestein, Ilsenburg Prinzessin Ilse Mächtiger denn heute ragte in alten Zeiten der Gipfel des Ilsensteins empor, damals, als er mit dem gegenüberliegenden Westernberge noch ein Ganzes bildete.
Beliebt
Sage · Hübichenstein, Bad Grund Die Sage vom Zwergenkönig Hübich In altersgrauer Zeit, als noch die Riesen auf Erden wandelten, ging einst ein solch gewaltiger Geselle bei Grund vorbei.
Beliebt
Sage · Wernigerode Die Zwerge von Wernigerode Rings um Wernigerode wohnten hunderte von Zwergen; in den Bergen, im Tiergarten, ja selbst in den Teichen hatten sie ihre Schlupfwinkel; dort, wo jetzt der Teichdamm sich
Sage Wie Heinrich der Löwe zu seinem Namen kam Vorzeiten zog Herzog Heinrich, der edle Welfe, ins Gelobte Land.
Sage · Baumannshöhle, Rübeland Die Entdeckung der Baumannshöhle Noch vor dem großen Krieg, der die deutschen Lande verwüsten sollte, lebte in Rübeland ein Bergmann mit Namen Friedrich Baumann.

Einloggen oder registrieren

Kostenlos und ohne Passwort: Sie bekommen einen Link per E-Mail und lesen danach alle Geschichten vollständig.

Mit Ihrem Zugang schreiben wir Ihnen gelegentlich, wenn wir eine neue Harzwelt aufmachen – neue Geschichten und Themen aus dem Harz und die Bücher dazu. Abmelden können Sie sich jederzeit mit einem Klick auf den Link in jeder Mail. Datenschutz