Echtes Mädesüß

»Labkraut blüht und Mädesüß über grauen Nesselbüschen. Aus den Brüsten einer Göttin schäumten sie als weiße Quellen die Verdorrten zu erfrischen.«

– Wilhelm Lehmann

Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Zeichung: Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)

Das Echte Mädesüß ist eine Wiesenkönigin mit vielblütigen doldig-rispigen Blütenständen, die wie Schaum-Wolken am Pflanzenstiel mit einer Länge von bis zu zwei Metern aus der Wiese herausragen und einen starken Duft verströmen. »…sein Geruch macht das Herz lustig und froh und beglückt die Sinne«, so wurde die Pflanze bereits im Mittelalter verehrt.

Die winterharte Staude wächst sowohl auf kalkarmen als auch auf Kalkböden, will diese aber nährstoffreich und am liebsten feucht. An solchen Stellen finden wir sie auch in der Harzregion, vorwiegend im Vorharzgelände auf feuchten Wiesen und an feuchten Gräben, sonst sogar bis auf 1500 m Höhe. Sie ist eine Bienenpflanze, die zu den Rosengewächsen gehört.

Der Name Mädesüß wird in Beziehung gebracht zu Met, dem Honigwein, zu dessen Aromatisierung die Pflanze verwendet wird. Sie wird deshalb auch Honigblüte genannt. Andere Bezeichnungen sind Wiesengeißbart, Bocksbart und Metkraut. Die schmackhaften Blüten, die uns von Juli bis August erfreuen, erlauben auch eine Verwendung in der Küche zu Marmeladen und Desserts. Der lateinische Name ulmaria weist darauf hin, daß die Einzelblättchen der ununterbrochen gefiederten Blätter denen der Ulme ähnlich sind. Spierstaude wird das Mädesüß auch genannt, weil die ursprüngliche Bezeichnung von Linné spiraea lautete.

Auf Mager- und Trockenrasen kann man noch das Kleine Mädesüß [filipendula vulgaris] finden, das auch Knolliges Mädesüß wegen der Knollen an der Wurzel genannt wird. Es unterscheidet sich von dem Echten Mädesüß mit seinen 20-50 fiederspaltigen bis gesägten Fiederblättchen in einer grundständigen Rosette; außerdem ist der Blütenstand maximal zehn cm lang. Diese Pflanze kann arzneilich nicht verwendet werden. Über einen medizinischen Gebrauch des Echten Mädesüß in der Antike und im Mittelalter gibt es nur sehr spärliche Quellen. Adam Lonitzer nennt die Pflanze in seinem Kräuterbuch auch »Roter Steinbrech« und meint, »dieses Krauts Wurzel ist gut für den Stein«.

Als Heilmittel ist die Pflanze erst spät entdeckt worden

Vor ungefähr 150 Jahren fanden Forscher nicht nur in der Weidenrinde, sondern auch in dem Mädesüß oder der Spierstaude Salicylsäurederivate. Jahre später gelang dann erstmalig die synthetische Herstellung von Acetylsalicylsäure. Dieses Mittel wurde dann Aspirin genannt – abgeleitet von dem lateinischen Namen der Spierstaude: aspirea – ein bahnbrechendes Pharmakon, das leider unangenehme Nebenwirkungen verursacht. In der Pflanze sind noch weitere Wirkstoffe wie Gerbstoffe und Flavonoide enthalten, die sich gegenseitig mit weniger Nebenwirkungen ergänzen.

Als sogenanntes pflanzliches Aspirin ist das Mädesüß bei fieberhaften Erkrankungen, grippalen Infekten und zu Schwitzkuren angezeigt, diese wirken schweiß- und harntreibend, fiebersenkend, schmerzlindernd, entgiftend und antiseptisch. Für einen Kaltauszug [ein Teelöffel auf eine Tasse] läßt man die Droge zehn Stunden auslaugen, seiht ab und wärmt vor dem Trinken leicht an.

Wissenschaftlich bewiesen ist sowohl die Minderung der Magensäure als auch die Linderung von Gelenkschmerzen. Das deutet darauf hin, daß der Säurespiegel im gesamten Körper verringert wird. In der Volksheilkunde schätzt man den Tee auch bei Rheuma, Gicht und Migräne ohne die Nebenwirkungen von Aspirin in Tablettenform. Bei Grippe und Erkältungen empfiehlt sich zusätzlich ein Fußbad mit den Mädesüß-Blüten.

Blätter und Wurzel enthalten Gerbstoffe, die einen Einsatz bei Schleimhautreizungen und Durchfall rechtfertigen. Ein Aufguß aus den Blättern ist wohlschmeckend. Mädesüß verdient wieder entdeckt zu werden! Hinweis: Nicht in der Schwangerschaft und in der Stillzeit anwenden! Auch nicht bei Kindern unter zwei Jahren!